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Medizynische Rehabilitation und Integration

Liebe Menschen,

nachdem ich im vorvergangenen Jahr einen großen Teil meines Krankenhausaufenthalts einem Auftraggeber vom Krankenbett aus „gefällig war“ und sogar meine Reha entsprechend organisierte, sie ambulant absolvierte, um für dieses Haus nach Krankengymnastik und Fango, noch die Büroorganisation zu sichern, werde ich es dieses Jahr anders angehen. Ich nehme mir die Zeit für mich, meine Gesundheit und damit auch für die Menschen, die mir so unfassbar wichtig sind.

So packe ich gerade meine Krankenhaustasche und neben ausreichend Klamotten zum Wechseln, Hygieneartikeln und meinem Kuschelbären eine große Kladde und meinen Federhalter für die kommenden 8-10 Tage. Anschließend geht es nochmal für knapp eine Woche nach Hause und dann in Reha für mindestens 3 Wochen. Zur Belohnung wartet am Ende der Rekonvaleszenz eine Tätigkeit im Bundesfreiwilligendienst auf mich, die sich erfreulicher Weise mit Geflüchteten beschäftigen wird.

lebenNeben Krankengymnastik, Physio und Mobilitätstrainig, setze ich mich mit Kladde und Federhalter in die prachtvolle Parkanlage oder an den Strand und schreibe meinen Teil „unserer Integrationsgeschichten“, die Laura Schröder und ich zu erzählen haben. Laura selbst bringt bereits fleißig ihre Texte mit viel Leidenschaft zu Papier und ich hoffe, dass wir unsere beiden Teile dann zum Sommerende zusammenführen und überlegen können, in welcher Form genau das Leben für und mit Geflüchteten in unserem Landkreis zum Nachlesen und Nachdenken erscheinen wird. So aktiv Politik, Quadriga und deren  Marionetten damit beschäftigt sind sich in Grabenkämpfen zu ergehen, wichtige Ausschüsse zu BlogVorlese-Stunden zu missbrauchen, aus freiwilligen Helfern Feindbilder zu malen, die dann in neuen Unterkünften ausgehangen werden sollen  – und über, statt mit Menschen zu reden, sie zu diffamieren und ihnen Steine im besten Fall nur in den Weg zu legen, ist zur Zeit vom Sachbuch über Belletristik bis hin zur Enzyklopädie in der Tat alles möglich. Wir arbeiten an Lach- und Sachgeschichten ebenso, wie an Protokollen der Unmenschlichkeit, es gibt so ziemlich alles zwischen Berührend und Entsetzlich zu erzählen. Und nahezu täglich kommen neue Geschichten hinzu, gibt es neue Denkanstöße und weiteres Versagen. Die unendliche Geschichte der Integration?

So melde ich mich ab und wünsche euch einen schönen Start in den Sommer.

Ein herzliches AufWiederLesen

euer leuchtstürmischer, polarisierend politisch aktiver, linksgrünversiffter und je nach Standpunkt recht extrem linker Gutmensch

bigi

 

 

 

 

 

Der Landkreis und seine Lei – D – kultur der Integration

Ich erwähnte ja bereits mehrfach, dass „Haltung“, „Statements“ und die Kleinen Anfragen von Herrn Axel Hochschild, sowie die Kommentare anderer sogenannter Verantwortlicher der Flüchtlingssituation im Landkreis – die sich vermeintlich mit meiner Personalie, wohl aber dann doch eher einfach nur mit meiner Person beschäftigten, zu einem wesentlichen und wie nicht nur ich finde, sehr positivem Ergebnis führte –

das Thema Integration wurde in den Fokus gerückt

Gerade die geschickten Fragestellungen seitens Herrn Hochschild „und“ der **U-Bürgerschaftsfraktion führten dazu, dass Geflüchtete, Helfer und natürlich auch ich weiter befragt wurden und uns so die Möglichkeit geboten wurde, mit der einen oder anderen Unterstellung und dem einen oder anderen Gerücht „aufzuräumen“. So zeigt sich der eine oder andere ehemalige Bewohner der Notunterkunft Sporthalle Feldstraße im besten Falle entrüstet darüber, dass den Geflüchteten seitens der Herren AlNajjar, Scheer, Hamm etc., Herren, die noch nie ein persönliches Wort  mit ihnen wechselten und auch damals zu keinerlei Gespräch zur Verfügung standen, immer noch nachgesagt wird, dass sie sich hätten von den HelferInnen instrumentalisieren und zur Demonstration „anstacheln“ lassen. Ganz davon zu schweigen, wie es bei einigen der Geflüchteten ankommt, dass „ihre Mama bigi“ in diesem Zusammenhang besonders gerne von diesen Herren in den Mittelpunkt gerückt wird? Ist es nicht verständlich, dass dies ziemlich an der syrischen Ehre kratzt, besonders im Hinblick darauf, dass sich im Kreise besagter Herren ein Landsmann befindet, der selbst vor über 25 Jahren mit einer ganz anderen Intention nach Deutschland kam? Wie sollen sie diesen Landsmann verstehen und respektieren,  vereint er für die Geflüchteten doch so all jene Eigenschaften in sich, an welchen Rechtspopulisten & Co. den „Wirtschaftsflüchtling“ festmachen? Wäre dieser Landsmann heute, nicht allein bedingt dieses Migrationshintergrunds, nicht ganz vorne in Rostock-Laage mit dabei? Schleuser und sogenannte Flucht-Broker werden gemeinhin verurteilt – wieso nicht jene Personen, die vor unseren Türen mit Kriegsgeflüchteten nicht nur ein Geschäft machen, sondern eben auch noch vielleicht mutmaßlich Geschäfte machen?

Auf Fragen folgen Erfahrensberichte und Erzählungen

Ein weiteres Ergebnis der letzten Wochen sind so manche Beiträge und Erzählungen von Geflüchteten, die von ihren Erfahrungen im Landkreis im Allgemeinen und den mutmaßlichen Verantwortlichen im Besonderen berichten und die sicher in nächster Zeit ihren Weg in die Öffentlichkeit finden werden.

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Die Menschen im Hafen von Piräus…

klingt nach der ersten Zeile eines Schlagers von vielleicht Lena Valaitis oder Costa Cordalis, ist aber ein Einblick in die Arbeit der freiwilligen HelferInnen. Lauri van Tatze gewährt uns diesen Einblick, mit ihren ganz eigenen Worten und Gefühlen.

Liebe Lauri, ich bin enorm glycklich, dass du  gesund wieder hier bei uns bist. Vielen, vielen Dank für dein Vertrauen, deine Sicht der Dinge und dass du uns hier im SynchronUniversum teilhaben lässt, an eurem unfassbaren Einsatz für die Menschlichkeit.

Hearts and elbows…

Wie angekündigt, möchte ich gern ein paar Sätze über unsere schicksalshaften Begegnungen sagen. Wir haben uns viel mit den Menschen unterhalten und haben unser eigenes Leben zu schätzen gelernt. Sobald man nach einer Ehefrau, einem Ehemann, Geschwistern oder Eltern fragte, bekam man viel zu oft einen Finger zu sehen, der in den Himmel zeigte mit der Antwort „in heaven“.

Besonders hat mich die Geschichte von Armani berührt. Armani arbeitet bei uns als „refugee volunteer“. Er singt immer sehr viel und wenn er singt und Musik hört, dann ist er immer in seiner eigenen Welt. Er ist dann immer richtig abwesend. Armani ist ein herzensguter Mensch, er verteilt viel Liebe und strahlt ein unglaublich ruhiges Wesen aus. In Griechenland wurde vor kurzem Ostern gefeiert mit Feuerwerk. Armani erzählte uns, dass er Feuerwerk liebte, bis sich „Feuerwerk“ für immer als Verbindung mit „Tod“ in sein Hirn brannte. Armani ist allein in Griechenland. Er zeigt mir immer wieder Fotos von seiner Frau. Sie ist tot. Fast alle sind tot. Seine Geschwister, seine Eltern, seine Frau, seine Kinder. Alle sind „in heaven“, ermordet von der Taliban in einer Silvesternacht. Armani hat nur überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus war. Aus seinen Augen spricht so viel Traurigkeit. Er kümmert sich immer so wundervoll um uns und erweist uns zu jeder Zeit enorm viel Respekt. Armani ist es auch, der als erstes weinen musste, als wir uns verabschiedeten.

Ich werde in den weiteren Fällen auf Namen verzichten. Die Geschichten sprechen für sich.

Ein weiterer „Refugee volunteer“ stammt aus Afghanistan. Auch er erzählt uns viel von der Taliban und welche Orte am gefährlichsten sind. Auch er erzählt uns vom Himmel und seinem Bruder. Dieser hatte keine Chance mehr zu fliehen, denn er wurde erhängt. Der Tod spielt in vielen Köpfen eine Rolle. Wir haben so verdammt viele alleinerziehende Menschen getroffen, deren Ehepartner einfach nicht mehr am Leben ist.

lauriIch saß an einem Tag lange mit einem Syrer am Hafen in der Sonne und habe mich unterhalten. Wir sprachen über Träume und Hoffnungen und unsere Vergangenheiten. Er erzählte mir von seinem Job, seinem Haus, seinen Freunden, seinem Leben vor der Flucht. Auch von ihm bekomme ich sehr oft einen Fingerzeig in den Himmel.

Wir haben auch eine Iranerin kennengelernt. Sie spielte im iranischen Fußballnationalteam. Sie erzählt uns viel davon. Sie ist mit ihrer Schwester hier. Ihre Mutter lebt nicht mehr und für ihren Vater hat das Geld für die Flucht nicht gereicht. Er hat sie auf die Flucht geschickt, als vor ihnen eine Autobombe hochging und sie dies fast mit ihrem Leben bezahlt hätten.

Wir kommen mit einem weiteren Syrer ins Gespräch, den wir kennenlernten, als Geflüchtete auf dem Boden um Orangen kämpften. Birgit und ich unterhielten uns über diese Situation und der Syrer kam auf uns zu und sagte: „Schlimm, oder?“. Ja, er sprach tatsächlich deutsch. Unglaublich. Wir kommen ins Gespräch, er erzählt uns, dass er zehn Jahre in Deutschland gelebt hat. Sein Großvater wollte aber wieder zurück in die Heimat und so ging die gesamte Familie wieder fort. Nun ist er Flüchtling. Er ist allein mit seinen beiden Kindern hier in Piraeus gestrandet. Er kann uns viel von den Schleusern berichten und wie man es über die Grenzen schafft. Er erzählt uns auch, dass er mit dem Boot kam. 46 Erwachsene und 15 Kinder in einem Boot, welches eigentlich für 15 Personen insgesamt ausgelegt war. Mitte im Meer sei dann aber der Motor ausgefallen und wollte nicht wieder anspringen. Er erzählte dann, dass jeder im Boot anfing zu beten. Er lachte, er fand es witzig, dass in der Not Christen und Muslime zusammen sitzen und jeder seinen Gott anbetete. Mir war allerdings gar nicht zum lachen dabei. Er erzählte uns auch, wie alle zusammen sangen und sich freuten, als der Motor endlich wieder ansprang. An der Küste zerschellte dann sein Boot, weil es gegen einen Felsen prallte.

Dies alles sind Beispiele für den Background der Geflüchteten. Unserer Syrer sagt uns, dass es in diesem Camp einfach keine Hoffnung gebe. Keiner wisse, wie es weitergeht. In Griechenland hat man genau einen Weg, um einen Termin für den Asylantrag zu bekommen: 3h pro Woche via Skype. Dies gilt für alle Flüchtlinge hier. 3H Pro Woche für tausende Menschen. Das ist unmöglich machbar. Unser Syrer sagt, dass die Leute verrückt werden, weil viele Hunger haben. Er äußerte: „In Syrien stirbt man genau ein Mal, hier stirbt man vier bis fünf Mal am Tag.“.

Und wieder fange ich an mich zu schämen. Ich schäme mich für das Handeln Europas, ich schäme mich, dass die EU Deals mit der Türkei macht. Ich schäme mich Teil dieses Systems zu sein. Die Menschen werden hier seitens der Regierung unter massiven Druck gesetzt, damit sie das Camp freiwillig verlassen, aber wo sollen sie hin? Diese sogenannte „Krise“ hat sich Europa selbst geschaffen. Wir haben kein Flüchtlingsproblem. Europa ist das Problem selbst. Keines dieser Camps wäre nötig, wenn Europa Stärke und Zusammenhalt gezeigt hätte oder sich einfach nur an die Menschenrechte halten würde. Nichts davon ist hier zu sehen. Die Menschen hier verlieren ihre Hoffnung, aber sie bedanken sich immer und immer wieder bei uns, dass wir für sie da sind und ihnen helfen.

Dank des freundlichen Verlinkens meiner Person, habe ich gesehen, dass meine Texte in verschiedenen Facebookgruppen verwendet wurden und ich habe dazu auch was zu sagen:

Schämt euch! Schämt euch, dass ihr meine Texte, die Kopien einzelner Negativsätze aus dem Zusammenhang gerissen habt und für eure Propaganda gegen Flüchtlinge missbraucht.

Ich habe immer wieder betont, dass wir sehr gesittete und freundliche Flüchtlinge erlebt haben, weil es genau so auch war. Alles, was mit Verteilungen zu tun hatte (egal ob Kleidung oder Nahrung), stellte Ausnahmesituationen dar. Dieses Verhalten wird durch die von der Regierung geschaffenen Lebensumstände hervorgerufen und ist nicht Teil einer arabischen Kultur!

01052016-3Der Hafen von Piräus ist ein Ort der Verlassenen und Hoffnungslosen. Viele Menschen leben seit mindestens 2-3 Monaten im Camp, schlafen im Zelt auf Betonboden, wenn man denn ein Zelt hat. Einige Familien schlafen einfach so auf dem Boden und haben sich aus Decken ein Dach gebaut. 3 Monate auf Betonboden mit tausenden anderen. Wann soll man da zur Ruhe kommen? Des Weiteren wird bewusst zu wenig Essen geliefert. Wir bekamen 1.200 abgepackte Mahlzeiten für mindestens 1.400 Menschen. Jedes Mal gab es Leute, die nichts zu Essen bekamen. Tagelang gab es keine Trinkwasserlieferung, weil Wasser von Spenden finanziert wird. Tagelang blieben Kleiderspenden aus und es gibt Menschen, die fast 2 Wochen lang dieselbe Kleidung tragen mussten, weil sie nur die Kleidung hatten, die sie am Körper trugen und sie bei der Kleiderverteilung nicht rankamen.

All das zusammen, lässt Menschen verrückt werden. Fehlende Ruhe und Hunger allein über einen längeren Zeitraum können einem den Verstand rauben. Dazu kommen die schlechten hygienischen Bedingungen: sämtliche Hygieneprodukte gibt es nur, wenn es genug Spenden gibt, Wasser gibt es nur in kalt.

Und ihr erklärt im Internet wie schlimm es mit Flüchtlingen ist? IHR seid schlimm. Ihr seid die zersetzenden Geschöpfe unserer Gesellschaft. Euer Hass und Neid und eure Missgunst führen uns in den Abgrund und werden euer hoch gelobtes Abendland, welches ihr nicht mal definieren könnt, in die Knie zwingen. Ihr nehmt euch die Frechheit heraus über Menschen zu urteilen, denen ihr niemals eine Chance gegeben habt selbst etwas zu sagen. Ihr glaubt, dass ihr etwas Besseres seid, weil ihr einfach nur Glück hattet in Deutschland geboren zu sein. Ihr faselt von christlichen Werten, dabei seid ihr schlichtweg Rassisten. Liebe deinen Nächsten? Wie war das noch gleich? Vatertag… ist eigentlich Christi Himmelfahrt… was passierte da nochmal… Jesus säuft sich mit Gott die Hucke voll oder so? In einer Welt voller Ellenbogen ist für ein Herz kein Platz und ihr seid die Ellenbogen, die nur sich selbst sehen. Ihr habt rein gar nichts mit christlichen Werten gemein. Und eines haben alle freiwilligen Helfer euch voraus: wir haben die Erfahrungen gemacht, persönlich. Wir sind mit den Menschen direkt in Kontakt getreten und wir haben durchaus Ursachen erkannt, ihr seid einfach nur feige. Ihr wollt euch als starke Masse profilieren, dabei seid ihr nur schwache Gestalten. Gier, Geiz, Neid und Zorn gehören übrigens allesamt zu den Todsünden, aber vermutlich ist das schon wieder zu christlich für die christlich besorgten Bürger?

Bilder & Text ©Lauri van Tatze, April/Mai 2016

Eigentlich hab ich Fragen… stattdessen Helferbericht III – Piräus im Mai 2016

Vorgestern wurden wir von einem Freund auf weitere syrische Menschen aufmerksam gemacht, die seit wenigen Tagen in Greifswald „untergebracht“ sind und… muss ich es wirklich noch sagen? Da mein Terminkalender bis heute gefüllt und auch mein Schatz ziemlich eingebunden war, baten wir einen befreundeten Helfer sich im Rahmen der menschlichen ErstHelferGeflüchtetenHilfe zu kümmern. Er sprang sofort in sein Auto und leistete eine erste praktische und menschliche Notversorgung. Heute besuchten dann wir diese Menschen in ihrer „Unterkunft“ zum ersten Kennenlernen. Für diesen Besuch mit integriertem umfassenden „Eindruck“ gibt es kaum einen freundlichen Ausdruck. Zusammengenommen mit der Geschichte und den Erfahrungen hier in Greifswald, die diese Hilfesuchenden in den nur wenigen Tagen machen mussten, ergibt sich ein Beitrag, für den es mehr als eine Seite Druckerpapier braucht und mindestens ebenso viel Zeit, um diesen in Ausschüssen vorzulesen. Vielleicht weiß man im Landkreis aber auch einfach wieder nichts davon? In den kommenden Tagen werden wir sicher häufiger dort vor Ort sein – und wer weiß, vielleicht nehmen wir doch einfach mal jemanden von der professionell schreibenden und fotografierenden Zunft mit?  Vielleicht gelingt uns so ein verbessertes, gesünderes und menschlicheres Integrieren?

Heute ist Himmelfahrt, Herrentag, Vatertag, ja ein Feiertag und eigentlich – ja eigentlich wollte ich ein paar Fragen stellen, rund um die Horden, überwiegend  herumgröhlender wankender Männer, die dem hoeckeschen Aufruf folgen und ihre Männlichkeit wiederentdecken, die ihre achso deutschen Werte in den blauen Frühlingshimmel rülpsen und quer durchs Abendland kotzen.  Fragen zu jenen, deren Bollerwagentouren einer Höllenfahrt gleichen und die nur sehr bedingt etwas von Herren haben und vom Alter her eher Muttisöhnchen den Väter sind. Fragen zu den deutschen PatriotenGestalten, die im Suff Bedienungen angraben, antatschen und auch sonst wenig des stets von anderen eingeforderten deutschen Anstands gegenüber dem weiblichen Geschlecht walten lassen.

Aber

mich erreichte auch der dritte ausführliche  Teil des Helferberichts von Lauri van Tatze aus Priäus. Und da ich mich erst wieder abregen muss und den restlichen FeierTag mit der Organisation von praktischer und dringend notwendiger (auch medizinischer) Hilfe für die neuen Greifswalder verbringen werde, wird dieser Bericht mal gleich online gestellt.

We can hide things away, but we can´t forget.

Der letzte Blogeintrag ist schon ein paar Tage her. Der Grund dafür ist nicht etwa, dass ich keine Lust gehabt hätte mitzuteilen, was so los ist, ich konnte es irgendwie nicht mitteilen. Die letzten Tage haben uns an unsere Grenzen gebracht. Wir haben Situationen erlebt und Bilder gesehen, die alles überstiegen, was wir zuvor sahen. Wir haben Einzelschicksale von Menschen erfahren, die uns haben sehr nachdenklich werden lassen.

Was war passiert? Die Lage im Camp wurde schlechter, das war deutlich spürbar. Wir bekamen keine Kleiderspenden mehr, das bedeutete, dass wir auch kaum Kleidung herausgeben konnten. Die Menschen wurden in ihrem Verhalten entweder irgendwie aggressiver oder sie bettelten nahezu einen an. Was ich aber nunmal nicht habe, kann ich auch nicht vergeben. So kam mal wieder der ein oder andere Vorwurf, dass wir Sachen einfach verstecken würden. Immer wieder gelang es Geflüchteten ins Lagerhaus zu kommen,sie durchwühlten dann die Sachen und zerstörten immer wieder unsere Arbeit. Das war frustrierend. Sachen, die angeschafft wurden, um zu helfen, wofür Spendengelder eingesetzt wurden, wurden gestohlen. Ich versuche mir immer mögliche Gründe für dieses Verhalten zu überlegen. Wie weit muss jemand gehen, dass er stiehlt und damit in Kauf nimmt, dass viele andere Menschen dann nichts bekommen könnten. Ist das anerzogener Egoismus? Hat die erbärmliche Situation im Camp Menschen dazu gemacht? Mir fällt es definitiv schwer zu verstehen, warum es einige so schwer fällt zu teilen.Vermutlich weil teilen bedeutet, dass jeder nur minimal etwas bekommen kann, weil allgemein bekannt ist, dass wir von allem zu wenig haben.

IMG-20160502-WA0011Wir waren in den letzten Tagen auch mal bei der School Box im Camp E1. Viele Kinder…. diese vielen Kinder. Ehrenamtliche Helfer kümmern sich hier rührend darum, dass Kinder wenigstens ein paar Stunden lang Kinder sein dürfen. Wir puzzeln und lassen uns die Fingernägel bemalen. Natürlich würde sich jeder Nageldesigner bei dem Endresultat die Hände über den Kopf zusammen schlagen, aber wir freuen uns natürlich und sind total begeistert, wie „schön“ die Kinder unsere Nägel gestaltet haben. Sie freuen sich und das freut uns. Wer allerdings auch immer auf die Idee kam Nagellack in die School Box zu bringen, hätte vielleicht auch an Nagellackentfernertücher denken sollen. Wir bekamen den Billiglack leider nicht mehr von unseren Nägeln oder unserer Haut. Wir kratzten und pulten, aber der Mist blieb einfach an unseren Händen kleben. Ich müsste wohl dann Handschuhe zur Essensverteilung im Camp E1.5 tragen.

IMG-20160502-WA0016Auffällig war beim spielen mit den Kindern, dass so einige kleinere Konflikte mit Gewalt lösten. Ich meine damit nicht ein bisschen schubsen, ich meine wirklich schlagen und verletzen. Ich musste zwei Kinder trennen, weil der eine anfing, den anderen wirklich ernsthaft zu würgen. Die Flucht und Situation in den Lagern lehrt hier vielen eines: Du musst Dich scheiße benehmen, um zu bekommen, was du willst. Oder kurz: Der Stärkere gewinnt. Dieses Verhalten ist bei Kindern auf jeden Fall antrainiert.Wir haben mehrfach beobachtet,wie Kinder zum Stehlen von Erwachsenen animiert wurden, weil Kinder es leichter haben zu klauen irgendwie. Das erahnt nichts Gutes für die Sozialkompetenz dieser kleinen Geschöpfe. Natürlich haben wir aber auch viele sehr gesittete Menschen unter den Geflüchteten dabei, denen so ein Verhalten genauso zuwider ist wie uns.

Unsere Schicht in der School Box endet und wir kehren zurück zum Camp E1.5. Die Essensverteilung steht an. Was wir diese Tage bei den Essensverteilungen erlebten, hat unseren Blick auf Nahrung für immer verändert. Wir bekommen seit Tagen zu wenig Wasser oder gar kein Wasser geliefert. Auch wenn wir als Helfer daran keine Schuld tragen, bekommen wir sie oft. Was die Leute nicht verstanden haben, oder einfach nicht wissen, die Regierung sendet uns kein Wasser. Das Wasser kommt von Spendengeldern. Das bedeutet erneut: Keine Spenden, kein Wasser. Das Essen der letzten Tage war teilweise sogar verdorben geliefert worden. Bei den Essensausgaben müssen sich die Leute in Reihen aufstellen. Eine Mahlzeit pro Person, einige diskutieren mit uns ständig, dass sie mehr brauchen, wir versuchen ständig zu erklären, dass wir aber nicht mehr geben können. Wir werden oft angeschrien oder beschimpft, der ein oder andere schmeisst uns das Essen auch vor die Füße. Wenn man nicht genug hat, dann lieber gar nichts nehmen? Ok, etwas, was ich auch nicht verstehen kann, aber einfach hinnehme. Wir arbeiten weiter und ständig kommen Leute von der Seite und wollen dies und das zusätzlich oder sich nicht anstellen. Unsere Antwort: No Line, no Food. Wer sich nicht anstellt, bekommt nichts. Anders geht es einfach nicht bei 1.500 Menschen. Es kam dann dazu, dass zum Ende der Verteilung ein Kind durch die Absperrung kletterte und einen halben Karton Orangen stahl und davon lief. Maria (eine ehrenamtliche Heldin aus Spanien bei den Duschen der Frauen) schnappte sich das Kind und brachte den Karton zurück. Wir wollten die Orangen unter den restlichen Leuten austeilen. Das war nicht möglich, also stellten wir den Karton auf den Boden und sogleich brach darum ein Kampf aus. Erwachsene Männer lagen auf dem Boden und stritten sich, um ein paar Orangen. Ich bin erschüttert über diesen Anblick. Doch die Verteilung von Essen solle einfacher werden. Um die Diskussionen „Ich hab aber zwei Kinder, die jetzt schlafen, deswegen brauch ich 3x Essen, auch wenn ich hier grade allein stehe“ zu vermeiden, wird das System geändert und Essenskarten vergeben. Auf diesen stehen die Anzahl der Familienmitglieder, wir streichen das Essen ab und haben einen viel besseren Überblick.

lauriBei der Umstellung zu diesem System waren zwei Damen bei der nächsten Essensausgabe vor Ort, die mich verärgerten. Sie kamen aus einem anderen Camp und wollten ihren Willen auch unbedingt bei uns durchsetzen. Beispielsweise arbeiten wir mit 4 Reihen. Frauen + Kinder und Männer, Syrer und Afghanen jeweils eine eigene Reihe, weil es anders einfach nicht funktionierte und immer Kämpfe ausbrachen. Nun wollten die Damen aber ihre Vorstellungen durchsetzen und erklärten, dass es zwei Reihen zu geben habe. Syrer und Afghanen in einer Reihe fertig. Herman (ehrenamtlich aus Uruguay vor Ort) versuchte ständig den Damen zu erklären, dass das nicht funktionieren wird, er ist verantwortlich für diese Ausgaben und hat reichlich Erfahrung damit. Das interessierte Damen recht wenig. Weiter ging es damit, dass die Damen mit Bananen ankamen, niemals ausreichend für alle, weswegen nur Kinder eine bekommen sollten. Herman erklärte wieder, dass sie das bitte so nicht machen sollen. Aber die Damen wollten ihren Willen durchsetzen und wenn sie nicht weiterkamen, dann fingen sie halt an Leute anzuschreien. Eine Arbeitsweise, die mir so gar nicht gefiel. Viele Syrer und Afghanen weigerten sich in einer Reihe zusammen zu stehen. Die ersten Rangeleien brachen aus, auf einmal spalteten sich zwei Lager ab, die sich gegenüber standen. Die Situation wurde ziemlich heikel und ich bekam das allererste Mal Angst hier. Der Grund: Unsere Essensverteilung hat einen gewissen Aufbau. Die Nahrung steht an einem Punkt, darum drei Holzwände, eine Seite offen. An diese Seite werden Tische gestellt und die Helfer stehen hier an beiden Seiten der Tische, damit die einen die Nahrung holen können (sie also innerhalb der Holzwände stehen), gemeinsam am Tisch packt man dann alles zusammen und wir von der anderen Seite des Tisches übergeben das Essen an die Menschen. Zwischen uns und den Menschen sind nochmal kleine Barrieren aufgebaut, damit wir einen kleinen Spielraum zu den Geflüchteten haben. Das Stehlen wird somit auch erschwert. An den Außenreihen stehen aber noch Holzpaletten, damit niemand von der Seite einfach in die Kartons greifen kann. Also: Wir sind an jeder Seite von einer Barriere umgeben und hatten nun eine aufgebrachte Menge vor uns stehen von geschätzten 1.500 Menschen. Würden diese aus Wut einfach sich das Essen holen wollen und auf uns zurennen, hätten wir keine Chance gehabt uns zu retten. Und es sah danach aus, als würde das gleich passieren. Die Situation kippte dann aber so, dass beide Lager für sich anfingen zu klatschen und irgendwas zu singen. Die beiden Damen rasteten völlig aus und schmissen hin. Sie haben den Ort einfach verlassen und wir standen da. Ok, also wir machens wie vorher. Jeder seine Reihe und es klappte dann plötzlich mit dem Anstellen. Das Ende dieser Katastrophe war das allerdings noch nicht, denn eines war ja noch da: die Bananen. Natürlich reichten diese nicht, wie vorhergesagt und dann passierte etwas, was ich niemals wieder vergessen werde. Es kam zu einer Massenschlägerei, die für einige sehr blutig und im Krankenwagen endete. Einer hatte provokant eine Banane gegessen vor einem, der keine bekam. Diese Schlägerei entstand also nicht wegen Bananen (Plural), nein, eine einzige Banane führte dazu. Vor mir eine Masse an Männern, die auf sich einschlugen und die Masse wanderte in die Seite des Lagerhauses, wo die vielen Zelte aufgebaut waren. Gleichzeitig kamen mir aus der Halle haufenweise schreiende, kreischende und weinende Kinder und Frauen entgegen gelaufen. Dieses Bild begleitet mich auch noch Tage danach. Birgit hatte eine ähnliche Situation, die sie mitnahm. In den Massen und im Gedränge wurde ein kleines Kind eingeklemmt, welches ganz fürchterlich schrie und dann wurde dieses Kind aus dieser Masse förmlich herausgezerrt und es hatte einfach nur noch Angst. Wir haben hier eine Situation erreicht, die uns eindeutig an unsere psychischen Grenzen brachte. Wir können in Worten diese Situation niemals so wiedergeben, dass man nur im Ansatz nachvollziehen könnte, was da abging und das wegen einer einzigen Banane. Wie weit unten sind Menschen angekommen, wenn ihnen eine Banane als das wert ist?

Doch das war noch nicht alles. Wir sind auf Flüchtlinge angewiesen, die uns ehrenamtlich helfen, sowohl beim Übersetzen als auch beim Essen ausgeben, da wir sonst einfach zu wenige sind. Wir es dann nun mal so ist, versuchen auch hier Leute sich eigene Vorteile zu verschaffen oder eben die eigenen Landsleute zu bevorzugen. Die Flüchtlinge, die uns helfen, bekommen für sich und ihre Familien GESICHERT Nahrung im Anschluss der Verteilung im Warenlager. Mein „Packpartner“ kam an dem einen Tag schon mit irgendwelchen Kindern an, die nicht in Reihe standen, und erzählte was von „family family“ und lud die Taschen mit Essen voll. Er versuchte das bei einer Essensausgabe mehrfach und ich stoppte ihn dabei, denn das war meine Aufgabe. Betrug soll auch hier grundsätzlich unterbunden werden. Bei einer weiteren Essensausgabe, stand rechts an der Außenseite ein Junge mit einem Beutel. Ich wies ihn an sich in die Reihe zu stellen. Er schüttelte den Kopf, verschrenkte die Arme und blieb stehen. Gut, dann gibt es eben kein Essen für ihn. Mein „Packpartner“ fing dann bei der Verteilung plötzlich an den Jungen ranzuwinken und Essen in die Beutel zu laden. Nicht mit mir! Ich nahm den Beutel aus der Hand und es ging eine Diskussion um „family family“ los. Ich rief Herman, der kam auch und erklärte sehr klar und ausdrücklich, dass es das Essen für die Helfer nach der Verteilung gibt. Es ging weiter und kurze Zeit nahm mein Nebenmann einen Beutel und stopfte sich das Essen da rein und wollte einfach losgehen. Ich nahm diesen Beutel erneut an mich und verweigerte ihm diesen Zug, da zuvor die Lage eindeutig geklärt war und wir eben auch einfach nicht genug für die wartende Menge an Menschen haben. Er rastete so richtig aus, schrie mich an, warf Essen durch die Gegend und holte aus. Ich hatte mich in diesem Moment darauf eingestellt, dass ich jetzt eine Hand ins Gesicht bekomme. Max eilte zu Hilfe und zwei Geflüchtete ebenso und zogen den Typen von mir weg. Zeit zum Nachdenken darüber, blieb nicht, denn da standen immernoch hunderte Menschen. Also machte ich einfach mit meiner Aufgabe weiter. Ich hatte außerdem nichts falsch gemacht, ich hatte einfach seinen Betrug unterbunden, was seine männliche Ehre so gar nicht vertrug. Alle ehrenamtlichen Helfer sind solchen Diskussionen und Betrügereien ausgesetzt gewesen und mussten sich so eine andere Beschimpfung anhören. Wir sind hier, um zu helfen, und sind immer wieder Opfer von Anfeindungen. Das ist nicht immer einfach zu ertragen, auch wenn wir immer wieder Rückhalt von vielen Geflüchteten bekommen, die solche Menschen ebenso wenig verstehen können wie wir. Zu allem Übel fiel dann am Ende noch eine Holzaußenwand auf Birgit und mich. Doch das System mit den Essenskarten entwickelte sich dann ganz gut. Abgesehen davon, dass Geflüchtete hier auch versuchten zu täuschen, indem sie Kopien erstellten oder Zahlen versuchten umzuschreiben. Außerhalb dieser Verteilungen treten die Menschen uns aber grundsätzlich sehr höflich und gastfreundschaftlich gegenüber. Wir werden immer mal wieder zu einem Tee im Zelt oder einer Trommelparty eingeladen. Hier erfahren wir einige Einzelschicksale, die ich in einem gesonderten Beitrag vorstellen möchte.

Gestern war dann zugegebenermaßen auch nicht mein Glückstag. Es startete damit, dass David (ehrenamtlicher Helfer aus Spanien) versehentlich die Jacken von Birgit und mir in eine Spendenbox warf . Wir suchten zwar noch, aber die Jacken waren bereits ausgegeben worden. Wir sind dann nach der Ausgabe des Mittagessens wieder zu Jumbo gefahren. Wir haben wieder knapp 500€ an Spendengeldern für Zelte und Hygieneprodukte ausgegeben. Einige Familien schlafen immer noch auf dem Boden ohne ein Zelt. Wir nehmen Nuchlan mit, die sich tierisch freut mit uns im Bus zu fahren und uns wieder so sehr hilft. Ich habe irgendwie ein schlechtes Gewissen sie mit zu nehmen. Ihr erinnert euch an Jumbo… Ikea für Kinder? Spielzeug in Massen? Nuchlan sieht in all diese Regale, aber sie sagt nichts. Birgit und ich entschließen uns,dass wir Nuchlan neue Kleidung schenken wollen. Aber Nuchlan verweigert sich auch nur ein einziges Shirt anzunehmen. Sie sagt, dass sie alles habe, was sie brauche und uns wurden die Jacken geklaut. Das täte ihr viel mehr Leid. Sie denkt die ganze Zeit darüber nach, wie sie im Camp die Jacken wiederfinden könnte. Dieses Mädchen ist so unglaublich und mega bescheiden. Egal, was wir ihr anbieten wollten, sie lehnte alles ab. Sie will uns unsere Jacken viel lieber zurück besorgen. Wir waren bei meinem fehlenden Glück.. Nunja im Jumbomarkt nahm ich dann Waschmittel für Kleidung aus den Regalen und wollte sie in unsere Körbe tun. Eine Flasche war kaputt, was ich leider erst bemerkte, als die ganze Suppe über meine Klamotten lief. Beim Versuch das wieder halbwegs zu säubern, stieß ich gegen ein Regal. Während des Einkaufs fielen mir noch Regalaufhänger runter und ich stieß Körbe von einem Tisch. Ich war irgendwie im Tolpatschmodus. Zurück im Camp fiel mir bei der Essensausgabe am Abend noch ein Tisch auf den Zeh, mir wurde der Finger eingeklemmt und ich bekam eine Kiste an den Kopf. Ich musste fast selbst über mich lachen.

volpowAm Abend sitzen wir als Helfer immer zusammen und reflektieren den Tag und geben uns gegenseitig Mut und Kraft. Wir zünden uns Kerzen an und so kacke diese Halle auch ist, sie beschert uns wunderbare Stunden. Herman hat gestern alles auf einen Punkt gebracht. Er sagte, dass wir aktiv 10 Helfer sind, verantwortlich für 1.400-1.600 Menschen. Das macht mindestens 140 Geflüchtete für einen ehrenamtlichen Helfer am Tag. Unsere Entscheidungen haben direkten Einfluss auf die Menschen, um die wir uns kümmern. Was passiert, wenn wir aufgeben? Wir dürfen nicht aufgeben! Niemals. Und wir stoßen auf „Never give up!“ an. Rückblickend haben uns wirklich so einige Helfer verlassen und auch wir werden bald diesen Ort verlassen müssen. Wir sind nur noch wenige hier, zu wenig! Am Tage hat man keine Zeit über all das nachzudenken, was hier passiert. Gestern war beispielsweise auch ein Kind ins Hafenbecken gefallen, konnte aber gerettet werden. Wir erleben viele krasse Situationen, aber wir verarbeiten sie nicht. Wir nehmen sie wahr und arbeiten weiter, das müssen wir, denn diese Menschen sind auf uns angewiesen. Doch am Abend, wenn alles um einen herum still wird, wird es laut im Kopf. Vieles beschäftigt uns im Inneren. Zugegebenermaßen fürchte ich etwas den Moment nach Hause zu kommen und allein zu sein. Eines steht fest: die Reise hat uns verändert und wird lange nachhaltig in uns wirken. Ich möchte hier eigentlich nicht weg, ich habe das Gefühl Menschen im Stich zu lassen. Ich weiß, dass das nicht stimmt, aber es fühlt sich eben so an. Heute ist unser letzter vollständiger Tag. Wir werden alles hier zum letzten Mal tun. Für uns steht morgen die Heimkehr an. Heimkehr in ein gut situiertes Leben und vor allem in ein bislang sicheres.

Wir wünschen allen Menschen hier, dass sie dies auch wieder tun können. Wir alle müssen wieder Frieden finden. Im Äußeren, wie im Inneren. Wir verbergen unsere Gefühle so gut wie wir können. Wir können sie verstecken, aber wir können all das hier niemals vergessen.

 

 

TU ES DAY – mit nur einer Frage…

die ich Frau J. aber aus Gründen nicht beantworten wollte.

In einer Greifswalder FacebookGruppe wurde eine der, bei einzelnen der dort beheimateten Mitglieder außerordentlich „diskussionsbeliebten“ Berichterstattungen, über die Vergewaltigung eines Mädchens und des juristischen Verhandelns gepostet. Wer in dieser Gruppe ab und an vorbeischaut, ahnt vielleicht in welche Richtung der Verlauf abdriftete. Irgendwann wurde es E. zu viel und sie kommentierte in etwa:

[Warum interessiert es in dieser Gruppe nicht], wenn man hier ständig Flüchtlinge beleidigen, ausspionieren, drangsalieren und verprügeln kann? Hier gibt es Rassismus pur!

Eine berechtigte Frage, wie ich finde, die zudem den Großteil der Definition Rassismus beinhaltete. ABER, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, nämlich dass man Einzelne darauf hinweist, wie ihre Kommentare so bei Menschen ankommen, entstand eine Diskussion mit über 80 Kommentaren daraus. Auf die Frage:

Wo solche Sachen denn in Greifswald passieren?

wurden weitere allgemeine Beispiele gebracht, u.a. aus dem Netz und ich ergänzte

Im realen Leben in der Makarenkostraße, Roald-Amundsen-Straße und Gustebiner Wende

– und dann ging es los. Erst wurde mir vorgeworfen, ich würde die Bewohner ganzer Straßenzüge unter Generalverdacht stellen, als Rassisten bezeichnen. Dann betrat Frau Juhnke das Podium und forderte von mir Beispiele, die ich ihr selbstverständlich nicht auf die Nase band. Das war so gegen 17 Uhr als ich es las und mich in den Verlauf erneut einbrachte. Um 23.30 Uhr kam dann das Sandmännchen.

In der Zeit dazwischen wurde mir „durch die Blume“ unterlassene Hilfeleistung unterstellt, da ich bei Taten anwesend gewesen sei, die nicht der Polizei gemeldet worden wären. Dann verfüge ich plötzlich über Informationen, an welche die Bürger Greifswalds nicht herankommen – denn ein Hausmeister aus einem der benannten Straßenzüge hätte gesagt, es gäbe keine solchen Vorfälle. Ein weiterer  Teilnehmer versuchte dann Rassismus als Xenophobie zu verkaufen. Zu meiner persönlichen Erheiterung kramte Frau J., warum auch immer, dann noch eine Begebenheit aus dem letzten Jahr aus, die mit Rassismus so viel zu tun hat, wie wahrscheinlich ich mit dem Grundsatzprogramm der AfD – aber es ging ja darum, dass ich ihr eine heißbegehrte Antwort schuldig blieb.

Am Ende des Willkommensfestes des INTEG e.V. auf dem Marktplatz, saßen Frau J. und meine Wenigkeit noch mit mehreren Personen auf ein Getränk zusammen. Nachdem  Sie bezahlte, gab sie mir vor Zeugen das Wechselgeld, in Höhe von 12,50 Euro mit den Worten, dies sei eine kleine Spende für die Arbeit des Vereins. Meinen Hinweis darauf, dass ich keinen Quittungsblock habe und ihr das vielleicht auf einen Bierdeckel quittieren sollte, tat sie mit den Worten ab „Das sei bei der Summe nicht so wichtig.“ Im Anschluss daran fand im Das Sofa eine Auswertung des Festes statt. In dieser Runde, an der unter anderem drei der damaligen Vorstandsmitglieder teilnahmen, übergab ich einem der Vorstände, ebenfalls wieder unter Zeugen, die Spende. Auch auf folgenden Treffen mit Frau J., die sich im Rahmen des Wahlkampfes für unseren OB ergaben, wurde diese Spende nie wieder erwähnt. Derweil trennten sich nicht nur die Wege von Frau J. und mir, sondern auch ich mich vom Verein. (http://www.synchronuniversum.de/tu-es-day-die-strafanzeige/). Offenbar war eine Quittung bis heute nicht von Bedeutung. Hätte Frau J. sich nicht sonst in den letzten sechs Monaten schon längst einmal  an den Verein gewandt? Also ich mache das, wenn ich Spenden tätige, über welche ich einen Beleg z.B. für das Finanzamt brauche. Nein, sie deutet heute an, vollkommen ohne jeden wirklichen Zusammenhang, dass ich ihr diesen Beleg immer noch schuldig sei, wie eben die Antworten darauf, wer wann wo in den drei von mir benannten Straßen Opfer von Rassismus (nach ihrer Definition eine Straftat, die unverzüglich bei der Polizei zu melden ist, wenn man von ihr Kenntnis hat) wurde.

Auch tat frau sich immer wieder damit hervor, dass es eben bei der Polizei keine solchen Meldungen geben würde. Meine Rassismusdefinition, die ich mit Quellenlink hinterlegte und auf die ich mehrfach verwies, wurde einfach mal konsequent ignoriert. Meine klaren einfachen Beispiele wurden als Hinweis darauf gedeutet, es gäbe dort vermehrt solche Zwischenfälle. Wenn gar nichts anderes mehr half, wurde Frau J. auch gerne persönlich und brachte meine belastende Situation der letzten Wochen ins Spiel. *gääääähn* Da hat sie es mir aber gegeben. Irgendwann wiederholten sich dann ihre Aussagen, wie die Frage nach dem Wann, Wer und Wo, bis es, vielleicht bedingt durch die akut einsetzende Müdigkeit, recht wirr wurde.

Warum erzähle ich das?

Weil es so typisch ist, für unsere Gesellschaft und nahezu symptomatisch für die Diskussionen in solchen Gruppen und weil mich interessiert, wie ihr mit soetwas umgeht.

Ich werde  niemals mit den Rassismus-Erlebnissen in solchen Foren hausieren. Ich werde keine Geflüchteten hinhängen, mit Adresse und Namen, die in den letzten Monaten fremdenfeindlichen und oder rassistischen Konfrontationen in verbaler und/oder körperlicher Art ausgesetzt waren. Das hat für mich zum Einen sehr viel mit Vertrauen zu tun, Vertrauen, das diese Menschen anderen und mir entgegenbringen, zum Anderen mache ich gerade ja meine ganz eigenen Erfahrungen, wie es sich anfühlt und welche Konsequenzen, eine virtuelle und reale Hetzjagd haben kann,die sich gegen Schwächere richtet. Last but not least erinnert ihr euch vielleicht an eine meiner vergangenen Fragen:

Oder nehmen wir bspw. eine Politikerin, hauptamtlich Polizeibeamtin, die offen an rechten Demonstrationen teilnimmt und sich auch anderweitig, öffentlich, eindeutig fremdenfeindlich mit Wort und Tat positioniert, sich sogar lautstark an Protesten gegen unsere Bundeskanzlerin beteiligt – Gibt es hier Zweifel an der Objektivität im Dienst?

Was, wenn eine solche Polizistin nun auch Mitglied in solch einer Gruppe wäre, in der solche Diskussionen geführt werden? Richtig! Im Gegensatz zu Politikern und Dienstherren, gibt es Menschen, die genau solche Zweifel an der Objektivität hegen. Und alleine das verbietet es mir, konkrete Antworten auf vermeintlich interessierte oder neugierige Fragen zu geben.

Die Spanne des Rassismus reicht vom gesprochenen Wort, geschriebenen Wort bis hin zu Prügel oder gar Totschlag und rassistisches Handeln findet sich in nahezu allen Altersklassen. Ob es nun die Zweitklässler sind, die ihrem Schulkameraden aus Ghana den Ranzen abnehmen, den Inhalt in die nächst beste Pfütze auskippen und ihm zurufen, dass er die eh nicht mehr braucht, weil er sowieso abgeschoben wird. Ob das Jugendliche sind, die sich unheimlich cool vorkommen, weil sie muslimischen Mitschülerinnen den Hijab vom Kopf ziehen. Oder der Internettroll, der unter mindestens 2 Fake-Identitäten, mit höchster Schlagzahl immer wieder Links unseriöser Quellen in Gruppen postet, die vermeintlich darüber Auskunft geben, wie gefährlich alle hier lebenden [sic]Asylanten oder das [sic] Pack ist. Oder der Polizist, der ohne jeglichen Beweggrund einfach mal eine Personenkontrolle mit Leibesvisitation  bei einem arabisch aussehenden Studenten durchführt. Oder die Horde Nazis, die einen Schwarzafrikaner einfach mal totprügelt. Oder, oder, oder…

Die Zauberformel heißt Zivilcourage. So wie E. eingangs das Diskussionsverhalten in der Gruppe anprangert, sollte man sich  jeder Form des Rassismus entgegenstellen. Das bedeutet nicht, dass ich mich selbst in gefährliche Situationen geben muss – aber ich hab ein Handy und ich kann den Notruf anwählen, die Polizei rufen (und hoffen, dass nicht oben beschriebene Beamtin im Dienst ist), ich kann mir andere Menschen suchen und mit ihnen Rassisten stellen.

Vorallem aber kann ich informieren  – immer und immer wieder. So wie ich Frau J. immer und immer wieder versuchte zu erklären, warum ich ihre Frage nicht konkret beantworten werde. Sie habe ich nun leider nicht erreichen können – aber vielleicht einen stillen Mitleser in dieser Gruppe, der sich nicht auf solche Beiträge zu Wort meldet, sie nur verfolgt. Sie wird vielleicht auch später wieder fragen, weiter fragen und wenn ich nicht antworte, mich vielleicht wieder versuchen bloß zu stellen, versuchen die Geschehnisse der vergangenen Wochen „warmköchelnd“ zu halten oder mir Empfehlungen auf den Weg geben, wie „lesen hilft“. Nicht, dass das neu wäre. Wir erinnern uns – auf die Kleine Anfrage folgte der Nachtrag zur Kleinen Anfrage und die Option NEIN ist keine Option. Ich für meinen Teil werde diese Diskussion einfach nur noch weiter interessiert und mit sehr viel Mitleid für manche Personen verfolgen.

Das gibt mir dann auch wieder die Zeit, mich mit den wichtigen Dingen zu beschäftigen, mit den Dingen, die mich zur Zeit bewegen – u.a.

Wir hier im Landkreis haben kein Flüchtlingsproblem, aber wir bekommen vielleicht ein richtig großes Rechtsproblem, darum

INTEGRIEREN STATT INTRIGIEREN und

Fragen bis die letzten Fragen gestellt und nicht bis Antworten gegeben sind.

 

 

 

Liebe und Toleranz am 1. Mai

Hach, war es nicht einfach nur schön?

Foto (c) Greifswald für Alle

Foto (c) Greifswald für Alle

Und was wurde im Vorfeld nicht zum Nachteil der Veranstalter, sondern – und das finde ich ganz persönlich nicht nur peinlich, sondern auch im Hinblick auf sich äußernde Politiker mehr als anmaßend, zum Nachteil der Bürger Greifswalds nicht alles so von sich gegeben, oder?

Hat die **U vielleicht einfach nur vergessen, dass sie sowohl bereits am 18. März in einem persönlichen Gespräch zur Teilhabe und Teilnahme an unserem Fest eingeladen wurde, als auch eine schriftliche Einladung erhielt?  Wie lautete doch gleich noch die Bedingung, die in jenem Gespräch seitens der **U gestellt wurde?

...dass die Veranstaltung "auf dem Boden des Grundgesetzes" stehen müsse, ...

Seitens, nennen wir sie mal vorsichtig „Mitläufern“ der FFDG (eventuell in mutmaßlicher Anlehnung oder vielleicht sogar Kooperation mit dem rechten Portal Greifswald Info, auf dem noch ganz andere Verschwörungsstheorien heftigeren Kalibers nachzulesen sind?) äußerte sich Olaf Blank (verbal und in Gestik teils als aggressiv empfundener „Hauptkommentator“, Videodreher und eben Unterstützer der hiesigen BonsaiGida):

…Das dieses „Kultur“-Fest eine Ansammlung linksradikaler Spinner ist und als Rekrutierungs-Maßnahme … für die kriminelle Antifa zu sehen sein sollte, ist auch klar.

Und dieses Zitat ist in der Tat noch eines der Harmlosen.

Lassen solche Äußerungen nicht vielleicht einfach nur den Verdacht aufkommen, dass jene Personen und ihre wie auch immer gearteten Gruppierungen an einem wirklichen Miteinander in unserer Stadt, dem berühmten „an einem Strang ziehen“, an Lösungen und an einem toleranten, demokratischen und vielfältigen Greifswald wenig bis gar kein Interesse haben?

Andererseits haben sich einige jener Personen, die sich gerade auf der Seite von FFDG oder zum Beispiel „Was Greifswald bewegt“ wenig tolerant bis übelst beleidigend, nationalistisch und hetzerisch geben, ebenfalls unter das so unterschiedliche und friedliche Publikum gemischt. Vielleicht können sie die Erlebnisse und die Begeisterung ihrer Kinder ja zum  Anlass nehmen, einmal über ihre Haltung und ihre Äußerungen nachzudenken. Das wäre richtig klasse.

Liebe und Toleranz am 1. Mai – Wie es wirklich war

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Fotos (c) Greifswald für Alle

Was soll ich sagen – ich bin immer noch komplett geflasht von diesem Tag, der dank einer gigantischen Orgaleistung vieler engagierter und liebenswerter Menschen, einer mehr als interessanten Liste von Rednern und Akteuren und der fantastischen Begleitung von Frau Osram so ziemlich alle positiven Gefühlsregung auslöste, die frau so haben kann.

Umwerfend die Besucherzahl! Haben wir in der Spitze 1.500 Besucher auf dem Marktplatz zählen können, und beobachtete man das rege Kommen und Gehen – je nach Attraktion, Musik- und Redebeiträgen, dürfen wir davon ausgehen, dass  ca. 2.500 Menschen aus Greifswald und Besucher unserer Stadt enormen Spaß hatten an dem gemeinsamen Bild „Tolerantes Greifswald“. Kurzum, zwischendurch ist unser Wohnzimmer der Stadt fast aus allen Nähten geplatzt.

Mama bigi hatte über den Tag verteilt gleich mehrfach nah am Wasser gebaut und das berühmte Pipi in den Augen. In Anbetracht der Tatsache, was in den vergangenen Tagen in Syrien allgemein und in Aleppo im Besonderen geschah und geschieht, war ich unfassbar beeindruckt, wieviele meiner „Söhne und Familien“, wieviele Refugees unserer Einladung folgten, am Fest teilnahmen, sich aktiv einbrachten und unser Kulturfest mitgestalteten. Hierfür meinen ganz, ganz, ganz besonders herzlichen Dank, vorallem an „meine Jungs“, die mit auf- und abbauten, die Kinder bespaßten und unterhielten und uns unglaublich unterstützten. SHUKRAN!

 

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ghfBesonders berührt hat mich auch immer wieder der Umgang aller mit diesem wundervollen Willkommensbanner, welches Herr Heuer vom Theater Vorpommern entlang unseres Wohnzimmerbodens, „auf dem Boden des Grundgesetzes“ 😉, quer über den Marktplatz ausrollte. An meinem kleinen aber feinen InfoTisch, den ich mir mit der Initiative „Greifswald hilft Geflüchteten“ teilte, hatte ich eine hervorragende  Sicht auf das Banner und konnte beobachten, wie Jung und Alt mit Ausfallschritt darüber traten oder darüber hüpften.

Bleiben wir bei unserem charmanten Ständchen – an dem ich die erste Feststunde damit zubrachte, mich nicht dauernd zu erschrecken, wenn sich die Kids an der Haltestelle Dosenwerfen von „Die Linke“ austobten. Hinter uns der Schminkstand, der sich, neben der Hüpfburg und der offenen Nähwerkstatt „Kabutze“ zum Renner des Tages entwickelte. In den Hochzeiten, standen Mamas und Papas einmal um die Hüpfburg rund an, um die lieben Kleinen mit phantasievollen Motiven schminken zu lassen. Die Hüpfburg konnte zwischendurch wegen Überfüllung nicht alle Hüpfer einlassen und Bilal, der gemeinsam mit meinem Schatz dafür Sorge trug, dass nichts, aber auch absolut gar nichts passierte, meinte scherzhaft: „Das ist ein gutes Torwarttraining. Man springt von links nach rechts zurück in die Mitte und verhindert, dass Kinder aus der Hüpfburg über den Marktplatz springen.“ Msallam, der mit einem kindgroßen 4Gewinnt-Spiel zwischen diesen beiden Attraktionen einen Platz an der Sonne genoss, fühlte sich alsgleich in die alten Zeiten der Sporthalle zurückversetzt, wo wir uns manche Nächte mit diesem und anderen Spielen um die Ohren schlugen.

010502Richtig eingeheizt wurde uns bei sommerlichen Temperaturen von der mehr als coolen BluesBrothers-Performance des Theaters Vorpommern, die sicher auch bei unserem ehemaligen Bürgermeister  Dr. Arthur König und seiner Frau großen Anklang fanden. Übrigens zwei meiner Gesichter Greifswalds an diesem Tag. Ich persönlich habe mich über das Kommen sehr gefreut und  betrachte es, wie viele meiner Mitmenschen, die mir in den letzten Wochen eine unglaubliche Stütze waren, als ganz besonderes Zeichen. Vielen lieben Dank Herr Dr. König!

Apropos Kabutze. Die offene Nähwerkstatt gestaltete und bemalte mit ihren Gästen viele „Flicken“, die in den kommenden Tagen zu einem Patchwork-Läufer (oder -Banner) zusammengefügt werden. Ich bin schon sehr neugierig auf das Ergebnis. Ein Flicken wird jedoch fehlen. Diesen hat die kleine Amelie gestaltet und wollte ihn eigentlich mit nach Hause nehmen. Ganz stolz zeigte sie mir ihr Kunstwerk, als sie sich mit ihrer Mama verabschiedete. Ich war so begeistert, dass die Sysse dies zum Anlass nahm, mir ihr Kunstwerk zu schenken. Ich kann euch gar nicht sagen, wie stolz ich darauf bin.

Währenddessen und zwischendurch traten Boogie Trap, Turtleneck, Lupus in Fabula, La Pack, Speedys Company und Five Aces auf. Anke Neubauer, ehemalige Schauspielerin unseres Theaters überzeugte und bewegte mit zwei Beiträgen, viele tolle Redner zeigten Haltung und riefen auf zu mehr Menschlichkeit und Toleranz. Richtig krass wurde es dann, als ein junger  Syrer von der zauberhaften Moderatorin Anne Wolf angesagt wurde. Muchanad ist 10 Jahre, spricht ein konkret gutes Deutsch, weil ohne Deutsch, kann er ja nicht zu uns gehören und ist leidenschaftlicher Rapper. Mit seinem kurdisch-syrischen Rap eroberte er im  Flug all die Herzen, die er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht hatte (der kleine Kerl konnte ja nicht überall seinen Charme versprühen) und wurde mit tosendem Applaus belohnt. Leider war ich zu langsam und hab den kleinen Herzensbrecher nicht mehr auf der Bühne erwischt – aber wer dabei war, dem ist der junge Mann sicher in berührender Erinnerung geblieben.

010505Der Krieg in Syrien, die vielen Anschläge in Aleppo alleine in den vergangenen Tagen, waren ein wesentliches Thema des Tages, auch auf der Bühne. Mein Schatz und ich hatten ein Kontingent Buttons gebastelt, die uns gerade unsere syrischen Freunde nahezu aus den Händen rissen. Und auch der zweite Beitrag von Anke Neubauer nahm Bezug und sie wurde hierbei von einer Reihe Geflüchteter unterstützt. Ihre Aufstellung „Aleppo brennt“ ist sicher an niemandem spurlos vorbeigegangen und machte mir einmal mehr deutlich, wie unfassbar glücklich wir alle sein müssten, die wir hier in Deutschland, in Greifswald leben. Viele unserer neuen Nachbarn haben in den letzten Tagen zahlreiche Verwandte und Freunde auf die erbärmlichste und menschenverachtendste Art verloren – im Krieg. Ein Krieg, in dem viele Nationen der ganzen Welt ihre blutigen Finger im „Spiel“ haben, auch Deutschland.

Jenen, die dieses Glück nicht begreifen wollen oder können, die in jedem Fremden einen Feind und Terroristen, einen Vergwaltiger und Mörder sehen, war die Aktion des AStA der Uni Greifswald gewidmet, oder wie ich es heute auf Facebook beschrub:

 

Großes ToleranzKino gestern im Rahmen des Kulturfestes auf dem Greifswalder Marktplatz – Regie: AStA, Darsteller: Die Menschen Greifswalds

Fotos gegen Rassismus ermöglichte allen Interessierten, sich mit verschiedenen Statements ablichten zu lassen. Außerdem wurde die Möglichkeit geboten „Willkommenspostkarten“ zu gestalten, die unseren neuen Mitbürger in der Brandteichstraße bei Einzug zeigen sollen, dass sie Willkommen sind.

Aus all den entstandenen Bildern lassen sich bestimmt tolle Plakate machen… mal sehen, wo sie schließlich und endlich Toleranz und Menschlichkeit versprühen werden.

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Fotos (c) AStA Uni Greifswald

Den krönenden Abschluss des Kulturfestes boten uns Arthur und Band, die uns mit ihren Texten und noch mehr Tiefgang  noch mal so richtig vom Hocker hauten.

Dank vieler, vieler helfender Hände, war unser Wohnzimmer ruckzuck aufgeräumt und ich denke, auch wenn wir alle mächtig müde waren, keiner von uns ist ohne ein Lächeln  früher oder später ins Bett und wir freuen uns schon auf das nächste Mal, wenn tausende Menschen Greifswalds zeigen, wie man auf dem Boden des Grundgesetzes feiert, wieviel Freude man auch in größter Trauer transportieren kann und wie vielfältig, bunt, demokratisch und tolerant unsere schönste Hansestadt am Ryck ist. Am Ende dieses wunderbaren Tages haben also ca. 2.500 Menschen unterschiedlichster Art gemeinsam gefeiert. Es gab keine Unfälle, keine Übergriffe, keine Straftaten, nicht mal einen Sonnenstich. Doch dieser Tag hatte auch eine sehr extreme brutale Seite – nämlich für die beiden einzigen, sehr freundlichen Polizeibeamten, die artig und fleißig ihre Runden drehten und so gar nichts zu tun hatten. Das muss sehr extremst brutalst langweilig gewesen sein. Aber irgendwas ist ja immer – und mir tut es ganz ehrlich auch nicht leid.

Danke Greifswald! Thank you! Merci!
Spasybi! Spasibo! Tack! Dziękuję! Falemnderit! Dankje! Dank U!

Shukran!

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Euch interessiert die Arbeit des Bündnisses Greifswald für Alle? Ihr seid auch der Meinung, dass nicht demokratische, rassistische, fremdenfeindliche, homophobe, menschenverachtende Veranstaltungen nicht einfach unbegleitet und unkommentiert bleiben dürfen und möchtet uns unterstützen? Keinen Bock auf Rechtspopulismus à la AfD und FFDG oder Nationalismus à la NPD, MVgida, Dritter Weg & Co? Dann meldet euch doch bei uns. Alle weiteren Infos findet ihr in unserem Blog  oder ihr besucht uns auf Facebook.

Schöner Wohnen ohne Hetze(r) ist unser Motto heute ab 19 Uhr – wieder im Wohnzimmer unserer Stadt, allerdings aus weniger erfreulichem Anlass – wie gesagt, manche Veranstaltungen können wir nicht einfach unbegleitet und unkommentiert lassen.

 

 

Gebt ihnen endlich ihren Frieden zurück!

Eigentlich bin ich schon im Bett und eigentlich sollte ich im Schlaf Kraft tanken für den Tag heute – doch dann sehe ich mein Handy blinken. Eine neue Mail. Lauri van Tatze hat ihre Eindrücke in einem weiteren Helferbericht verarbeitet und selbstverständlich stehe ich nochmal auf – werfe den Rechner an – und baue diesen Beitrag für sie im SynchronUniversum ein. Natürlich teile ich ihn auf Facebook. Denn das ist das Einzige, was ich für meine liebe Freundin in Piräus tun kann – mit meinen Möglichkeiten Öffentlichkeit schaffen.

Heute las ich von einer Kommentatorin:

Ich weiss nicht was Sie da gesehen oder gehört haben. Ich sehe in den griechischen Nachrichten was ganz anderes.

Sehr geehrte Frau Doerr, dieser Bericht ist auch für Sie. Und natürlich ist in den griechischen Nachrichten anderes zu sehen – denn die Schieflage einer leckgeschlagenen Fähre erzeugt mehr Interesse bei den Medien, im nur 400 Meter Luftlinie entfernten Hafen.

Gebt ihnen endlich ihren Frieden zurück!

Es sind wieder zwei Tage vergangen. Zwei Tage, unendlich viele Eindrücke wieder. Zwei Tage, in denen man auch das erste Mal an der Freiwilligenarbeit irgendwie gezweifelt hat. Aber auch zwei Tage, in denen man als Helferteam unglaublich schnell zusammenwuchs. Wir starteten unseren Tag wie jeden anderen auch: erstmal bei den Duschen vorbeischauen und dann ins warehouse. Dort folgte schonmal die erste Ernüchterung: Normalerweise beginnt jeder Tag mit der Beseitigung und Neuordnung des Restechaos der Kleidertische von der Verteilung des Vortages. Am Tage zuvor konnten wir keine Kleiderverteilung machen, sodass wir dachten, dass wir nun deutlich mehr Ordnung in das allgemeine Kartonchaos bringen könnten, welches sich in der Lagerhalle generell ansammelt. Nunja… wir dachten… In der Nacht kamen nun aber Flüchtlinge und baten um Kleiderspenden. Einige Ehrenamtliche schlafen dort in der Halle und sie ließen die Geflüchteten herein und selbst bei der sortierten Kleidung schauen. Was danach übrig war, war ein Schlachtfeld und zwar ein derartiges, dass Sean sie aus dem Lagerhaus beförderte. Sean ist ein ehrenamtlicher Helfer und kommt aus Neuseeland. Er ist schon seit einigen Wochen hier. Er hat nicht viel Kleidung dabei und die, die er hat ist deutlich verschmutzt. Sean ist die gute Seele der Halle und wirkt wie ein Securitybär. Er ist groß und sehr stabil, kaum einer kommt an ihm vorbei, wenn er das nicht möchte. Sean ist immer sehr freundlich, kann aber auch sehr deutlich und bestimmt auftreten, wenn es die Situation erfordert. Sein Umgang mit Kindern ist wundervoll. Sean ist es auch, der uns erklärt, warum es hier so aussieht, wie es aussieht. Zugleich kommt Rosa, ebenfalls ehrenamtlich vor Ort dabei und entschuldigt sich, dass es so gekommen ist. Es hilft alles nichts, wir fangen einfach von vorne an. Jeder nimmt sich einen Tisch vor (es gibt jeweils einen Kleidertisch für Männer-, Frauen-, Mädchen-, Jungen- und Babybekleidung). Es wurde in der Nacht ganze Arbeit geleistet, kaum ein Kleidungsstück lag am richtigen Platz. Aussortierte Kartons mit Kleidung waren in der Lagerhalle plötzlich wieder verteilt. Wir fragten uns an dieser Stelle, wofür die ganze Arbeit vom Vortag war und waren völligst demotiviert. Diese bekämpften wir dann aber mit dem ein oder anderen Foto eines witzigen Kleidungsstücks, was wir uns mal kurz überwarfen.

In einem Karton jedoch wartete etwas Kleines auf mich. Ich hob ein Shirt hoch und merkte kurz darauf, dass mir etwas den Arm hoch kroch…es war ein Floh, der mir zur Begrüßung auch gleich mal einen Biss verpasste. Der ganze Kleidungskarton wanderte in den Müll….Nachdem bei den Duschen der Verdacht auf Lausbefall ausbrach, konnten wir nicht auch noch Flöhe gebrauchen.

Wir sortierten also ein paar Stunden rum und brachten die Tische wieder auf Vordermann. Zwischendurch brachte Rob (ehrenamtlicher Helfer aus Irland) 20-30 Touristen aus Kanada vorbei. Sie hatten von dem Camp gehört und haben Spielsachen für die Kinder eingekauft und wollten sie vorbeibringen. Es waren wirklich schöne Sachen dabei. Sie ließen sich die Halle zeigen und jeder von Ihnen kam zu uns, um uns die Hand zu reichen und sich zu bedanken für unsere Arbeit. Man kann hier auch einfach ehrlich sagen: Anerkennung tut gut, auch wenn es „nur“ ein Händedruck ist. Dankbarkeit ist eine intensive Geste und das Wort „Danke“ ein so unglaublich starkes! Wir sind neu motiviert. Kurze Zeit später kommen zwei Journalisten vorbei. Sie machen einen Radiopodcast, beide kommen ursprünglich aus Belgien. Einer jedoch arbeitet seit Jahren schon in London, der andere freiberuflich in Berlin. Sie bitten mich um ein Interview zur Situation. Ihr könnt gerne auf ihrer Facebookseite unter „The Migrant Crisis Podcast“ vorbeischauen. Wir nähern uns 15.30Uhr. Doch auch dieses Mal kann keine Kleiderausgabe stattfinden, denn es kamen keine neuen Spenden an.Grund: In Griechenland wird Ostern gefeiert und fast alle Läden sind geschlossen und damit auch der Laden, der uns die Kleiderspenden bringt. Wir planen kurzerhand um. Gemeinsam mit Rob und Paula aus Irland gehen wir zum Jumbo-Shop. Es fehlen so sehr Mützen, Flip Flops, Schals, Leggins, Männershirts in S und M, ebenso wir kurze Hosen in S und M. Wir werden unsere Spendengelder einsetzen und die Sachen beschaffen.

Jumbo ist ein Einzelhandelsvertrieb, der größte für Kinderspielzeug in Griechenland, um genau zu sein. Mit einem jährlichen Umsatz von circa 154 Millionen Euro fährt Jumbo also auch eine ganze Menge Geld ein. Wir haben schon unsere zuvor investierten Gelder in diesem Laden gelassen, einfach nur, weil man hier mit wenig Geld viel Masse bekommt. Der Jumbo-Shop ist wie eine Spielzeughölle. Ein riesiges Geschäft. Fast vergleichbar wie ein Ikea für Kinder. Wir bekommen wieder einmal die Verschwendung vor Augen präsentiert, diesen Überfluss an Dingen, die keiner braucht. Aber die Not zwingt uns eben hier Billigware zu kaufen. Wir legen unsere Gelder zusammen und bezahlen am Ende für circa 20 Männershorts, 20 Männershirts, 10 Schals, 15 Paar FlipFlops für Kinder, 20 Paar für Frauen, 20 Paar für Männer, 50 Caps, allerlei Babyunterwäsche, 20 Paar Babymützen und noch Seife 495€. Stolze Summe, Rob fragt nach Rabatt. Und dann kommt der Hammer: die Leitung bietet uns bei einem Einkauf von 2.000€ 3,5% Rabatt ein. Ein Witz. Jumbo verdient sich an dem Flüchtlingscamp dumm und dämlich, weil jeder hier billig einkauft und tausende an Spendengeldern in diesem Laden gelassen werden. Allein unsere Kassenzettel der letzten Tage übersteigen die 1.000€ Marke und sie bieten uns jämmerliche 3,5% bei einem Einkauf ab 2.000€. Sie sind frech, wir werden es auch und listen ihnen doch glatt unsere Einkäufe der letzten Tage auf… aber die 3,5% zählen natürlich erst, wenn ein Einzeleinkauf über 2.000€ erfolgt. Wir haben uns entschlossen unser Kassenbons online bei Jumbo auf der Facebookseite zu posten und uns über diese Frechheit so zu beschweren, schlechte Presse haben sie dafür allemal verdient!

Wir fahren zurück ins Camp. Zurück in der Halle kommt dann gleich der nächste Vorfall. Wir hatten es geahnt, aber nun flog es auch wirklich auf. Ein Ehrenamtlicher, der gespendete Waren schmuggelt und wir können es kaum fassen. Bevor wir zum Jumbomarkt fuhren, sprachen wir noch mit Sean darüber, dass es einen Mann gibt, der sich immer auf einen Tisch schlafen legt, dann und wann mal aufsteht, bei den Sachen rumläuft und durchsucht und dann wieder verschwindet. Wir haben ihn schon mal gestoppt dabei. Während dieser Unterhaltung wühlte er bei den Hygieneprodukten herum und sortierte angeblich um (wofür es offensichtlich aber keinen Grund gab). Sean holte ihn von den Kisten weg und erzählte uns auch, dass er weiß, dass der Typ Sachen schmuggelt, aber man ihn nicht einfach zu bezichtigen kann. Während wir also einkauften, flog der Typ dann auf. Er hortete Rucksäcke und 200 Mützen. 200!!!!!!! Wir sind empört und wütend. Das Letzte, was wir gebrauchen können, ist ein faules Ei in den eigenen Reihen. Einzelne Geflüchtete werfen einem immer mal wieder vor, man würden Sachen verstecken und einfach nicht rausgeben. Man hat dann immer zu tun, vor allem Sean, den Leuten zu erklären, dass wir rausgeben, was wir haben und wir uns nicht selbst daran bereichern. Nun war da jemand, der das doch tat, der von denen stahl, die noch weniger hatten als er selbst. Für mich bleibt weiterhin unverständlich, wie man den Status des freiwilligen Helfers so verunglimpfen und ausnutzen kann. Von Anstand und Würde kann hier keine Rede mehr sein. Respekt, Loyalität und Solidarität als Helferkodex von einem in den Schmutz gezogen, unter dem am Ende alle zu leiden haben werden. Wir sortieren noch die gekauften Sachen und verstecken sie gemeinsam mit Sean und Max. Max ist ein Helfer aus den USA, ein sehr witziger und sympathischer Geselle. Wir verabschieden uns nach einem langen Tag aus dem warehouse und erzählen noch, dass wir Samstag einen Tag Pause einlegen werden und erst Sonntag wiederkommen.

Wir entscheiden uns noch etwas vor der Halle ans Hafenbecken zu setzen und etwas Sonne zu erhaschen, davon sehen wir ja während des Tages nicht so viel. Es dauert keine Minute, da sind wir von Kindern umgeben. Ein kleines Mädchen hatte besonders einen Narren an mir gefressen. Meine Tattoos und Piercings waren irgendwie ziemlich interessant. Auch Nuchlan gesellte sich zu uns. Schokolade von Birgit (meiner zauberhaften Begleitung aus Deutschland) und meine Seifenblasen waren der Renner. Die Kinder konnten einen kurzen Moment lang wieder Kinder sein. Ich wurde lange nicht mehr so oft umarmt und abgeknutscht. Wir genießen als freiwillige Helfer größtenteils einen guten Ruf bei den Geflüchteten und werden immer freundlich begrüßt und bekommen gelegentlich auch mal einen Tee geschenkt. Doch nun wird es Zeit zu gehen. Im Bus auf demWeg nach Hause fragt uns ein junger Syrer, ob der Bus auch zur Metrostation fährt. Fährt er. Wir unterhalten uns ein bisschen. Er wird begleitet von einer älteren kranken Dame, mit einem gebrochenen Arm und einem offensichtlich eingeschränkten weiteren Mann. Der Syrer erzählt, warum er hier ist und dass sie auf ihre Stempel im Pass warten. Er erzählt auch, dass die Dame eigentlich ins Krankenhaus müsste, aber sie dort nicht angenommen würden und dann fallen Sätze, die mir so eindringlich ins Gehirn geschossen sind, dass sie da nicht wieder rauswollen.

Er sagte: „Greece is for tourism, not for us. In Syria may be i will die. But there a bomb will kill me fast. Here we die slowly.“ und dann beschreibt er uns Helfer als Engel. Wir seien die Einzigen, die sich um die Geflüchteten kümmern würden, niemand sonst.“

Der Bus hält an der Metro Station und das Dreiergespann steigt aus und lässt uns mit unseren Gedanken zurück.

Als wir in unserem Appartment angekommen sind und mein Handy sich mit dem WLAN verbindet, wird mein Handy von Nachrichten überflutet… Aleppo brennt. Bilder und Videos, die mir zig Kinderleichen präsentieren. Es zerreißt mich von innen. Ich empfinde so unendlich viel Mitgefühl mit allen Syrern, ich denke an unsere neuen Bewohner in Greifswald, die einem so ans Herz gewachsen sind. An diesem Abend führe ich ein längeres Gespräch mit einem befreundeten Syrer aus Greifswald, der sich Vorwürfe macht das Land verlassen zu haben. Aber was sollte er in Syrien tun? Er wolle helfen, dabei könne er doch auch nur sterben. Aus meiner Sicht war seine Flucht richtig! Manchmal sind die schwersten Dinge die Richtigen! Ich werde es niemals verstehen, warum Menschen anderen Menschen sowas antun. Warum werden die Unschuldigsten ermordet? Warum werden Kinder die Opfer der nach Macht Strebenden? Warum lassen wir das zu? Die Länder Europas tragen einen massiven Teil zu all dem bei, wollen aber ihre Grenzen sicher schützen und mit alledem nichts zu tun haben? Gebt den Menschen endlich ihren Frieden zurück! Und auch wir müssen endlich aufstehen und aktiver sein. Schweigen und Stille sind äußerst schlechte Waffen im Kampf gegen Ungerechtigkeit. Und die nötige Courage fängt in den kleinsten Situationen an: Wie viele schweigen, wenn im Supermarkt mal ein ausländerfeindlicher Spruch gerissen wird? Wie viele gehen auf eine Demonstration und zeigen ihre Anteilnahme? Jeder hat das Recht auf Leben, jeder sollte die Möglichkeit haben Frieden zu finden und nicht an den Toren anderer Länder zu stranden, die den Krieg zwar mitfinanzieren, das Blut dann aber nicht wegwischen wollen.

Es ist Samstag. Ruhetag für uns… zumindest war das geplant. Nach dem Frühstück entscheiden wir uns aber dann doch ins Camp zu fahren. Irgendwie können wir jetzt keine Pause machen. Allein wie das schon klingt…Pause machen vom Elend. Im Camp angekommen werden wir auch gleich verdutzt angeguckt… ja Pause machen ging halt irgendwie nicht. Wir ernten Respekt dafür, den wir eigentlich gar nicht wollen. Zumindest nicht dafür. Bei der Gelegenheit konnten wir Sean auch gleich seine Wäsche bringen. Die hatten wir nämlich zum Waschen mitgenommen. Sean freute sich riesig… saubere Wäsche seit Wochen.

Nunja, doch auch dieser Tag startete einfach nicht gut. Der ganze Tag würde nicht so wirklich gut werden. Über Nacht war wieder viel los. Flüchtlinge drangen ins Lagerhaus ein, vieles wurde gestohlen. Es wurden keine Spenden gebracht, die gehen jetzt an die offiziellen Camps. Sean erzählt uns, dass die Spenden wieder mitgenommen wurden, weil eine Frau eine Babytrage davon einfach zerstörte. Diese Geschichte konnte mir aber niemand sonst bestätigen. Der nächste Vorfall: Eine junge Iranerin wurde letzte nach verprügelt. Sie gehört einer Minderheit an und ist allein hier. Unter den Geflüchteten sind eben auch nicht nur gute Menschen, sondern auch Abartige. Ein Mann sah die Frau als gefundenes Fressen und schlug sie so sehr, dass ihr Gesicht voller Blut war. Das Auge fast schwarz geprügelt. Das Gesicht der Iranerin musste mit 9 Stichen genäht werden. Der Mann konnte entkommen. Die Frau schläft jetzt im warehouse zu ihrer Sicherheit. Und die Bestürzung geht weiter. Es wurde zu wenig Essen gebracht und auch zu wenig Wasser. Menschen aus dem Camp wurden nach Skaramanga verfrachtet, mit dieser Info kam auch weniger Essen. Gleichzeitig kamen aber Menschen aus Idomeni nach Piraeus, die einfach nicht berücksichtigt wurden. Zudem kontrolliert die Polizei, wer keinen aktuellen Stempel im Ausweis hat, bekommt kein Essen, darf nicht ins Camp und wird von der Polizei mitgenommen. Wir helfen heute bei der Essensverteilung. Eine Masse an Menschen steht vor uns und wartet auf das Essen. Heute gibt es in kleinen eingeschweißten Plastikverpackungen Bohnen in Tomatensoße, dazu ein Brötchen,eine kleine Flasche Wasser und eine Orange. Es geht los. Die Menschenmengen drängen sich bis an den eigenen Körper, viele versuchen auch mehr als eine Portion zu erhaschen. Ich höre vielfach „Thank you“ und ich versuche jedem auch ein Lächeln zu schenken. Es ist nicht so einfach, wenn so verdammt viele Frauen und Kinder vor einem stehen. Kleinkinder, die mir ihre Hände entgegenstrecken, um etwas Essen zu erhalten. Der Kampf um Nahrung hat begonnen. Und es kommt, wie es kommen musste: Das Essen reicht nicht. Nicht jeder bekommt eine Plastikschale und noch weniger konnten Wasser bekommen. Wir werden angebettelt, aber es ist eben einfach alle. Der Mann neben mir ist auch ein Flüchtling. Er war mein Partner beim Verteilen (die Verteilung erfolgt in mehreren Reihen, damit es schneller geht). Er gibt mir die letzte Schale mit Essen, obwohl er selbst nichts bekam. Er wollte mir Respekt zollen und mir das Essen geben. Es versteht sich, dass ich das nicht zugelassen habe. Es brauchte eine kurze Überredungsarbeit, aber er hat es am Ende dankend angenommen. Wir können nun dabei zuschauen, wie die Leute auf dem Betonboden sitzen und diese Nahrung zu sich nehmen, wir wissen, wie das Essen schmeckt…..Man fühlt sich irgendwie komisch, wenn man weiß, dass man selbst nach Hause fahren und einen Auflauf essen wird, selbst gemacht mit frischen Zutaten. Wir treffen kurze Zeit später wieder auf Nuchlan und ich frage sie, wie ihr das Essen geschmeckt hat. Sie weiß es nicht, denn sie gehörte zu denjenigen, die keines bekamen. Sie war zu spät mit dem Waschen der Wäschen fertig, sodass sie nicht weit genug vorne in der Schlange stand. Zur Erinnerung: Nuchlan ist 11 Jahre alt!

Dieser Tag versetzt beinahe alle Helfer in eine Art Schockstarre. Keine Kleiderlieferung, zu wenig Essen, kein Wasser mehr da, verschärftes Eingreifen der Polizei. Es ist eine Frage der Zeit, bis die Situation unter diesen Bedingunhen eskalieren wird. Die Regierung versucht mit diesem psychischen Druck die Leute dazu zu bewegen in andere Camps zu gehen, damit der Platz für den Fährentourismus frei wird. Hier wird schon wieder mit Menschen gespielt und ihre Situation gegen sie verwendet. Wir fühlen uns hilflos, denn dagegen können wir nichts tun. In Athen hat es am heutigen Tage auch bereits Ehrenamtliche gegeben, die zur Polizeiwache durften. Passkontrolle, Verteilverbote, Platzverweise. Man muss in Erwägung ziehen, dass nun auch wir nicht mehr allzu lange verschont werden. Wieder schäme ich mich für die Politik Europas. In mir wächst die Wut! Haben diese Menschen nicht schon wirklich genug gelitten? Muss man sie mit psychischer Gewalt zu bestimmten Handlungen zwingen?

Wacht endlich auf und gebt den Menschen ihren Frieden zurück!

Text & Bilder ©Lauri van Tatze, 01.05.2016

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Schämt ihr euch nicht?

Was meint ihr, erlangt  folgender Satz traurigste Berühmtheit in unserer Geschichte als  „Asozialer und abartiger verbaler Auswurf deutscher geistiger Brandstifter 2016“?

Das Zitat einer der führenden AfD-Köpfe, Alexander Gauland, Februar 2016:

Wir dürfen uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen.

Als hätte sich dieser Satz nicht eh schon in mein Hirn gefressen, kommt er mir seit zwei Tagen immer wieder hoch. Immer dann wenn ich mit meinen Familien und Freunden spreche, die hier in unserem Land, zunächst zum Nichtstun verdonnert sind, und völlig geschockt und traumatisiert die Nachrichten aus ihrem Land verfolgen. Dieses einst so wundervolle Land, das ein feiger, psychopathischer Massenmörder und Diktator seit über fünf Jahren dem Erdboden gleich macht. Und als wären seine heimtückischen WarGames nicht schon abartig genug, setzte er mit der Bombardierung Aleppos in den letzten 48 Stunden noch einen drauf.

ALEPPO BRENNT ~ ALEPPO BRENNT ~ ALEPPO BRENNT 

Ich erinnere mich an Norbert Blüms Worte, der fassungslos vor den Grenzzäunen Idomenis stand. Er äußerte sich in etwa:  „Diese Zäune sollen die Grenze schützen. Diese Zäune sollen vor Kindern schützen, vor unschuldigen Kindern. Die haben hier Angst vor kleinen Kindern.“

Hier waren es „Zäune“ gegen eine mutmaßliche Angst. Der Massenmörder Syriens macht sich keine Mühe erst noch Zäune zu setzen, er schickt seine hirnlose MarionettenArmee und mordet unschuldige Kinder mit Fassbomben. Gestern zerstörten solche Fassbomben unter anderem das Kinderkrankenhaus in Aleppo, das letzte halbwegs „funktionierende“ Krankenhaus überhaupt.

~ALEPPO BRENNT~

Die Feinde der Feigheit, die Feinde Assads:
Frühchen, Säuglinge, Kinder – kleine Menschen
alte Menschen, die Ärmsten des Landes.

aleppo

Zeitgleich in der Europäischen Union, seit 2012 Friedensnobelpreisträgerin

Wir dürfen uns nicht von Kinderaugen und Kinderleichen erpressen lassen?

Unter anderem in Griechenland, Piräus Hafen, tausende Menschen, Zelt an Zelt. Unter ihnen eine Handvoll internationaler Helfer, die weit über ihre physischen und psychischen Grenzen hinaus versuchen, einen leisen Hauch Menschlichkeit in menschenunwürdige Lager aus Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Depression zu bringen, während die Regierung darum bemüht ist, diese Lager, gerne mit Gewalt auch gegen Frauen und Kinder aufzulösen, weil im Hafen die wunderschönen großen Fähren mit zahlenden Touristen aus aller Welt einlaufen.

Unter anderem Lesbos, drittgrößte Insel Griechenlands, wo eine Handvoll internationaler Helfer unter größter psychischer und physischer Belastung „die Reste des Todes“ einsammeln, die Strände von Rettungswesten und persönlichen Habseligkeiten Geflüchteter säubern, die das Mittelmeer immer noch und immer weiter angewidert an den Strand kotzt. Nur noch wenige Boote überfüllt mit geflüchteten Menschen erreichen die Insel und auch die Zeit der Leichen  an diesen Stränden scheint vorerst vorbei. Ein Schein, den es unbedingt aufrecht zu erhalten gilt, denn Lesbos ist doch eine der beliebtesten Urlaubsinseln Griechenlands.

Unter anderem Lampedusa – Es ist still geworden um diese Region Italiens, in der man sich auch heute noch bemüht, die Spuren elendig ersoffener Menschen an den  Stränden zu verwischen.

zweiseitig

Unter anderem Österreich, Polen, Ungarn, England – hier werden keine Strandabschnitte gesäubert – hier versucht man sich mit Rassismus, Rechtspopulismus, Rechtsextremismus, Gewalt und kilometerlangen Grenzen  dem Feind Flüchtling zu entledigen.

Zeitgleich in der Türkei – aus guten Gründen noch nicht der EU beigetreten

Der menschenverachtende und milliardenschwere Deal zwischen der EU und der Türkei: Flüchtlinge, die über die Türkei nach Griechenland fliehen,  sollen in die Türkei zurückgebracht werden. Geflüchtete aus den von den Regierungen als sicher definierten Herkunftsländern, sollen gleich weiter in diese zurückgeschickt werden. Der Regent des Landes, mit dem zweifelhaften Ruf ein Diktator zu sein, hat es allerdings nicht mit „Definitionen“ und schon gar nicht, wenn er das Gefühl hat, sie würden ihm von der EU diktiert. Ihm  ist die Pressefreiheit in anderen Ländern genauso zuwider wie die Definition „sichere Herkunftsländer“ und entledigt sich „überzähliger Geflüchteter“ auch gerne, in dem er sie z.B. nach Syrien zurückschickt.

Und Deutschland?

Ist nachwievor größter WaffenExporteur und trägt so unglaublich viel Schuld an diesem unsäglichen Krieg. Auch wir reinigen unsere Strandabschnitte für die Urlaubssaison 2016 – allerdings nicht von Leichen, Rettungswesten und angespülten Habseligkeiten Geflüchteter, sondern von Hornhecht- oder Möwenkadavern und Hundekot.

Deutschland verfügt über ca. 8. Millionen Flüchtlingshelfer – ACHT Millionen für ca. 1 Millionen Geflüchtete. Kein Geflüchteter muss in Deutschland bei Minustemperaturen unter freiem Himmel campen und im Vergleich zu den Ländern, die direkter, im wörtlichen Sinne „Anlaufpunkt“ sind, geht es ihnen gut, könnten sie sich in Ruhe von der lebensgefährlichen Flucht erholen, sich in Sicherheit wiegen und in Frieden leben. Könnten.

Doch der demokratischen, toleranten, weltoffenen, aktiven und passiven Willkommenskultur steht auch in unserem Land der blanke Hass entgegen. Verherrlicht als „faire Kritik an verfehlter Asylpolitik“, werden Fluchtunterkünfte belagert, angegriffen, abgefackelt. Der deutsche Patriot scheut dabei auch nicht vor Mord zurück, wie erst kürzlich bewiesen, als eine bewohnte Gemeinschaftsunterkunft in Flammen aufging. Der besorgte Bürger und am eigenen Leben gescheiterte **Gidaist mobbt, geifert, randaliert, verletzt und tötet – Geflüchtete, Helfer und jene Menschen, die den Hilfesuchenden mit Herz und Hilfe zur Seite stehen. Angeheizt durch rassistische, geistige Brandstifter der Politik, sehen sie das Recht zur Verteidigung ihres Heimatlandes auf ihrer Seite. Sie begreifen sich als das Volk und lassen sich von den verglühenden Sternen alter nazionalasozialistischer Parteien und den aufstrebenden Neuen Rechten auf ihren Demonstrationen und in der Politik manipulieren. Zu dämlich zu begreifen, was Rechtspopulisten und -extremisten auf ihren Transparenten und in ihren Wahlprogrammen festschreiben, folgen sie den „selbsternannten“ Hütern der wahren Demokratie und Diktatoren von Morgen und laufen damit direkt in den noch viel tieferen sozialen Abgrund.

Diese Gestalten unserer Gesellschaft sind nahezu frei von jeder Scham – sie schämen sich nicht mehr ob ihrer verschwurbelten Verschwörungstheorien, ihres Rassismus und Antisemitismus, ihrer Homophobie oder einfach nur ihres sozialen Neids.

~ALEPPO BRENNT~

dem Erdboden gleichgemacht, Zivilisten, Menschen, wie du und ich, darunter so unfassbar viele Kinder , eiskalt ermordet.

~PIRÄUS SIECHT~

mit tausenden Menschen auf engstem Raum zum Vegetieren verdammt, darunter so unfassbar viele Kinder.

 

Was Gauland Erpressbarkeit nennt –
nenne ich Menschlichkeit und Mitgefühl

Für die Betroffenen, die Angehörigen, die Familien, die es bis zu uns geschafft haben, ist das alles nicht zu ertragen. Und auch wir können nichts tun, außer wie Lauri van Tatze, sich nach Piräus zu begeben und dort mitzuhelfen, das Elend ein kleines bisschen zu lindern. Oder sich hier um die Angehörigen zu kümmern, ihnen zuzuhören, sie, wenn überhaupt möglich, so gut wie möglich zu trösten, ihnen ein bonsaibisschen Mut zuzusprechen.

Gestern wurde selbst mir dann alles für einen Moment zu viel – und das war nicht der Moment, in dem ich die Bilder der Verwüstung und der Toten sah, der Moment, in dem ich mit Betroffenen sprach, sondern der Moment, in dem ich mit unglaublich geschätzten Menschen ein Kulturfest plante und mir ob der Reflektion der letzten Wochen einige Fragen mehr als sauer aufstießen:

Schämt ihr euch nicht, die, die ihr ein fröhliches, mutmachendes, vielfältiges Kulturfest für die ganze Stadt mit eurem Hass oder aus verletztem politischem Stolz „torpediert“❓

Schämt ihr euch nicht, die ihr als vermeintlich seit Jahrzehnten Integrierte in „guter Anstellung“ oder gar Selbstständigkeit, eure eigenen Landsleute ausnutzt, abzockt, anzeigt, bedroht, verleumdet, verratet❓

Schämt ihr euch nicht, die ihr selbst Frau und Kinder habt, Familien derart menschenunwürdig zu behandeln, über sie zu urteilen, ja sie sogar zu verurteilen❓

Schämt ihr euch nicht, die ihr selbst Mütter und Väter seid, jene Bilder und Nachrichten derart zu kommentieren und den Tod zu beklatschen❓

Schämt ihr euch nicht, die ihr selbst Unterstützung benötigt und bezieht, weil es vorne und hinten kaum reicht, noch Schwächeren den Frieden zu versagen, euch als Kritiker hinzustellen und doch nur Neider zu sein❓

Schämt ihr euch nicht, die ihr eure Familien so liebt und die Kinder vermeintlich als Zukunft begreift, einer im besten Fall rechtspopulistischen Partei Beifall zu klatschen und eure Stimme zu geben, deren Programm eindeutig vorsieht, das Leben  „der Reichen“ noch zu bereichern und den weniger Priviligierten die Existenz abzugraben❓

Schämt ihr euch nicht,  eine Religion als Ideologie zu verurteilen, wo ihr selbst euren Glauben längst abgelegt habt, ihn verleumdet oder nicht zu leben wisst❓

Schämt ihr euch nicht, an Menschen Anforderungen zu stellen, die ihr selbst nicht im Mindesten erfüllen könntet❓

Schämt ihr euch nicht, ob eurer Scheinheiligkeit und DoppelMoral❓

Schämt ihr euch nicht❓❓❓

Wir hier in Deutschland, in MV, im Landkreis in unserer Stadt – Wir  haben kein Flüchtlingsproblem, aber wir bekommen vielleicht ein richtig großes Rechtsproblem,

weil euch nicht nur die Menschen aus fremden Ländern, sondern auch Menschlichkeit und Menschenwürde fremd sind.

 

INTEGRIEREN STATT INTRIGIEREN

#SaveAleppo, #PrayForAleppo, #PeaceForAleppo

Ein wenig was von Schizophrenie

schuhehat derzeit ja vieles, was ich so erlebe, höre und sehe. Gerade bei jenen, die auf einer Skala von Besorgt bis Rechtsextrem ab Besorgt bis Rechtsextrem überall anzufinden sind. Aber, und das ist, was mir immer wieder die Entenpelle des Entsetzens über den Rücken schauern lässt – auch und/oder besonders in den Reihen der Politik und unter den Personen, die in beliebiger Hack- und Rangordnung Verantwortung für die „eingeborenen“ Hilfebedürftigen und / oder sogar Geflüchteten in unserem Landkreis Vorpommern-Greifswald tragen und/oder sie nicht im Sinne des allgemeinen Verständnisses wahrnehmen.
Wie das Leben so spielt, auch der Beitrag heute ist wieder so ganz anders als eigentlich angedacht. Schuld ist ein geteilter Beitrag auf Facebook, der mir beim ersten Durchlesen ein „Oh Mann, wie Recht du doch hast!“ mit Like entlockte. Natürlich wurde ich neugierig und besuchte diesen Menschen, der diese Schizophrenie so herrlich in  Worte packte.

Stellt euch vor –

Da muss ich von Greifswald aus 680 Kilometer in Richtung alte Heimat nach Reichshof surfen um einen Menschen mit wundervoll menschlicher Haltung zu entdecken – Jaa, klar, die gibt es hier auch, bei mir im Haus, um die Ecke, als Nachbar, in unserer Stadt und im Landkreis – Gott sei Dank! Wenn es euch nicht hier gäbe, dann wohl mich auch nicht und Greifswald wäre nati…  – Ähm, ach lassen wir das. 
Aber dieser Mensch ist von der **U. Oder darf ich ganz plump sagen, einer der Menschen, die ich mir bei der CDU so viel mehr und ganz doll arg hier in Greifswald, hier im Kreis, ach Quatsch – hier im Land MV wünschen würde?
Und weil mir dieser Text (neben ganz vielen anderen Statusmeldungen in seiner Chronik) so gut gefällt, lasse ich ihn heute einfach mal fragen:

Viele von denen…

– die auf die Politik schimpfen, sind Nicht-Wähler
– die von Lügenpresse sprechen, nutzen selber mehr als fragwürdige Quellen
– die Angst haben, dass Ausländer uns die Arbeit wegnehmen, arbeiten nicht
– die sich jetzt Sorgen um Obdachlose machen, haben sich noch nie um Obdachlose gekümmert
– die sagen, der Islam sei rückständig, folgen einer Ideologie, die mindestens genauso rückständig ist
– die sich Gedanken über die Frauenrechte machen, wünschen anderen eine Vergewaltigung
– die Angst vor Steuerverschwendung haben, zahlen gar keine Steuern
– die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, waren selber mal Flüchtlinge
– die sich über Halal-Fleisch beschweren, kaufen ihre Fleischwurst für 89 Cent
– die über die mangelnde Bildung von Asylanten schimpfen, bekommen selbst nicht einen fehlerfreien Kommentar hin
– die das christliche Abendland verteidigen wollen, kennen nicht die Bedeutung von Pfingsten
– die Angst vor kriminellen Ausländern haben, folgen bei Pegida einem Kriminellen
– die unsere Kultur erhalten wollen, essen mehr Döner, als Sauerkraut
– die meinen, männliche Flüchtlinge sollten für ihr Land kämpfen, hatten noch nie ein Gewehr in der Hand
– die angeblich unser Land lieben, verachten viele der Bewohner dieses Landes
– die gar keine Rassisten sein wollen, benehmen sich aber genauso
– leben irgendwie widersprüchlich, oder❓

Mit freundlicher Genehmigung von ©ManuelWeber. Reichshof 2016
Mir fallen da noch viel mehr Widersprüche ein – euch auch? Dann gerne als Kommentar – oder am 1. Mai, wenn wir im Wohnzimmer unserer Stadt unser großes Fest feiern.

Wir hier im Landkreis haben kein Flüchtlingsproblem, aber wir bekommen vielleicht ein richtig großes Rechtsproblem, darum

INTEGRIEREN STATT INTRIGIEREN und

Fragen bis die letzten Fragen gestellt und nicht bis Antworten gegeben sind.


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