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Liebe und Toleranz am 1. Mai

Hach, war es nicht einfach nur schön?

Foto (c) Greifswald für Alle

Foto (c) Greifswald für Alle

Und was wurde im Vorfeld nicht zum Nachteil der Veranstalter, sondern – und das finde ich ganz persönlich nicht nur peinlich, sondern auch im Hinblick auf sich äußernde Politiker mehr als anmaßend, zum Nachteil der Bürger Greifswalds nicht alles so von sich gegeben, oder?

Hat die **U vielleicht einfach nur vergessen, dass sie sowohl bereits am 18. März in einem persönlichen Gespräch zur Teilhabe und Teilnahme an unserem Fest eingeladen wurde, als auch eine schriftliche Einladung erhielt?  Wie lautete doch gleich noch die Bedingung, die in jenem Gespräch seitens der **U gestellt wurde?

...dass die Veranstaltung "auf dem Boden des Grundgesetzes" stehen müsse, ...

Seitens, nennen wir sie mal vorsichtig „Mitläufern“ der FFDG (eventuell in mutmaßlicher Anlehnung oder vielleicht sogar Kooperation mit dem rechten Portal Greifswald Info, auf dem noch ganz andere Verschwörungsstheorien heftigeren Kalibers nachzulesen sind?) äußerte sich Olaf Blank (verbal und in Gestik teils als aggressiv empfundener „Hauptkommentator“, Videodreher und eben Unterstützer der hiesigen BonsaiGida):

…Das dieses „Kultur“-Fest eine Ansammlung linksradikaler Spinner ist und als Rekrutierungs-Maßnahme … für die kriminelle Antifa zu sehen sein sollte, ist auch klar.

Und dieses Zitat ist in der Tat noch eines der Harmlosen.

Lassen solche Äußerungen nicht vielleicht einfach nur den Verdacht aufkommen, dass jene Personen und ihre wie auch immer gearteten Gruppierungen an einem wirklichen Miteinander in unserer Stadt, dem berühmten „an einem Strang ziehen“, an Lösungen und an einem toleranten, demokratischen und vielfältigen Greifswald wenig bis gar kein Interesse haben?

Andererseits haben sich einige jener Personen, die sich gerade auf der Seite von FFDG oder zum Beispiel „Was Greifswald bewegt“ wenig tolerant bis übelst beleidigend, nationalistisch und hetzerisch geben, ebenfalls unter das so unterschiedliche und friedliche Publikum gemischt. Vielleicht können sie die Erlebnisse und die Begeisterung ihrer Kinder ja zum  Anlass nehmen, einmal über ihre Haltung und ihre Äußerungen nachzudenken. Das wäre richtig klasse.

Liebe und Toleranz am 1. Mai – Wie es wirklich war

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Fotos (c) Greifswald für Alle

Was soll ich sagen – ich bin immer noch komplett geflasht von diesem Tag, der dank einer gigantischen Orgaleistung vieler engagierter und liebenswerter Menschen, einer mehr als interessanten Liste von Rednern und Akteuren und der fantastischen Begleitung von Frau Osram so ziemlich alle positiven Gefühlsregung auslöste, die frau so haben kann.

Umwerfend die Besucherzahl! Haben wir in der Spitze 1.500 Besucher auf dem Marktplatz zählen können, und beobachtete man das rege Kommen und Gehen – je nach Attraktion, Musik- und Redebeiträgen, dürfen wir davon ausgehen, dass  ca. 2.500 Menschen aus Greifswald und Besucher unserer Stadt enormen Spaß hatten an dem gemeinsamen Bild „Tolerantes Greifswald“. Kurzum, zwischendurch ist unser Wohnzimmer der Stadt fast aus allen Nähten geplatzt.

Mama bigi hatte über den Tag verteilt gleich mehrfach nah am Wasser gebaut und das berühmte Pipi in den Augen. In Anbetracht der Tatsache, was in den vergangenen Tagen in Syrien allgemein und in Aleppo im Besonderen geschah und geschieht, war ich unfassbar beeindruckt, wieviele meiner „Söhne und Familien“, wieviele Refugees unserer Einladung folgten, am Fest teilnahmen, sich aktiv einbrachten und unser Kulturfest mitgestalteten. Hierfür meinen ganz, ganz, ganz besonders herzlichen Dank, vorallem an „meine Jungs“, die mit auf- und abbauten, die Kinder bespaßten und unterhielten und uns unglaublich unterstützten. SHUKRAN!

 

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ghfBesonders berührt hat mich auch immer wieder der Umgang aller mit diesem wundervollen Willkommensbanner, welches Herr Heuer vom Theater Vorpommern entlang unseres Wohnzimmerbodens, „auf dem Boden des Grundgesetzes“ 😉, quer über den Marktplatz ausrollte. An meinem kleinen aber feinen InfoTisch, den ich mir mit der Initiative „Greifswald hilft Geflüchteten“ teilte, hatte ich eine hervorragende  Sicht auf das Banner und konnte beobachten, wie Jung und Alt mit Ausfallschritt darüber traten oder darüber hüpften.

Bleiben wir bei unserem charmanten Ständchen – an dem ich die erste Feststunde damit zubrachte, mich nicht dauernd zu erschrecken, wenn sich die Kids an der Haltestelle Dosenwerfen von „Die Linke“ austobten. Hinter uns der Schminkstand, der sich, neben der Hüpfburg und der offenen Nähwerkstatt „Kabutze“ zum Renner des Tages entwickelte. In den Hochzeiten, standen Mamas und Papas einmal um die Hüpfburg rund an, um die lieben Kleinen mit phantasievollen Motiven schminken zu lassen. Die Hüpfburg konnte zwischendurch wegen Überfüllung nicht alle Hüpfer einlassen und Bilal, der gemeinsam mit meinem Schatz dafür Sorge trug, dass nichts, aber auch absolut gar nichts passierte, meinte scherzhaft: „Das ist ein gutes Torwarttraining. Man springt von links nach rechts zurück in die Mitte und verhindert, dass Kinder aus der Hüpfburg über den Marktplatz springen.“ Msallam, der mit einem kindgroßen 4Gewinnt-Spiel zwischen diesen beiden Attraktionen einen Platz an der Sonne genoss, fühlte sich alsgleich in die alten Zeiten der Sporthalle zurückversetzt, wo wir uns manche Nächte mit diesem und anderen Spielen um die Ohren schlugen.

010502Richtig eingeheizt wurde uns bei sommerlichen Temperaturen von der mehr als coolen BluesBrothers-Performance des Theaters Vorpommern, die sicher auch bei unserem ehemaligen Bürgermeister  Dr. Arthur König und seiner Frau großen Anklang fanden. Übrigens zwei meiner Gesichter Greifswalds an diesem Tag. Ich persönlich habe mich über das Kommen sehr gefreut und  betrachte es, wie viele meiner Mitmenschen, die mir in den letzten Wochen eine unglaubliche Stütze waren, als ganz besonderes Zeichen. Vielen lieben Dank Herr Dr. König!

Apropos Kabutze. Die offene Nähwerkstatt gestaltete und bemalte mit ihren Gästen viele „Flicken“, die in den kommenden Tagen zu einem Patchwork-Läufer (oder -Banner) zusammengefügt werden. Ich bin schon sehr neugierig auf das Ergebnis. Ein Flicken wird jedoch fehlen. Diesen hat die kleine Amelie gestaltet und wollte ihn eigentlich mit nach Hause nehmen. Ganz stolz zeigte sie mir ihr Kunstwerk, als sie sich mit ihrer Mama verabschiedete. Ich war so begeistert, dass die Sysse dies zum Anlass nahm, mir ihr Kunstwerk zu schenken. Ich kann euch gar nicht sagen, wie stolz ich darauf bin.

Währenddessen und zwischendurch traten Boogie Trap, Turtleneck, Lupus in Fabula, La Pack, Speedys Company und Five Aces auf. Anke Neubauer, ehemalige Schauspielerin unseres Theaters überzeugte und bewegte mit zwei Beiträgen, viele tolle Redner zeigten Haltung und riefen auf zu mehr Menschlichkeit und Toleranz. Richtig krass wurde es dann, als ein junger  Syrer von der zauberhaften Moderatorin Anne Wolf angesagt wurde. Muchanad ist 10 Jahre, spricht ein konkret gutes Deutsch, weil ohne Deutsch, kann er ja nicht zu uns gehören und ist leidenschaftlicher Rapper. Mit seinem kurdisch-syrischen Rap eroberte er im  Flug all die Herzen, die er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht hatte (der kleine Kerl konnte ja nicht überall seinen Charme versprühen) und wurde mit tosendem Applaus belohnt. Leider war ich zu langsam und hab den kleinen Herzensbrecher nicht mehr auf der Bühne erwischt – aber wer dabei war, dem ist der junge Mann sicher in berührender Erinnerung geblieben.

010505Der Krieg in Syrien, die vielen Anschläge in Aleppo alleine in den vergangenen Tagen, waren ein wesentliches Thema des Tages, auch auf der Bühne. Mein Schatz und ich hatten ein Kontingent Buttons gebastelt, die uns gerade unsere syrischen Freunde nahezu aus den Händen rissen. Und auch der zweite Beitrag von Anke Neubauer nahm Bezug und sie wurde hierbei von einer Reihe Geflüchteter unterstützt. Ihre Aufstellung „Aleppo brennt“ ist sicher an niemandem spurlos vorbeigegangen und machte mir einmal mehr deutlich, wie unfassbar glücklich wir alle sein müssten, die wir hier in Deutschland, in Greifswald leben. Viele unserer neuen Nachbarn haben in den letzten Tagen zahlreiche Verwandte und Freunde auf die erbärmlichste und menschenverachtendste Art verloren – im Krieg. Ein Krieg, in dem viele Nationen der ganzen Welt ihre blutigen Finger im „Spiel“ haben, auch Deutschland.

Jenen, die dieses Glück nicht begreifen wollen oder können, die in jedem Fremden einen Feind und Terroristen, einen Vergwaltiger und Mörder sehen, war die Aktion des AStA der Uni Greifswald gewidmet, oder wie ich es heute auf Facebook beschrub:

 

Großes ToleranzKino gestern im Rahmen des Kulturfestes auf dem Greifswalder Marktplatz – Regie: AStA, Darsteller: Die Menschen Greifswalds

Fotos gegen Rassismus ermöglichte allen Interessierten, sich mit verschiedenen Statements ablichten zu lassen. Außerdem wurde die Möglichkeit geboten „Willkommenspostkarten“ zu gestalten, die unseren neuen Mitbürger in der Brandteichstraße bei Einzug zeigen sollen, dass sie Willkommen sind.

Aus all den entstandenen Bildern lassen sich bestimmt tolle Plakate machen… mal sehen, wo sie schließlich und endlich Toleranz und Menschlichkeit versprühen werden.

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Fotos (c) AStA Uni Greifswald

Den krönenden Abschluss des Kulturfestes boten uns Arthur und Band, die uns mit ihren Texten und noch mehr Tiefgang  noch mal so richtig vom Hocker hauten.

Dank vieler, vieler helfender Hände, war unser Wohnzimmer ruckzuck aufgeräumt und ich denke, auch wenn wir alle mächtig müde waren, keiner von uns ist ohne ein Lächeln  früher oder später ins Bett und wir freuen uns schon auf das nächste Mal, wenn tausende Menschen Greifswalds zeigen, wie man auf dem Boden des Grundgesetzes feiert, wieviel Freude man auch in größter Trauer transportieren kann und wie vielfältig, bunt, demokratisch und tolerant unsere schönste Hansestadt am Ryck ist. Am Ende dieses wunderbaren Tages haben also ca. 2.500 Menschen unterschiedlichster Art gemeinsam gefeiert. Es gab keine Unfälle, keine Übergriffe, keine Straftaten, nicht mal einen Sonnenstich. Doch dieser Tag hatte auch eine sehr extreme brutale Seite – nämlich für die beiden einzigen, sehr freundlichen Polizeibeamten, die artig und fleißig ihre Runden drehten und so gar nichts zu tun hatten. Das muss sehr extremst brutalst langweilig gewesen sein. Aber irgendwas ist ja immer – und mir tut es ganz ehrlich auch nicht leid.

Danke Greifswald! Thank you! Merci!
Spasybi! Spasibo! Tack! Dziękuję! Falemnderit! Dankje! Dank U!

Shukran!

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Euch interessiert die Arbeit des Bündnisses Greifswald für Alle? Ihr seid auch der Meinung, dass nicht demokratische, rassistische, fremdenfeindliche, homophobe, menschenverachtende Veranstaltungen nicht einfach unbegleitet und unkommentiert bleiben dürfen und möchtet uns unterstützen? Keinen Bock auf Rechtspopulismus à la AfD und FFDG oder Nationalismus à la NPD, MVgida, Dritter Weg & Co? Dann meldet euch doch bei uns. Alle weiteren Infos findet ihr in unserem Blog  oder ihr besucht uns auf Facebook.

Schöner Wohnen ohne Hetze(r) ist unser Motto heute ab 19 Uhr – wieder im Wohnzimmer unserer Stadt, allerdings aus weniger erfreulichem Anlass – wie gesagt, manche Veranstaltungen können wir nicht einfach unbegleitet und unkommentiert lassen.

 

 

Gebt ihnen endlich ihren Frieden zurück!

Eigentlich bin ich schon im Bett und eigentlich sollte ich im Schlaf Kraft tanken für den Tag heute – doch dann sehe ich mein Handy blinken. Eine neue Mail. Lauri van Tatze hat ihre Eindrücke in einem weiteren Helferbericht verarbeitet und selbstverständlich stehe ich nochmal auf – werfe den Rechner an – und baue diesen Beitrag für sie im SynchronUniversum ein. Natürlich teile ich ihn auf Facebook. Denn das ist das Einzige, was ich für meine liebe Freundin in Piräus tun kann – mit meinen Möglichkeiten Öffentlichkeit schaffen.

Heute las ich von einer Kommentatorin:

Ich weiss nicht was Sie da gesehen oder gehört haben. Ich sehe in den griechischen Nachrichten was ganz anderes.

Sehr geehrte Frau Doerr, dieser Bericht ist auch für Sie. Und natürlich ist in den griechischen Nachrichten anderes zu sehen – denn die Schieflage einer leckgeschlagenen Fähre erzeugt mehr Interesse bei den Medien, im nur 400 Meter Luftlinie entfernten Hafen.

Gebt ihnen endlich ihren Frieden zurück!

Es sind wieder zwei Tage vergangen. Zwei Tage, unendlich viele Eindrücke wieder. Zwei Tage, in denen man auch das erste Mal an der Freiwilligenarbeit irgendwie gezweifelt hat. Aber auch zwei Tage, in denen man als Helferteam unglaublich schnell zusammenwuchs. Wir starteten unseren Tag wie jeden anderen auch: erstmal bei den Duschen vorbeischauen und dann ins warehouse. Dort folgte schonmal die erste Ernüchterung: Normalerweise beginnt jeder Tag mit der Beseitigung und Neuordnung des Restechaos der Kleidertische von der Verteilung des Vortages. Am Tage zuvor konnten wir keine Kleiderverteilung machen, sodass wir dachten, dass wir nun deutlich mehr Ordnung in das allgemeine Kartonchaos bringen könnten, welches sich in der Lagerhalle generell ansammelt. Nunja… wir dachten… In der Nacht kamen nun aber Flüchtlinge und baten um Kleiderspenden. Einige Ehrenamtliche schlafen dort in der Halle und sie ließen die Geflüchteten herein und selbst bei der sortierten Kleidung schauen. Was danach übrig war, war ein Schlachtfeld und zwar ein derartiges, dass Sean sie aus dem Lagerhaus beförderte. Sean ist ein ehrenamtlicher Helfer und kommt aus Neuseeland. Er ist schon seit einigen Wochen hier. Er hat nicht viel Kleidung dabei und die, die er hat ist deutlich verschmutzt. Sean ist die gute Seele der Halle und wirkt wie ein Securitybär. Er ist groß und sehr stabil, kaum einer kommt an ihm vorbei, wenn er das nicht möchte. Sean ist immer sehr freundlich, kann aber auch sehr deutlich und bestimmt auftreten, wenn es die Situation erfordert. Sein Umgang mit Kindern ist wundervoll. Sean ist es auch, der uns erklärt, warum es hier so aussieht, wie es aussieht. Zugleich kommt Rosa, ebenfalls ehrenamtlich vor Ort dabei und entschuldigt sich, dass es so gekommen ist. Es hilft alles nichts, wir fangen einfach von vorne an. Jeder nimmt sich einen Tisch vor (es gibt jeweils einen Kleidertisch für Männer-, Frauen-, Mädchen-, Jungen- und Babybekleidung). Es wurde in der Nacht ganze Arbeit geleistet, kaum ein Kleidungsstück lag am richtigen Platz. Aussortierte Kartons mit Kleidung waren in der Lagerhalle plötzlich wieder verteilt. Wir fragten uns an dieser Stelle, wofür die ganze Arbeit vom Vortag war und waren völligst demotiviert. Diese bekämpften wir dann aber mit dem ein oder anderen Foto eines witzigen Kleidungsstücks, was wir uns mal kurz überwarfen.

In einem Karton jedoch wartete etwas Kleines auf mich. Ich hob ein Shirt hoch und merkte kurz darauf, dass mir etwas den Arm hoch kroch…es war ein Floh, der mir zur Begrüßung auch gleich mal einen Biss verpasste. Der ganze Kleidungskarton wanderte in den Müll….Nachdem bei den Duschen der Verdacht auf Lausbefall ausbrach, konnten wir nicht auch noch Flöhe gebrauchen.

Wir sortierten also ein paar Stunden rum und brachten die Tische wieder auf Vordermann. Zwischendurch brachte Rob (ehrenamtlicher Helfer aus Irland) 20-30 Touristen aus Kanada vorbei. Sie hatten von dem Camp gehört und haben Spielsachen für die Kinder eingekauft und wollten sie vorbeibringen. Es waren wirklich schöne Sachen dabei. Sie ließen sich die Halle zeigen und jeder von Ihnen kam zu uns, um uns die Hand zu reichen und sich zu bedanken für unsere Arbeit. Man kann hier auch einfach ehrlich sagen: Anerkennung tut gut, auch wenn es „nur“ ein Händedruck ist. Dankbarkeit ist eine intensive Geste und das Wort „Danke“ ein so unglaublich starkes! Wir sind neu motiviert. Kurze Zeit später kommen zwei Journalisten vorbei. Sie machen einen Radiopodcast, beide kommen ursprünglich aus Belgien. Einer jedoch arbeitet seit Jahren schon in London, der andere freiberuflich in Berlin. Sie bitten mich um ein Interview zur Situation. Ihr könnt gerne auf ihrer Facebookseite unter „The Migrant Crisis Podcast“ vorbeischauen. Wir nähern uns 15.30Uhr. Doch auch dieses Mal kann keine Kleiderausgabe stattfinden, denn es kamen keine neuen Spenden an.Grund: In Griechenland wird Ostern gefeiert und fast alle Läden sind geschlossen und damit auch der Laden, der uns die Kleiderspenden bringt. Wir planen kurzerhand um. Gemeinsam mit Rob und Paula aus Irland gehen wir zum Jumbo-Shop. Es fehlen so sehr Mützen, Flip Flops, Schals, Leggins, Männershirts in S und M, ebenso wir kurze Hosen in S und M. Wir werden unsere Spendengelder einsetzen und die Sachen beschaffen.

Jumbo ist ein Einzelhandelsvertrieb, der größte für Kinderspielzeug in Griechenland, um genau zu sein. Mit einem jährlichen Umsatz von circa 154 Millionen Euro fährt Jumbo also auch eine ganze Menge Geld ein. Wir haben schon unsere zuvor investierten Gelder in diesem Laden gelassen, einfach nur, weil man hier mit wenig Geld viel Masse bekommt. Der Jumbo-Shop ist wie eine Spielzeughölle. Ein riesiges Geschäft. Fast vergleichbar wie ein Ikea für Kinder. Wir bekommen wieder einmal die Verschwendung vor Augen präsentiert, diesen Überfluss an Dingen, die keiner braucht. Aber die Not zwingt uns eben hier Billigware zu kaufen. Wir legen unsere Gelder zusammen und bezahlen am Ende für circa 20 Männershorts, 20 Männershirts, 10 Schals, 15 Paar FlipFlops für Kinder, 20 Paar für Frauen, 20 Paar für Männer, 50 Caps, allerlei Babyunterwäsche, 20 Paar Babymützen und noch Seife 495€. Stolze Summe, Rob fragt nach Rabatt. Und dann kommt der Hammer: die Leitung bietet uns bei einem Einkauf von 2.000€ 3,5% Rabatt ein. Ein Witz. Jumbo verdient sich an dem Flüchtlingscamp dumm und dämlich, weil jeder hier billig einkauft und tausende an Spendengeldern in diesem Laden gelassen werden. Allein unsere Kassenzettel der letzten Tage übersteigen die 1.000€ Marke und sie bieten uns jämmerliche 3,5% bei einem Einkauf ab 2.000€. Sie sind frech, wir werden es auch und listen ihnen doch glatt unsere Einkäufe der letzten Tage auf… aber die 3,5% zählen natürlich erst, wenn ein Einzeleinkauf über 2.000€ erfolgt. Wir haben uns entschlossen unser Kassenbons online bei Jumbo auf der Facebookseite zu posten und uns über diese Frechheit so zu beschweren, schlechte Presse haben sie dafür allemal verdient!

Wir fahren zurück ins Camp. Zurück in der Halle kommt dann gleich der nächste Vorfall. Wir hatten es geahnt, aber nun flog es auch wirklich auf. Ein Ehrenamtlicher, der gespendete Waren schmuggelt und wir können es kaum fassen. Bevor wir zum Jumbomarkt fuhren, sprachen wir noch mit Sean darüber, dass es einen Mann gibt, der sich immer auf einen Tisch schlafen legt, dann und wann mal aufsteht, bei den Sachen rumläuft und durchsucht und dann wieder verschwindet. Wir haben ihn schon mal gestoppt dabei. Während dieser Unterhaltung wühlte er bei den Hygieneprodukten herum und sortierte angeblich um (wofür es offensichtlich aber keinen Grund gab). Sean holte ihn von den Kisten weg und erzählte uns auch, dass er weiß, dass der Typ Sachen schmuggelt, aber man ihn nicht einfach zu bezichtigen kann. Während wir also einkauften, flog der Typ dann auf. Er hortete Rucksäcke und 200 Mützen. 200!!!!!!! Wir sind empört und wütend. Das Letzte, was wir gebrauchen können, ist ein faules Ei in den eigenen Reihen. Einzelne Geflüchtete werfen einem immer mal wieder vor, man würden Sachen verstecken und einfach nicht rausgeben. Man hat dann immer zu tun, vor allem Sean, den Leuten zu erklären, dass wir rausgeben, was wir haben und wir uns nicht selbst daran bereichern. Nun war da jemand, der das doch tat, der von denen stahl, die noch weniger hatten als er selbst. Für mich bleibt weiterhin unverständlich, wie man den Status des freiwilligen Helfers so verunglimpfen und ausnutzen kann. Von Anstand und Würde kann hier keine Rede mehr sein. Respekt, Loyalität und Solidarität als Helferkodex von einem in den Schmutz gezogen, unter dem am Ende alle zu leiden haben werden. Wir sortieren noch die gekauften Sachen und verstecken sie gemeinsam mit Sean und Max. Max ist ein Helfer aus den USA, ein sehr witziger und sympathischer Geselle. Wir verabschieden uns nach einem langen Tag aus dem warehouse und erzählen noch, dass wir Samstag einen Tag Pause einlegen werden und erst Sonntag wiederkommen.

Wir entscheiden uns noch etwas vor der Halle ans Hafenbecken zu setzen und etwas Sonne zu erhaschen, davon sehen wir ja während des Tages nicht so viel. Es dauert keine Minute, da sind wir von Kindern umgeben. Ein kleines Mädchen hatte besonders einen Narren an mir gefressen. Meine Tattoos und Piercings waren irgendwie ziemlich interessant. Auch Nuchlan gesellte sich zu uns. Schokolade von Birgit (meiner zauberhaften Begleitung aus Deutschland) und meine Seifenblasen waren der Renner. Die Kinder konnten einen kurzen Moment lang wieder Kinder sein. Ich wurde lange nicht mehr so oft umarmt und abgeknutscht. Wir genießen als freiwillige Helfer größtenteils einen guten Ruf bei den Geflüchteten und werden immer freundlich begrüßt und bekommen gelegentlich auch mal einen Tee geschenkt. Doch nun wird es Zeit zu gehen. Im Bus auf demWeg nach Hause fragt uns ein junger Syrer, ob der Bus auch zur Metrostation fährt. Fährt er. Wir unterhalten uns ein bisschen. Er wird begleitet von einer älteren kranken Dame, mit einem gebrochenen Arm und einem offensichtlich eingeschränkten weiteren Mann. Der Syrer erzählt, warum er hier ist und dass sie auf ihre Stempel im Pass warten. Er erzählt auch, dass die Dame eigentlich ins Krankenhaus müsste, aber sie dort nicht angenommen würden und dann fallen Sätze, die mir so eindringlich ins Gehirn geschossen sind, dass sie da nicht wieder rauswollen.

Er sagte: „Greece is for tourism, not for us. In Syria may be i will die. But there a bomb will kill me fast. Here we die slowly.“ und dann beschreibt er uns Helfer als Engel. Wir seien die Einzigen, die sich um die Geflüchteten kümmern würden, niemand sonst.“

Der Bus hält an der Metro Station und das Dreiergespann steigt aus und lässt uns mit unseren Gedanken zurück.

Als wir in unserem Appartment angekommen sind und mein Handy sich mit dem WLAN verbindet, wird mein Handy von Nachrichten überflutet… Aleppo brennt. Bilder und Videos, die mir zig Kinderleichen präsentieren. Es zerreißt mich von innen. Ich empfinde so unendlich viel Mitgefühl mit allen Syrern, ich denke an unsere neuen Bewohner in Greifswald, die einem so ans Herz gewachsen sind. An diesem Abend führe ich ein längeres Gespräch mit einem befreundeten Syrer aus Greifswald, der sich Vorwürfe macht das Land verlassen zu haben. Aber was sollte er in Syrien tun? Er wolle helfen, dabei könne er doch auch nur sterben. Aus meiner Sicht war seine Flucht richtig! Manchmal sind die schwersten Dinge die Richtigen! Ich werde es niemals verstehen, warum Menschen anderen Menschen sowas antun. Warum werden die Unschuldigsten ermordet? Warum werden Kinder die Opfer der nach Macht Strebenden? Warum lassen wir das zu? Die Länder Europas tragen einen massiven Teil zu all dem bei, wollen aber ihre Grenzen sicher schützen und mit alledem nichts zu tun haben? Gebt den Menschen endlich ihren Frieden zurück! Und auch wir müssen endlich aufstehen und aktiver sein. Schweigen und Stille sind äußerst schlechte Waffen im Kampf gegen Ungerechtigkeit. Und die nötige Courage fängt in den kleinsten Situationen an: Wie viele schweigen, wenn im Supermarkt mal ein ausländerfeindlicher Spruch gerissen wird? Wie viele gehen auf eine Demonstration und zeigen ihre Anteilnahme? Jeder hat das Recht auf Leben, jeder sollte die Möglichkeit haben Frieden zu finden und nicht an den Toren anderer Länder zu stranden, die den Krieg zwar mitfinanzieren, das Blut dann aber nicht wegwischen wollen.

Es ist Samstag. Ruhetag für uns… zumindest war das geplant. Nach dem Frühstück entscheiden wir uns aber dann doch ins Camp zu fahren. Irgendwie können wir jetzt keine Pause machen. Allein wie das schon klingt…Pause machen vom Elend. Im Camp angekommen werden wir auch gleich verdutzt angeguckt… ja Pause machen ging halt irgendwie nicht. Wir ernten Respekt dafür, den wir eigentlich gar nicht wollen. Zumindest nicht dafür. Bei der Gelegenheit konnten wir Sean auch gleich seine Wäsche bringen. Die hatten wir nämlich zum Waschen mitgenommen. Sean freute sich riesig… saubere Wäsche seit Wochen.

Nunja, doch auch dieser Tag startete einfach nicht gut. Der ganze Tag würde nicht so wirklich gut werden. Über Nacht war wieder viel los. Flüchtlinge drangen ins Lagerhaus ein, vieles wurde gestohlen. Es wurden keine Spenden gebracht, die gehen jetzt an die offiziellen Camps. Sean erzählt uns, dass die Spenden wieder mitgenommen wurden, weil eine Frau eine Babytrage davon einfach zerstörte. Diese Geschichte konnte mir aber niemand sonst bestätigen. Der nächste Vorfall: Eine junge Iranerin wurde letzte nach verprügelt. Sie gehört einer Minderheit an und ist allein hier. Unter den Geflüchteten sind eben auch nicht nur gute Menschen, sondern auch Abartige. Ein Mann sah die Frau als gefundenes Fressen und schlug sie so sehr, dass ihr Gesicht voller Blut war. Das Auge fast schwarz geprügelt. Das Gesicht der Iranerin musste mit 9 Stichen genäht werden. Der Mann konnte entkommen. Die Frau schläft jetzt im warehouse zu ihrer Sicherheit. Und die Bestürzung geht weiter. Es wurde zu wenig Essen gebracht und auch zu wenig Wasser. Menschen aus dem Camp wurden nach Skaramanga verfrachtet, mit dieser Info kam auch weniger Essen. Gleichzeitig kamen aber Menschen aus Idomeni nach Piraeus, die einfach nicht berücksichtigt wurden. Zudem kontrolliert die Polizei, wer keinen aktuellen Stempel im Ausweis hat, bekommt kein Essen, darf nicht ins Camp und wird von der Polizei mitgenommen. Wir helfen heute bei der Essensverteilung. Eine Masse an Menschen steht vor uns und wartet auf das Essen. Heute gibt es in kleinen eingeschweißten Plastikverpackungen Bohnen in Tomatensoße, dazu ein Brötchen,eine kleine Flasche Wasser und eine Orange. Es geht los. Die Menschenmengen drängen sich bis an den eigenen Körper, viele versuchen auch mehr als eine Portion zu erhaschen. Ich höre vielfach „Thank you“ und ich versuche jedem auch ein Lächeln zu schenken. Es ist nicht so einfach, wenn so verdammt viele Frauen und Kinder vor einem stehen. Kleinkinder, die mir ihre Hände entgegenstrecken, um etwas Essen zu erhalten. Der Kampf um Nahrung hat begonnen. Und es kommt, wie es kommen musste: Das Essen reicht nicht. Nicht jeder bekommt eine Plastikschale und noch weniger konnten Wasser bekommen. Wir werden angebettelt, aber es ist eben einfach alle. Der Mann neben mir ist auch ein Flüchtling. Er war mein Partner beim Verteilen (die Verteilung erfolgt in mehreren Reihen, damit es schneller geht). Er gibt mir die letzte Schale mit Essen, obwohl er selbst nichts bekam. Er wollte mir Respekt zollen und mir das Essen geben. Es versteht sich, dass ich das nicht zugelassen habe. Es brauchte eine kurze Überredungsarbeit, aber er hat es am Ende dankend angenommen. Wir können nun dabei zuschauen, wie die Leute auf dem Betonboden sitzen und diese Nahrung zu sich nehmen, wir wissen, wie das Essen schmeckt…..Man fühlt sich irgendwie komisch, wenn man weiß, dass man selbst nach Hause fahren und einen Auflauf essen wird, selbst gemacht mit frischen Zutaten. Wir treffen kurze Zeit später wieder auf Nuchlan und ich frage sie, wie ihr das Essen geschmeckt hat. Sie weiß es nicht, denn sie gehörte zu denjenigen, die keines bekamen. Sie war zu spät mit dem Waschen der Wäschen fertig, sodass sie nicht weit genug vorne in der Schlange stand. Zur Erinnerung: Nuchlan ist 11 Jahre alt!

Dieser Tag versetzt beinahe alle Helfer in eine Art Schockstarre. Keine Kleiderlieferung, zu wenig Essen, kein Wasser mehr da, verschärftes Eingreifen der Polizei. Es ist eine Frage der Zeit, bis die Situation unter diesen Bedingunhen eskalieren wird. Die Regierung versucht mit diesem psychischen Druck die Leute dazu zu bewegen in andere Camps zu gehen, damit der Platz für den Fährentourismus frei wird. Hier wird schon wieder mit Menschen gespielt und ihre Situation gegen sie verwendet. Wir fühlen uns hilflos, denn dagegen können wir nichts tun. In Athen hat es am heutigen Tage auch bereits Ehrenamtliche gegeben, die zur Polizeiwache durften. Passkontrolle, Verteilverbote, Platzverweise. Man muss in Erwägung ziehen, dass nun auch wir nicht mehr allzu lange verschont werden. Wieder schäme ich mich für die Politik Europas. In mir wächst die Wut! Haben diese Menschen nicht schon wirklich genug gelitten? Muss man sie mit psychischer Gewalt zu bestimmten Handlungen zwingen?

Wacht endlich auf und gebt den Menschen ihren Frieden zurück!

Text & Bilder ©Lauri van Tatze, 01.05.2016

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Schämt ihr euch nicht?

Was meint ihr, erlangt  folgender Satz traurigste Berühmtheit in unserer Geschichte als  „Asozialer und abartiger verbaler Auswurf deutscher geistiger Brandstifter 2016“?

Das Zitat einer der führenden AfD-Köpfe, Alexander Gauland, Februar 2016:

Wir dürfen uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen.

Als hätte sich dieser Satz nicht eh schon in mein Hirn gefressen, kommt er mir seit zwei Tagen immer wieder hoch. Immer dann wenn ich mit meinen Familien und Freunden spreche, die hier in unserem Land, zunächst zum Nichtstun verdonnert sind, und völlig geschockt und traumatisiert die Nachrichten aus ihrem Land verfolgen. Dieses einst so wundervolle Land, das ein feiger, psychopathischer Massenmörder und Diktator seit über fünf Jahren dem Erdboden gleich macht. Und als wären seine heimtückischen WarGames nicht schon abartig genug, setzte er mit der Bombardierung Aleppos in den letzten 48 Stunden noch einen drauf.

ALEPPO BRENNT ~ ALEPPO BRENNT ~ ALEPPO BRENNT 

Ich erinnere mich an Norbert Blüms Worte, der fassungslos vor den Grenzzäunen Idomenis stand. Er äußerte sich in etwa:  „Diese Zäune sollen die Grenze schützen. Diese Zäune sollen vor Kindern schützen, vor unschuldigen Kindern. Die haben hier Angst vor kleinen Kindern.“

Hier waren es „Zäune“ gegen eine mutmaßliche Angst. Der Massenmörder Syriens macht sich keine Mühe erst noch Zäune zu setzen, er schickt seine hirnlose MarionettenArmee und mordet unschuldige Kinder mit Fassbomben. Gestern zerstörten solche Fassbomben unter anderem das Kinderkrankenhaus in Aleppo, das letzte halbwegs „funktionierende“ Krankenhaus überhaupt.

~ALEPPO BRENNT~

Die Feinde der Feigheit, die Feinde Assads:
Frühchen, Säuglinge, Kinder – kleine Menschen
alte Menschen, die Ärmsten des Landes.

aleppo

Zeitgleich in der Europäischen Union, seit 2012 Friedensnobelpreisträgerin

Wir dürfen uns nicht von Kinderaugen und Kinderleichen erpressen lassen?

Unter anderem in Griechenland, Piräus Hafen, tausende Menschen, Zelt an Zelt. Unter ihnen eine Handvoll internationaler Helfer, die weit über ihre physischen und psychischen Grenzen hinaus versuchen, einen leisen Hauch Menschlichkeit in menschenunwürdige Lager aus Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Depression zu bringen, während die Regierung darum bemüht ist, diese Lager, gerne mit Gewalt auch gegen Frauen und Kinder aufzulösen, weil im Hafen die wunderschönen großen Fähren mit zahlenden Touristen aus aller Welt einlaufen.

Unter anderem Lesbos, drittgrößte Insel Griechenlands, wo eine Handvoll internationaler Helfer unter größter psychischer und physischer Belastung „die Reste des Todes“ einsammeln, die Strände von Rettungswesten und persönlichen Habseligkeiten Geflüchteter säubern, die das Mittelmeer immer noch und immer weiter angewidert an den Strand kotzt. Nur noch wenige Boote überfüllt mit geflüchteten Menschen erreichen die Insel und auch die Zeit der Leichen  an diesen Stränden scheint vorerst vorbei. Ein Schein, den es unbedingt aufrecht zu erhalten gilt, denn Lesbos ist doch eine der beliebtesten Urlaubsinseln Griechenlands.

Unter anderem Lampedusa – Es ist still geworden um diese Region Italiens, in der man sich auch heute noch bemüht, die Spuren elendig ersoffener Menschen an den  Stränden zu verwischen.

zweiseitig

Unter anderem Österreich, Polen, Ungarn, England – hier werden keine Strandabschnitte gesäubert – hier versucht man sich mit Rassismus, Rechtspopulismus, Rechtsextremismus, Gewalt und kilometerlangen Grenzen  dem Feind Flüchtling zu entledigen.

Zeitgleich in der Türkei – aus guten Gründen noch nicht der EU beigetreten

Der menschenverachtende und milliardenschwere Deal zwischen der EU und der Türkei: Flüchtlinge, die über die Türkei nach Griechenland fliehen,  sollen in die Türkei zurückgebracht werden. Geflüchtete aus den von den Regierungen als sicher definierten Herkunftsländern, sollen gleich weiter in diese zurückgeschickt werden. Der Regent des Landes, mit dem zweifelhaften Ruf ein Diktator zu sein, hat es allerdings nicht mit „Definitionen“ und schon gar nicht, wenn er das Gefühl hat, sie würden ihm von der EU diktiert. Ihm  ist die Pressefreiheit in anderen Ländern genauso zuwider wie die Definition „sichere Herkunftsländer“ und entledigt sich „überzähliger Geflüchteter“ auch gerne, in dem er sie z.B. nach Syrien zurückschickt.

Und Deutschland?

Ist nachwievor größter WaffenExporteur und trägt so unglaublich viel Schuld an diesem unsäglichen Krieg. Auch wir reinigen unsere Strandabschnitte für die Urlaubssaison 2016 – allerdings nicht von Leichen, Rettungswesten und angespülten Habseligkeiten Geflüchteter, sondern von Hornhecht- oder Möwenkadavern und Hundekot.

Deutschland verfügt über ca. 8. Millionen Flüchtlingshelfer – ACHT Millionen für ca. 1 Millionen Geflüchtete. Kein Geflüchteter muss in Deutschland bei Minustemperaturen unter freiem Himmel campen und im Vergleich zu den Ländern, die direkter, im wörtlichen Sinne „Anlaufpunkt“ sind, geht es ihnen gut, könnten sie sich in Ruhe von der lebensgefährlichen Flucht erholen, sich in Sicherheit wiegen und in Frieden leben. Könnten.

Doch der demokratischen, toleranten, weltoffenen, aktiven und passiven Willkommenskultur steht auch in unserem Land der blanke Hass entgegen. Verherrlicht als „faire Kritik an verfehlter Asylpolitik“, werden Fluchtunterkünfte belagert, angegriffen, abgefackelt. Der deutsche Patriot scheut dabei auch nicht vor Mord zurück, wie erst kürzlich bewiesen, als eine bewohnte Gemeinschaftsunterkunft in Flammen aufging. Der besorgte Bürger und am eigenen Leben gescheiterte **Gidaist mobbt, geifert, randaliert, verletzt und tötet – Geflüchtete, Helfer und jene Menschen, die den Hilfesuchenden mit Herz und Hilfe zur Seite stehen. Angeheizt durch rassistische, geistige Brandstifter der Politik, sehen sie das Recht zur Verteidigung ihres Heimatlandes auf ihrer Seite. Sie begreifen sich als das Volk und lassen sich von den verglühenden Sternen alter nazionalasozialistischer Parteien und den aufstrebenden Neuen Rechten auf ihren Demonstrationen und in der Politik manipulieren. Zu dämlich zu begreifen, was Rechtspopulisten und -extremisten auf ihren Transparenten und in ihren Wahlprogrammen festschreiben, folgen sie den „selbsternannten“ Hütern der wahren Demokratie und Diktatoren von Morgen und laufen damit direkt in den noch viel tieferen sozialen Abgrund.

Diese Gestalten unserer Gesellschaft sind nahezu frei von jeder Scham – sie schämen sich nicht mehr ob ihrer verschwurbelten Verschwörungstheorien, ihres Rassismus und Antisemitismus, ihrer Homophobie oder einfach nur ihres sozialen Neids.

~ALEPPO BRENNT~

dem Erdboden gleichgemacht, Zivilisten, Menschen, wie du und ich, darunter so unfassbar viele Kinder , eiskalt ermordet.

~PIRÄUS SIECHT~

mit tausenden Menschen auf engstem Raum zum Vegetieren verdammt, darunter so unfassbar viele Kinder.

 

Was Gauland Erpressbarkeit nennt –
nenne ich Menschlichkeit und Mitgefühl

Für die Betroffenen, die Angehörigen, die Familien, die es bis zu uns geschafft haben, ist das alles nicht zu ertragen. Und auch wir können nichts tun, außer wie Lauri van Tatze, sich nach Piräus zu begeben und dort mitzuhelfen, das Elend ein kleines bisschen zu lindern. Oder sich hier um die Angehörigen zu kümmern, ihnen zuzuhören, sie, wenn überhaupt möglich, so gut wie möglich zu trösten, ihnen ein bonsaibisschen Mut zuzusprechen.

Gestern wurde selbst mir dann alles für einen Moment zu viel – und das war nicht der Moment, in dem ich die Bilder der Verwüstung und der Toten sah, der Moment, in dem ich mit Betroffenen sprach, sondern der Moment, in dem ich mit unglaublich geschätzten Menschen ein Kulturfest plante und mir ob der Reflektion der letzten Wochen einige Fragen mehr als sauer aufstießen:

Schämt ihr euch nicht, die, die ihr ein fröhliches, mutmachendes, vielfältiges Kulturfest für die ganze Stadt mit eurem Hass oder aus verletztem politischem Stolz „torpediert“❓

Schämt ihr euch nicht, die ihr als vermeintlich seit Jahrzehnten Integrierte in „guter Anstellung“ oder gar Selbstständigkeit, eure eigenen Landsleute ausnutzt, abzockt, anzeigt, bedroht, verleumdet, verratet❓

Schämt ihr euch nicht, die ihr selbst Frau und Kinder habt, Familien derart menschenunwürdig zu behandeln, über sie zu urteilen, ja sie sogar zu verurteilen❓

Schämt ihr euch nicht, die ihr selbst Mütter und Väter seid, jene Bilder und Nachrichten derart zu kommentieren und den Tod zu beklatschen❓

Schämt ihr euch nicht, die ihr selbst Unterstützung benötigt und bezieht, weil es vorne und hinten kaum reicht, noch Schwächeren den Frieden zu versagen, euch als Kritiker hinzustellen und doch nur Neider zu sein❓

Schämt ihr euch nicht, die ihr eure Familien so liebt und die Kinder vermeintlich als Zukunft begreift, einer im besten Fall rechtspopulistischen Partei Beifall zu klatschen und eure Stimme zu geben, deren Programm eindeutig vorsieht, das Leben  „der Reichen“ noch zu bereichern und den weniger Priviligierten die Existenz abzugraben❓

Schämt ihr euch nicht,  eine Religion als Ideologie zu verurteilen, wo ihr selbst euren Glauben längst abgelegt habt, ihn verleumdet oder nicht zu leben wisst❓

Schämt ihr euch nicht, an Menschen Anforderungen zu stellen, die ihr selbst nicht im Mindesten erfüllen könntet❓

Schämt ihr euch nicht, ob eurer Scheinheiligkeit und DoppelMoral❓

Schämt ihr euch nicht❓❓❓

Wir hier in Deutschland, in MV, im Landkreis in unserer Stadt – Wir  haben kein Flüchtlingsproblem, aber wir bekommen vielleicht ein richtig großes Rechtsproblem,

weil euch nicht nur die Menschen aus fremden Ländern, sondern auch Menschlichkeit und Menschenwürde fremd sind.

 

INTEGRIEREN STATT INTRIGIEREN

#SaveAleppo, #PrayForAleppo, #PeaceForAleppo

Ein wenig was von Schizophrenie

schuhehat derzeit ja vieles, was ich so erlebe, höre und sehe. Gerade bei jenen, die auf einer Skala von Besorgt bis Rechtsextrem ab Besorgt bis Rechtsextrem überall anzufinden sind. Aber, und das ist, was mir immer wieder die Entenpelle des Entsetzens über den Rücken schauern lässt – auch und/oder besonders in den Reihen der Politik und unter den Personen, die in beliebiger Hack- und Rangordnung Verantwortung für die „eingeborenen“ Hilfebedürftigen und / oder sogar Geflüchteten in unserem Landkreis Vorpommern-Greifswald tragen und/oder sie nicht im Sinne des allgemeinen Verständnisses wahrnehmen.
Wie das Leben so spielt, auch der Beitrag heute ist wieder so ganz anders als eigentlich angedacht. Schuld ist ein geteilter Beitrag auf Facebook, der mir beim ersten Durchlesen ein „Oh Mann, wie Recht du doch hast!“ mit Like entlockte. Natürlich wurde ich neugierig und besuchte diesen Menschen, der diese Schizophrenie so herrlich in  Worte packte.

Stellt euch vor –

Da muss ich von Greifswald aus 680 Kilometer in Richtung alte Heimat nach Reichshof surfen um einen Menschen mit wundervoll menschlicher Haltung zu entdecken – Jaa, klar, die gibt es hier auch, bei mir im Haus, um die Ecke, als Nachbar, in unserer Stadt und im Landkreis – Gott sei Dank! Wenn es euch nicht hier gäbe, dann wohl mich auch nicht und Greifswald wäre nati…  – Ähm, ach lassen wir das. 
Aber dieser Mensch ist von der **U. Oder darf ich ganz plump sagen, einer der Menschen, die ich mir bei der CDU so viel mehr und ganz doll arg hier in Greifswald, hier im Kreis, ach Quatsch – hier im Land MV wünschen würde?
Und weil mir dieser Text (neben ganz vielen anderen Statusmeldungen in seiner Chronik) so gut gefällt, lasse ich ihn heute einfach mal fragen:

Viele von denen…

– die auf die Politik schimpfen, sind Nicht-Wähler
– die von Lügenpresse sprechen, nutzen selber mehr als fragwürdige Quellen
– die Angst haben, dass Ausländer uns die Arbeit wegnehmen, arbeiten nicht
– die sich jetzt Sorgen um Obdachlose machen, haben sich noch nie um Obdachlose gekümmert
– die sagen, der Islam sei rückständig, folgen einer Ideologie, die mindestens genauso rückständig ist
– die sich Gedanken über die Frauenrechte machen, wünschen anderen eine Vergewaltigung
– die Angst vor Steuerverschwendung haben, zahlen gar keine Steuern
– die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, waren selber mal Flüchtlinge
– die sich über Halal-Fleisch beschweren, kaufen ihre Fleischwurst für 89 Cent
– die über die mangelnde Bildung von Asylanten schimpfen, bekommen selbst nicht einen fehlerfreien Kommentar hin
– die das christliche Abendland verteidigen wollen, kennen nicht die Bedeutung von Pfingsten
– die Angst vor kriminellen Ausländern haben, folgen bei Pegida einem Kriminellen
– die unsere Kultur erhalten wollen, essen mehr Döner, als Sauerkraut
– die meinen, männliche Flüchtlinge sollten für ihr Land kämpfen, hatten noch nie ein Gewehr in der Hand
– die angeblich unser Land lieben, verachten viele der Bewohner dieses Landes
– die gar keine Rassisten sein wollen, benehmen sich aber genauso
– leben irgendwie widersprüchlich, oder❓

Mit freundlicher Genehmigung von ©ManuelWeber. Reichshof 2016
Mir fallen da noch viel mehr Widersprüche ein – euch auch? Dann gerne als Kommentar – oder am 1. Mai, wenn wir im Wohnzimmer unserer Stadt unser großes Fest feiern.

Wir hier im Landkreis haben kein Flüchtlingsproblem, aber wir bekommen vielleicht ein richtig großes Rechtsproblem, darum

INTEGRIEREN STATT INTRIGIEREN und

Fragen bis die letzten Fragen gestellt und nicht bis Antworten gegeben sind.

We must bring our own light to darkness….

Piräus 27-/28-04-2016

…und das versuchen wir mit allem, was wir können. Gestern haben wir das Camp E1 besucht. Neues Camp, neues Leid. Hier leben circa 2.000 Menschen. Ich hatte den Eindruck, dass das Camp verschmutzter war, als das Camp in E1.5.

IMG-20160428-WA0002Wir haben uns erst mal einen Überblick verschafft und mussten dann tief durchatmen…uns kamen so viele Kinder entgegen. Zwei Kinder, vielleicht 3 und 5 Jahre alt, spielten mit einem Stück Plastik. Dieser Anblick war so gruselig, denn hinter den Kindern konnte man die dicken Fähren sehen, die an- und abreisen. Wohlstand und Armut direkt nebeneinander vor Augen geführt. Wir sehen ein Zelt von „Ärzte ohne Grenzen“ und „UNHCR“. Wir laufen daran vorbei und sehen zwei freiwillige Helfer mit Kindern spielen. Eine 2-Jährige sieht mich, läuft auf mich zu und umarmt mich prompt. Obwohl sie mich noch nie zuvor gesehen hatte, drückte sie mich so fest, als wäre ich eine enge Vertraute. Sie nahm meine Hand und zog mich zu einem kleinen Container. Hier trafen wir auf weitere Ehrenamtliche, die mit Kindern spielten. Wir waren an der „School box“ angekommen. Und wir stellen jedes Mal fest, dass die Ehrenamtlichen untereinander super nett sind und man sofort wie eine Art Familie agiert. Die Arbeit miteinander, und hier sprechen wir von zahlreichen Nationalitäten, basiert auf grundsätzlichem Respekt, Zusammenhalt und Anerkennung. Wir bekommen eine kurze Einführung in die Aufgabenbereiche.Wir schauen uns etwas um in dem kleinen Container. Sieht alles etwas chaotisch aus, aber es wird sichtbar, dass hier alles versucht wird, um die Kinder von ihrer Umgebung abzulenken. An der Wand hängt ein Schichtplan… wir haben uns gleich mal für Sonntag und Montag eingetragen und freuen uns auf unsere kommenden Aufgaben. Doch nun müssen wir erstmal wieder zurück ins Camp E1.5. Das Warenlager wartet auf uns. Es sieht so chaotisch aus, wie am Tag zuvor und es geht wieder von vorne los… Zahlreiche Kartons ausräumen, brauchbare von unbrauchbarer Kleidung trennen, zu den jeweiligen Tischen tragen und nach Größen sortieren und das am besten ziemlich zügig, denn die Stunde der Kleiderausgabe rückt näher. Und diese sollte heute noch krasser werden, als am Tag zuvor. Zwischendurch holen wir draußen etwas Luft. Das Warenlager selbst ist ein altes halb zerfallenes Lagergebäude, innen gibt es keine Fenster, dementsprechend für uns auch kein Tageslicht und mit so einer gemeinen Stauballergie arbeitet es sich doch etwas schwerer in der Halle.

Dann ist es soweit…15.30Uhr… es geht los. Man gewöhnt sich unglaublich schnell an das „my friend please please“ und an das Geziehe an den eigenen Klamotten. Allerdings stellte ich mit Erschrecken fest, was Kinder sich aneignen.Weil es grundsätzlich einfach zu wenig von allem gibt, versuchen sie einem Kleidungsstücke aus den Händen zu reißen und abzuhauen… im allgemeinen Sprachgebrauch würde man das als stehlen bezeichnen. Vor mir stehen Kinder, die versuchen überhaupt irgendwas zu erhaschen, ob es ihnen passt oder nicht. Bei der Kleiderausgabe der Männer ging alles relativ human zu, außer, dass wir in Mengen Shirts, Hemden und Hosen in XL und XXL haben, nicht aber in den dringend gebrauchten Standardgrößen, vor allem S und M. Nirgends wurde mir unsere Überflussgesellschaft deutlicher als hier. Es ist 17.00Uhr, Pause. Wir bekommen ein Paket von dem Essen, was auch die Flüchtlinge erhalten. Ein kleine Plastikbox mit gekochten Nudeln, gebettet in etwas Öl und einem Spuckfleck Tomatenwasser. Es schmeckt nicht, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen. Dazu gibt es etwas Wasser und einen frisch aus der Chemiepresse gefertigten „Orangen“-Saft.

17.30Uhr..weiter geht’s. Die Frauen sind dran und mit ihnen in der Menge wieder zahlreiche Kinder und auch Babys. Die Stimmen nach „Madame please“ werden immer lauter und das Geziehe an den Kleidungsstücken in meinen Händen deutlich stärker. Und dann starten Kämpfe um einzelne Shirts, weil auch hier einfach zu wenig in den richtigen Größen da ist. Menschen kämpfen um ein Shirt und fangen dann an uns und die Übersetzer anzuschreien. Wir müssen an dieser Stelle abbrechen und für 5 Minuten die Türen des Lagerhauses schließen. Während wir drinnen Luft holen und versuchen Ruhe zu bewahren, stehen die Übersetzer draußen vor der Tür und erklären, dass wir nur weitermachen können, wenn sich jeder an die Regeln hält und auch wir als Ehrenamtliche in einem geschützten Rahmen arbeiten können. Die Türen gehen wieder auf und es geht weiter. Ich muss viel zu oft den Satz „I´m sorry, we don´t have it.“ aussprechen. Die Situation eskaliert erneut. Zwischen uns und den Flüchtlingen sind Paletten und eine Art Bar aufgebaut… die Paletten kommen immer dichter und wir werden immer weiter gegen die Lagerhauswand gedrückt. Die Leute fangen an durch die „Absperrung“ zu brechen. Dieses Mal zog mir eine Frau so sehr an mein eigenes Shirt, dass es fast zerriss. Wir müssen erneut abbrechen. In der Halle bestärken wir uns gegenseitig. Nach 5 Minuten gehen die Türen wieder auf. Wir versuchen stets freundlich zu sein und uns bewusst zu machen, wie groß diese Not der Menschen ist. Es ist 19.00Uhr und wir machen weiter. Ein Mädchen, vielleicht 7 Jahre alt, bekam ein T-Shirt,was ihr so sehr gefiel und wir klatschten uns mit den Händen ab, weil es heute endlich geklappt hat. Sie freute sich so sehr. Ein anderes Mädchen hatte nur kurz Freude. Sie bekam ebenfalls ein Shirt, hielt es aber nicht gut genug fest, sodass es ihr jemand von hinten aus den Händen riss. Sie stand 1,5h für dieses Shirt an und dann ist es einfach weg… Es ist 19.15Uhr. Ich war grade noch auf der Suche nach einer Babyhose und einem Shirt für die Mutti und obwohl ich noch Richtung Ausgang der Lagerhalle lief, kam ich zu spät. Die Türen wurden geschlossen, fertig für heute. Diese Situation hatte ich gestern ebenso und dann beginnt man an sich selbst zu zweifeln. War ich zu langsam? Hätte ich schneller etwas gefunden, dann hätte dieses Baby jetzt eine Hose. Ich habe eine Hoffnung nicht erfüllen können. Schon wieder nicht. Doch dann holt man sich alle Menschen in den Kopf, denen man heute Kleidung geben konnte und die sich mit einem Lächeln von einem verabschiedeten. Der gestrige Tag hat mich bis in die Nacht hinein beschäftigt. Wir helfen noch beim Aufräumen und werten gemeinsam diesen unbeschreiblichen Nachmittag aus, dann machen wir uns auf dem Heimweg. Es ist bereits dunkel, zu Hause angekommen zwingen mich meine Füße in die Knie. Ich kann nicht mehr richtig gehen, weil meine Blasen „Hallo, da sind wir!“ schreien.

Heute startet alles wie immer. Aufstehen, frühstücken. Wir bereiten uns auf den Tag vor und ich klebe meine Blasen an den Füßen schnell noch mit Pflaster ab, dann geht’s los.

Im Camp angekommen schauen wir zuerst bei den Duschen vorbei. Viele unserer Sachen sind über Nacht entwendet worden, es ist ein Jammer. Seife? Haben wir nicht. Rasierer? Haben wir nicht. Sonnencreme? Haben wir auch nicht. Wieder nur Körpershampoo da. Wir planen gemeinsam die nächsten Schichten bei den Duschen. Doch jetzt geht es erstmal wieder ins Warenlager. Same Chaos. Wir sortieren und räumen und husten. Heute meldet sich die Allergie etwas deutlicher. Eine Ehrenamtliche aus Spanien ereilt das gleiche Schicksal. Sie schnieft, ich huste. Doch aufgeben kommt nicht in Frage. Wir machen weiter. All die Stunden werden von weinenden Kindern und Babys neben uns begleitet, schließlich stehen zwischen den Zelten in der Halle und unserem Warenlager nur Holzverkleidungen. Um 15.30Uhr folgt dann die Ernüchterung. Wir sind einfach zu wenige, um eine sichere Kleiderverteilung zu machen. Wir können heute niemandem etwas geben. Viele Freiwillige haben das Camp in Piräus verlassen. Griechische Freiwillige wurden aufgefordert in offizielle Camps zu gehen, viele andere mussten ihre Heimreise antreten, weil sie zu Hause eben auch Verpflichtungen haben. Wir sind resigniert und gehen nochmal zu den Duschen. Nach einer Weile fahren wir dann nach Hause, früher als sonst. An der Bushaltestelle direkt beim Camp sitzen Familien auf dem Boden und essen, es gibt wieder Nudeln. Wir verteilen etwas Schokolade. Die Dankbarkeit ist groß und ich habe noch nie ein Kind so dermaßen langsam Schokolade essen sehen. Das Lächeln der Frauen bringt etwas Licht in diese dunkle Hölle. Ein Mann liegt auf gefüllten Müllsäcken und schläft. Wir vermuten, dass sie auf den Bus warten, der sie in ein anderes Camp fährt. Heute wurden einige Flüchtlinge in andere Camps gebracht, schließlich beginnt der Fährentourismus. Es muss wieder sauber werden am Hafen.Wo kämen wir hin, wenn die Touristen sich sowas anschauen müssten. Zwei Männer versuchen ein Zelt neu aufzustellen und prompt kommt ein Aufsichtsbeamter und brüllt ihnen ein hartes „Not here!“ entgegen und geht. Das erinnert uns sehr an das letzte Auftreten der Polizei, als 3 Busse vorfuhren, um Flüchtlinge in andere Camps zu bringen. Der harte und raue Umgangston, mit Mundschutz natürlich…Man weiß ja nie, was man sich wegholen kann… Von offizieller Seite vermissen wir sehr die Menschlichkeit. Aber viel offizielles gibt es hier auch nicht. Viele Ehrenamtliche, ein paar NGO´s und dann kommt erstmal ne ganze Menge nichts. Im Bus nach Hause plagt mich mein schlechtes Gewissen, dass ich heute früher losgefahren bin. Diese Menschen schwirren in meinem Kopf herum. Diese Situation übt auf uns alle einen hohen psychischen Druck aus und man muss aufpassen sich nicht selbst zu verlieren.

Zu Hause angekommen, muss ich erstmal auf Toilette. Man vermeidet so gut es geht, die Toiletten des Camps zu benutzen. Die hygienischen Zustände sind katastrophal. Neben den Duschen stehen Dixie-Toiletten, die sich in der Sonne schön erhitzen und es nach Kot und Urin stinkt. Die Toiletten selbst kaum benutzbar, da völlig verdreckt und überall findet man Kot. In der Lagerhalle auf Seite der Flüchtlingszelte gibt es auch einen Toilettenraum. Dort befinden sich 3 Toiletten für alle (Männer und Frauen nicht getrennt), die Türen sind nicht abschließbar, der Boden voller Wasser, der Spülkasten nur halb funktionsfähig.

Europa zeigt sich in Situationen wie diesen so schwach, wo es hätte Stärke repräsentieren müssen. Camps wie diese wären zu vermeiden gewesen. Der Türkei-Deal wird alles noch schlimmer machen. Er wird mit dem Blut derer unterzeichnet, die an ihm zu Grunde gehen werden.

Die Menschen bekommen zu spüren, dass sie hier nicht willkommen sind und woanders auch nicht. Wir versuchen ihnen das Gefühl zu geben, dass sie geachtet und wie Menschen behandelt werden. Wir versuchen das Licht ins Dunkel zu bringen, wenigstens für einen Funkenschlag. Und auch die kleinen positiven Erlebnisse erhellen uns und motivieren nicht aufzugeben.

Übrigens sind wir mit dem Bus am Hafen vorbei gefahren… Die Fähre liegt weiterhin mit Schlagseite im Wasser…sie hat sich sogar weiter geneigt. Eigentlich sinkt sie nur nicht, weil das Wasser im Hafenbecken nur 9 Meter tief ist, aber das ist heute auch nicht mehr so interessant wie gestern… die Medien brauchen was Neues zu berichten… wie wär´s mit nem Bombenanschlag in Syrien mit zig Toten? Nich… na gut… vielleicht ein neues Gedicht über Erdogan? Schlimm sowas…. ein Verbrechen an der Menschlichkeit! Aber hey… Reunion der Spice Girls… das ist gut, das nehmen wir…. Fuck You Stupid Europe!

piraeus28042016

Text & Bilder ©Lauri van Tatze, April 2016 ALWAYS BY YOUR SIDE!

 

Nach der Kleinen Anfrage…

ist vor der Kleinen Anfrage

Eigentlich hatte ich ja die Hoffnung, nach der ausführlichen Besprechung der Kleinen Anfrage und des Nachtrags zur Kleinen Anfrage, könnte ich mich in meine kleine Pupsmulde kuscheln, um dem komischen SchneeEisHagelGraupelFrühling meinen StinkeFinger zu zeigen, ein kleines bisschen Luft zu holen und mich mit den wirklich wichtigen Themen beschäftigen. Doch es kam wieder ganz anders heute. Mein Tag begann mit Headbanging  – die gequirlte rechte Scheiße, die manche Bewegte in Greifswalder  Gruppen so von sich geben ist das beste AufwachTraining überhaupt, allerdings birgt sie auch die große Gefahr eines Schleudertraumas. *Mimimimimimimimiiiiii*. Dann lese ich die neueste Kreation „Kleine Anfrage“ aus dem Hause Hochschild. Last but not least wird immer deutlicher, dass die Beschäftigung der Staatsanwaltschaft Stralsund mit absurden Strafanzeigen gegen fast die Hälfte aller im Landkreis lebenden Menschen,  vielleicht als das Hobby 2016 eines besonderen Gesichts in die Kreis-Geschichte eingehen wird. Flankiert werden diese Ereignisse von neuen Fragen, die mir mit auf den Weg gegeben werden und Anfragen, ob ich bitte, wo ich schon mal dabei sei und es eh kein anderer macht, mal diese oder jene Begebenheit  näher beleuchten könnte.

schuheManchmal bin ich soooo müde und trotz aller Müdigkeit drängeln sich erste Fragen in den Vordergrund meiner Erschöpfung:

  • haben manche Personen eigentlich so wenig Liebe, Freunde, Freude und Sinn in ihrem beruflichen und privaten Dasein, dass sie sich ständig profilieren müssen auf Kosten Anderer (besonders gerne Schwächerer), Prozesse behindern und Menschen das Leben schwer machen müssen?
  • ist das Selbstbewusstsein mancher so bonsai, dass Mann gewisse Ergebnisse und Entscheidungen nicht als Herausforderung begreifen kann, sondern sie als Kampfansage versteht?
  • ist es manchen Personen nicht hochnotpeinlich, wenn sie als Kleinkinder im Sandkasten wahrgenommen werden, die trotzig ihre Schippchen erst dem Gegenüber über den Schädel ziehen, dann in die Ecke schmeißen, trotzig aufstampfen und rumplärren: „Du bist nicht mehr mein Freund!“?

Mit großer Wehmut erinnere ich mich zurück in die Jahre 2009-2012, meine ersten Jahre in Greifswald, in denen ich die Bürger dieser Stadt als erfreulich tolerante Einheit wahrnahm, die sich auf Tweet, Statusmeldung oder Anruf auf dem Marktplatz einfand, beim damaligen Bürgermeister einhakte und mit vielen Ideen, Witz, Charme und Deutlichkeit der NPD zeigte, dass es hier kein Gehör für Pastör und keinen Platz für Nazis gibt. Heute wird seitens der Partei eben dieses Bürgermeisters mutmaßlich gegen ein Kulturfest geschossen, das ein großer Spaß für alle Bürger unserer Stadt werden soll und damit ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt in unserer Stadt setzen möchte (so wird zumindest die neueste Kleine Anfrage empfunden) – oder, wie ich es in der Veranstaltungsteilung schrub:

Gemeinsam mit unfassbar vielen Menschen, begreifen wir den 1. Mai als das, was er ist – ein FEIERtag.

Was liegt also näher, als die Feste zu feiern, wie sie fallen:
mit viel richtig guter Greifswalder Musik,
mit allen Menschen Greifswalds,
mit Tiefgang aber auch Witz, Humor und einer Menge Spaß,
mit vielen Aktionen für Kinder, Jung & Alt?

Ein vielfältiges Fest für die wohl vielfältigste Hansestadt am Ryck.
Seid dabei!

1MAI

Das alles bestärkt mich natürlich umsomehr in meiner Thematik. Auch wenn ich es selbst überhaupt nicht verstehen kann, ist mit ein Grund der neuen Rechtsorientierung einiger Personen der Flüchtling. Dass er vor Krieg, Gewalt unter teils lebensbedrohlichen Umständen geflohen ist, interessiert diese Personen nicht. Auch das Leben, das diese Menschen dann hier führen müssen, unter welchen Bedingungen sie untergebracht, welche Steine ihnen in den Weg gelegt werden und welche Persönlichkeiten hinter diesen Menschen stecken ebensowenig. Die Rechtsgerückten suchen sich den Schwächsten der Gesellschaft, um ihn für die eigene Unzufriedenheit, das eigene Unvermögen verantwortlich zu machen. Dass AfD und FFDG, wie Sorge und Angst die denkbar schlechtesten Ratgeber sind, scheint komplett egal – anders ist es nicht zu erklären, dass gerade die Personen, die Familien, die in gewissem oder besonderem Maße von unserem Sozialstaat profitieren, diesen „Gruppierungen“ nachläuft, sie hofiert und im Zweifel sogar zu wählen wünscht. Dabei braucht man, was die AfD betrifft nur ihr Wahlprogramm/Grundsatzprogramm zu lesen und was die FFDG betrifft, den Auswürfen des Megaphon/Mikrophonhalters.  Und so leid wie es mir tut, betrachtet man manche Entscheidungen und lauscht der einen oder anderen Äußerung  hiesiger vereinzelter Politiker – erscheint der Grat zwischen **U und FFDG und AfD vielleicht manchem ganz, ganz schmal.

So werden sich meine Fragestellungen zukünftig mit  folgenden einzelnen Punkten auseinandersetzen oder sie eben miteinander verbinden (ist dann wohl tagesformabhängig):

  • Geflüchtete Menschen
  • der Integration geflüchteter Menschen
  • den Menschen die sich hauptamtlich, ehrenamtlich und mit ohne Amt, dafür mit viel Menschlichkeit und Leidenschaft darum bemühen, kümmern, sich sorgen
  • und  eben jenen Personen im Landkreis, die Integration mutmaßlich nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollen, ein vielleicht grundsätzlich anderes, unmenschlicheres Verständnis von Integration haben, sie unterwandern, boykottieren oder blockieren.

Als interessierte und polarisierend politisch aktive Bürgerin dieser Stadt, die sich zudem gegen alles zwischen braunem, rechten Rand und NaziMorast wehrt, möchte  ich natürlich wissen, ob die Integration in unserem Landkreis auf dem Boden des Grundgesetzes stattfindet. Zudem wurden in der Kleinen Anfrage Bufdi einige Punkte angesprochen, die sich mit dem Landkreis oder der Arbeit des Landkreises beschäftigen und hier bedauern meine Gesprächspartner, Leser und Kommentatoren ein gewisses Informationsdefizit. Natürlich könnte man sich aus den Zeilen von Herrn Hochschild das eine oder andere zusammenreimen und -denken. Doch meine Leser, Kommentatoren und Mitfrager  möchten nicht auf dieser gleichen Stufe stehen und bitten daher um meine Sicht der Dinge.

Wir hier im Landkreis haben kein Flüchtlingsproblem, aber wir bekommen ein richtig großes Rechtsproblem, darum

INTEGRIEREN STATT INTRIGIEREN und

Fragen bis die letzten Fragen gestellt und nicht bis Antworten gegeben sind.

 

 


Das Finale der Kleinen Anfrage?

Alles hat ein Ende, doch nur ich find keins, ich find keins.

Seid ihr nachwievor am weiteren Verlauf der Kleinen Anfrage, des Nachtrags der Kleinen Anfrage, deren von der **U forcierten Veröffentlichungen und öffentlichen Diskussionen interessiert❓

Darf ich mit aller mir gebotenen Höflichkeit darauf aufmerksam machen, dass die Bürgerin und freiwillige Helferin Birgit Schulz am Montag, den 25. April 2016 um 17:01 Uhr ihre Bewerbung schriftlich, bei der Personalerin der Stadt Greifswald, der Integrationsbeauftragten der Stadt Greifswald und dem Oberbürgermeister der Stadt Greifswald zurückgezogen hat❓

Darf ich  ebenfalls freundlich darum bitten, nun Verständnis dafür aufzubringen, dass ich jene Öffentlichkeit, welche die **U mit ihrem Vorgehen einbezogen hat, über meine Beweggründe dazu informiere❓

Ist es nachvollziehbar, dass mir als freiwilliger Helferin, die sich mit allem was sie besitzt für Hilfesuchende (nicht nur) in unserer Stadt einsetzt, sich aber im Besonderen derzeit für Geflüchtete und Migranten stark macht, diese BUFDI-Stelle zu wichtig ist, als dass Sie eventuell auf Grund vielleicht oppositioneller Machtspielchen, die diese Stelle zum Politikum gemacht haben könnten, nicht besetzt würde❓

An dieser Stelle weise ich nur allzugerne nochmals darauf hin: das Spektakel drehte sich in den vergangenen Wochen um eine Anstellung im Bundesfreiwilligendienst als Integrationhelferin – Ich spekuliere weder darauf Landrätin zu werden, noch in die Fußstapfen des Bürgermeisters zu treten, auch strebe ich nicht die Position der Integrationsbeauftragten an. Mein Ansinnen lag alleine darin, die fabelhafte Integrationsbeauftragte unserer Stadt in ihrer Arbeit zu unterstützen; ihr vielleicht Schreibkram abnehmen zu können; Statistiken zu erstellen, die sicher auch für Herrn Axel Hochschild von großem Interesse für seine politische Arbeit wären; jene Transparenz zu schaffen, die Herrn Axel Hochschild, Herrn Gamal Khalil und anderen, die sich mehr oder weniger qualifiziert hierzu äußerten, ja gerade diese Bufdistelle betreffend ganz besonders am Herzen liegt;  Schnittstelle zu sein zwischen Geflüchteten/Migranten und der Verwaltung; organisatorisch behilflich zu sein; den einen oder anderen  Botengang abnehmen zu können; der Integrationsbeauftragten den Rücken frei zu halten, für die so wichtige Arbeit mit Migranten und neuen Nachbarn, die aus Krisen- und Kriegsgebieten bei uns in Greifswald ankommen. Früher nannte man so etwas HiWi (HilfsWillige). Erinnere ich mich an die Zeit, die zwischen der Wahl unseres OB Herrn Dr. Fassbinder und seines tatsächlichen Amtseintritts lag, kann man es mir verübeln, dass mir die Vorstellung ein Graus ist, dass auf Grund weiterer eventueller Verzögerungsnachträge zum Nachtrag des Nachtrages der Kleinen Anfrage seitens der **U, eine solche einfache Stelle mindestens ebenso lange unbesetzt bleibt oder, im schlimmsten Fall nicht besetzt wird❓

Könnte es vielleicht unter Umständen möglich sein, dass mir durch meine noch nicht veröffentlichten Fragestellungen hier im Synchronuniversum, die nachwievor logische und meine rein menschliche Konsequenz aus den letzten Wochen ist, versucht würde, ein Verstoß gegen die Wohlverhaltenspflicht zu konstruieren, mit der ich mich im Falle eines Vertrages vollumfänglich einverstanden erklärt und mich ihr unterworfen hätte❓

Erinnern sich meine Leser daran, dass die Option Nein keine Option für Herrn Axel Hochschild und die **U dargestellt hat❓ Kann man es mir verübeln, dass ich keinerlei Interesse daran habe, dank mutmaßlich weiter anhaltender eventueller Überwachung, eventueller Beobachtung und eventueller Vorratsdatenspeicherung meiner eventuell das Befinden einiger Herren anpieksender Aussagen, die kostbare Zeit meiner Vorgesetzten und natürlich auch meine Zeit zu verschwenden❓

Wird mir mit der Kleinen Anfrage nicht vielleicht in dem einen oder anderen Punkt, geschickt in Fragen verpackt, aber für den nicht involvierten Leser durchaus konstruierbar, juristisch strafverfolgbares Handeln unterstellt❓Ist es mir vorzuwerfen, dass ich dem, auf Grund der daraus resultierenden existenziellen Bedrohungen, mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln widerspreche und jene Zusammenhänge mit Hilfe der in diesen Situationen involvierten Menschen richtig stelle❓

Hat es sich hoffentlich bereits herumgesprochen, dass das Thema: Auch die freiwillige Helferin Birgit Schulz wird von dem  unter anderem Integrationsbeauftragten des Landkreises und Betreuer dezentral untergebrachter Geflüchteter, AlNajjar, mit einer Strafanzeige „beglückt“,  mit der Einstellung seitens der Staatsanwaltschaft vom 15.04. juristisch zunächst erledigt ist❓ Vielleicht ist es dennoch verständlich, dass ich meinerseits, auf Grund der von Herrn Axel Hochschild und der **U zusätzlich provozierten medialen Öffentlichkeit, vielleicht meinerseits noch Wege verfolge, die mit den Inhalten dieser Strafanzeige aufräumen❓

Ist es richtig, dass die Personalie Birgit Schulz in der Öffentlichkeit ein Resultat aller meiner bisherigen öffentlichen Stellungnahmen in Richtung **U ist und ich mir vielleicht Gedanken darüber machen sollte❓Kann Mann es vielleicht nachvollziehen, dass ich mich in meinem Recht auf freie Meinungsäußerung und den sich daraus eventuell entwickelnden kritischen Stellungnahmen nicht beschneiden lassen möchte❓

Und nun zu meinem wichtigsten und sicher emotionalsten Beweggrund, meine Bewerbung zurückzuziehen: 

Wer (abgesehen von Personen am rechten Rand oder darüber hinaus, Rechtspopulisten und Rassisten) könnte mir ernsthaft vorwerfen wollen, dass ich mich NICHT für eine Aufwandsentschädigung, ein Taschengeld derart menschlich verbiegen lassen möchte, mich nicht den Karriereplänen, der Eitelkeit, dem Stolz und der Überheblichkeit einer Handvoll Männer unterwerfen möchte❓

Mir geht es darum den Menschen, den Geflüchteten im Landkreis Vorpommern-Greifswald, in unserer Stadt zu helfen, sie zu unterstützen und sie nach bestem Wissen und Gewissen zu integrieren. Wenn ich das nun nur auf jene Art und Weise bewerkstelligen kann, wie ich es in den letzten Jahren  mit ganzem Herzen und all meiner Leidenschaft getan habe, dann soll es so sein. Ich möchte weder nächste Landrätin werden, noch strebe ich ein anderes politisches Amt an. Ich habe keine Leichen im Keller, kein Vermögen, kein Parteibuch, keinerlei politische Karriereambitionen, nichts zu verheimlichen, keine dunkele kriminelle Vergangenheit, wurde und werde nicht vom Verfassungsschutz überwacht, mache keine Versprechen, die ich nicht halten will und plane auch nicht, die Weltherrschaft an mich zu nehmen. 

Birgit Schulz, Mama bigi, möchte einfach nur helfen. Natürlich tut mir dieser „Rückzug“ sehr leid, andererseits bringt er den Geflüchteten und mir Vorteile, die nicht mit Geld aufzuwiegen sind und die sich in den nächsten Monaten sicher noch in ihrer ganzen menschlichen Pracht entfalten werden. Die Kleine Anfrage brachte eine Öffentlichkeit, die mir sicher zunächst schadet, die aber im Sinne der Integration und der Geflüchtetenhilfe sicher viel bewegen wird. Ich hätte  sehr, sehr gerne mit meiner Energie und Empathie für die Migranten und Geflüchteten unserer Stadt meinen Beitrag zur Integration mit dieser Bufdi-Stelle geleistet. So werde ich mich weiterhin ehrenamtlich, als freiwillige Helferin für unsere neuen Nachbarn in der Stadt einsetzen und sie unterstützen, wie es Mamas für ihre Familien eben machen.

In diesem Sinne:

INTEGRIEREN STATT INTRIGIEREN

schuhe

… und auch, wenn das nach einem Ende klingen mag – es ist noch nicht gut, also noch nicht am Ende.
… es sind noch Schuhe da – und eine Menge Fragen,
… und das, bis die letzten Fragen gestellt und nicht bis Antworten gegeben sind.

 

Always by your side, Lauri van Tatze

Es ist mir eine sehr große Ehre, dass ich heute hier den ersten Teil von Lauras Helferbericht aus Piräus publizieren darf.

Liebe Lauri,

vielen, vielen Dank für dein Vertrauen.

 

Ein Riegel voll Glück…

Text & Fotos © Lauri van Tatze, Piräus 2016

Seit Samstag befinden wir uns in Piraeus. Piraeus oder auch Pireas ist der drittgrößte Mittelmeerhafen. Mit ca. 18,7 Mio. Passagieren im Jahr ist der Piraeus Port der größte Passagierhafen Europas und der drittgrößte der Welt.

Unser Start in Griechenland war schon mal bescheiden schön. Erst wird man vom Taxifahrer beklaut, der eine leichte Unachtsamkeit nach dem Flug schamlos ausnutzte, dann fuhr der Bus zum Flüchtlingscamp nicht, jeder gibt einem eine andere Auskunft…. schließlich in einen, vermeintlich richtigen Bus eingestiegen, der laut Busfahrer dann aber doch der falsche war…. Nunja, der Busfahrer sagt „I think you should use a Taxi.“, der Taxifahrer sagt „I think you should better use a bus.“ Vielen Dank für diesen tollen Empfang.

260401Schlussendlich haben wir nach allen Hürden das Camp erreicht. Es liegt zwischen den Gates E1 und E2 des Fährhafens und hat daher den wundervollen Namen E1.5. Es leben circa 1700 Menschen hier in Zelten auf dem Betonboden. In der Mitte steht eine alte kleine Lagerhalle. In der einen Hälfte der Hallte befinden sich ebenso Zelte, in denen Flüchtlinge leben. Die anderen Hälfte (abgetrennt durch Holzverkleidungen) dient als Warenlager (warehouse/stonehouse).

Unsere Schicht beginnt bei den Duschen der Frauen. Es ist ein Container, mit 4 Duschen. Shampoo und Haarwaschmittel (wenn denn vorhanden) gibt es abgefüllt in kleinen Bechern, Rasierer, Slips, Windeln und Binden auf Zuteilung. Es sei an dieser Stelle gesagt, dass wir hier immer von WENN VORHANDEN sprechen, die Sachen von Spenden gekauft werden.  Das bedeutet: Keine (Geld-)Spenden kein Hygieneprodukt. Hier flossen von unserer Seite bislang 134€ in dringend gebrauchte Hygieneartikel. Wäsche wird in kleinen Plastikboxen gewaschen oder in Plastiktüten draußen vor den Duschen auf dem Betonboden in der prallen Sonne. Manchmal werden auch kleine Kinder reingesteckt und dort gewaschen. Ein sehr bedrückendes Bild. Kinder, die eigentlich ihre Kindheit leben sollten, kauern auf dem Boden und versuchen das zweite Shirt, was sie besitzen, mit zugeteilter Seife zu säubern. Ebenso bedrückend ist es, wenn man als Helfer einer Bedürftigen sagen muss, dass man nicht genug Spenden hat und sie mit Körpershampoo Körper, Haare und Kleidung waschen muss. Zwei kleine Becher voll für alles oder das junge hübsche Mädchen keinen Einwegrasierer bekommen kann, weil es einfach keine gibt. Genauso, wie junge Mütter mit ihren Babys vor einem stehen und man leider keine Windel mehr hat.

260403Hier habe ich Nuchlan kennengelernt. Eine tapfere Elfjährige aus dem Irak. Sie ist uns eine große Hilfe und so fleißig. Ich habe Nuchlan am zweiten Tag einen Schokoriegel geschenkt. Sie ist ausgeflippt vor Freude über Schokolade und sprang in die Luft und dann tat sie etwas so rührendes…. Sie teilte den Schokoriegel mit den ehrenamtlichen Helfern.

Solche Geschichten haben wir öfter hier erlebt. Viele Kinder, die so tapfer sind, aber auch viele Kinder, denen die Traurigkeit aus den Augen nahezu gekrochen kommt.

 

Heute haben wir im Stonehouse geholfen. Eine Erfahrung, die einen für immer begleiten wird.

260402Letzte Nacht hat ein ziemlich heftiger Sturm über Piraeus hinweg gefegt und einige Flüchtlingszelte zerstört. Weil es aber einfach keine Zelte mehr gab, konnten nur Decken ausgegeben werden. Aus diesen mussten sich Geflüchtete dann neue Zelte bauen. Hier kamen heute 329€ unserer Spenden zum Einsatz: wir konnten so 19 neuen Zelte besorgen. Im Stonehouse haben wir weiterhin gespendete Kleidung sortiert und das Lager für die tägliche Kleiderverteilung vorbereitet. Von 15.30-17.00Uhr ist Kleiderausgabe für die Männer, von 17.30-19.00Uhr für die Frauen. Vor der Tür des Warenlagers wird eine Art Bar aufgebaut und dort befinden sich zwei Übersetzer. Diese erfragen bei den einzelnen Menschen,was sie brauchen und wir gehen ins Lager und sehen, ob es da ist. Dort stehen jeden Tag eine menge Menschen, in der Hoffnung eine passende Hose und ein halbwegs hübsches Shirt zu bekommen oder wenigstens überhaupt eine Hose und ein Shirt. In einer solchen Situation werden Menschen zu kleinen Bestien, aber ich bin mir sicher, dass viele von ihnen nicht so wären, wenn es die Not nicht erfordern würde.

 

260404Diese vielen Blicke, das Geziehe an der eigenen Jacke und das stetige „Madame Madame“,“my friend please“ möchte noch nicht so recht aus meinem Kopf verschwinden. Ebenso wenig diese großen Kinderaugen, die an den Seiten durch die Absperrung kriechen und mir an meine Strumpfhose ziehen, in der Hoffnung sie bekommen etwas sauberes zum anziehen. Natürlich wird auch Kleidung dann und wann abgelehnt von den Menschen….und ich kann das sogar verstehen. Was ich allerdings nicht verstehen kann, ist, dass Menschen völlig verdreckte Kleidung und total kaputte Schuhe spenden…

Die ersten drei Tage sind vorbei und reichen an Eindrücken für viele Geschichten aus, vor allem aber bewegen die ganzen Eindrücke einen sehr zum Nachdenken. Ich schäme mich weiterhin für Europa, ich schäme mich, dass wir das alles so zulassen. Wir lassen Menschen mit Träumen und Hoffnungen im Dreck liegen und die Politik reicht ihnen eher den mächtigen Peitschenhieb als eine Hand. Es geht um Macht in den großen Reihen, ein Kampf ausgetragen auf den Rücken der Zivilisten und kleinsten Geschöpfe. Die Gesellschaft zeigt ihre hässliche Fratze. Die freiwilligen Helfer und die lieben Spender geben zumindest einen Funken Menschlichkeit in die Camps.

Ihr erinnert euch an den größten Passagierhafen Europas Piraeus? Hier ist heute übrigens ein Fährschiff Leck gelaufen und in Schieflage geraten. Das mediale Interesse hierfür war natürlich weitaus größer als tausende Geflüchtete 400m Luftlinie weiter.

Morgen werden wir wieder im Stonehouse sein, wieder viel sortieren und wieder in viele erwartungsvollen Augen schauen…

Zuvor werden wir aber das Camp im Gate E1 besuchen, hier leben noch mehr Menschen….

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TU ES DAY

Wer hat noch nicht, wer will noch mal
schuhe
Mein Schweigen für ein paar Euro❓
Füße still halten für ein Taschengeld❓
Menschen verraten zur Vertuschung❓
Schleudersitz statt Wahrheitsfindung❓
Stillschweigen statt Anklagen❓
Prinzipien über Bord zum Wohlgefallen der Karrieristen❓
Feigheit statt ZivilCourage❓
Wegsehen statt Anpacken❓
Erdulden statt Wehren❓

NEIN❗️
INTEGRIEREN STATT INTRIGIEREN❗️
Einfach Mensch bleiben❗️
JETZT❗️

Da stehen sie wieder, diese dreckigen Schuhe und ich weiß genau, heute finden wohl wieder mindestens vier Paare neue Besitzer und diese bekommen trotzdem kalte Füße. Eigentlich wird es ja immer uns Frauen nachgesagt, das mit den kalten Füßen, aber auch Männer bekommen welche. Und als würde dies nicht ausreichen, schnüren sie sich ihre neuen Schuhe nicht richtig zu und stolpern über die Schnürsenkel, mit Namen Eitelkeit, Stolz und Überheblichkeit.

 

Heute bewahrheitet sich vieles aus meinem SamstagPost – ihr erinnert euch, das Thema „Befindlichkeiten“. Im Übrigen ein Charakterzug, der rasch zur „MANNie“ werden kann. Sich beleidigt fühlen ist das Eine. Sich von einer Frau beleidigt fühlen das Andere. Und wenn Mann sich der Frau überlegen fühlt und diese sich trotzdem erdreistet zu kritisieren, anzumerken, Stellung zu nehmen… OhOh… DAS geht ja mal gar nicht! Dann fühlt Mann sich nicht beleidigt, dann ist Mann beleidigt und mit beleidigten Männern ist es, wie mit angeschossenen Wildtieren – sie werden richtig wild.

 

Gestern wurde ich von einem StammLeser des SynchronUniversums gefragt, inwiefern meine Texte in den letzten Jahren den Tatbestand der Majestätsbeleidigung erfüllt hätten oder ob ich vielleicht heimlich ein Schmähgedicht geschrieben hätte❓Als einer der vielen richtig guten und vorallem menschlich eingestellten Integrationsverantwortlichen in Deutschland, bediente er sich häufig meiner Artikel für Fortbildungen und Workshops.  Ich musste von Herzen lachen ob dieses doch sehr aktuellen Vergleiches und fühlte mich sogar ein klein wenig geehrt. Für ihn schien es schwer vorstellbar, dass Mann mit mir nicht umgehen und arbeiten kann, dass Mann keine anderen Wege findet, wie jene, auf denen die Spuren dreckiger, bereitgestellter Schuhe als  Fährte die Richtung weisen. Dieser Leser bat mich inständig, meinen Weg beizubehalten, mich nicht einschüchtern und unterkriegen zu lassen, vielleicht ein paar Haken zu schlagen, aber mein Ziel niemals aus den Augen zu verlieren – die Menschen und die Menschlichkeit.
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… und dieses Drama führt noch zu vielen Fragen…
… und das, bis die letzten Fragen gestellt und nicht bis Antworten gegeben sind.

 

Geteilter Zorn – Verbunden in Scham

Im Augenblick überschlagen sich etwas die Ereignisse und ich hoffe, ich bekomme einen halbwegs geordneten Beitrag heute hin. Mir war klar, dass ich auf meine Fragen hier im SynchronUniversum keine Antworten erhalten werde, bislang nicht einmal unbefriedigende. Unterschätzt habe ich das Echo der Betroffenen. Menschen aus dem Landkreis Vorpommern-Greifswald, die mir Fragen mit auf den Weg geben. Auch sie geben sich nicht der Illusion hin, Antworten zu erhalten – Sie möchten einfach nur ihre Fragen gestellt haben und borgen sich mein SynchronUniversum als Plattform dafür aus. Bei den Geschichten, die ich höre, wird mir schlecht und ich werde zornig. Entsprechend ist es mir eine Ehre, diese Fragen in den nächsten Tagen und Wochen zu stellen. Ganz, ganz viele Fragen wiederholen sich auch, weil sich Geschichten ähneln. Es ist so traurig, es ist so peinlich.

So schäme ich mich fast, dass ich heute einen Genusstag hatte. Eingeladen von meinem Liebsten zu einem wunderbaren Essen in Rostock, begleitet von  zwei wunderbaren Menschen, mit deren Hilfe sich Schmerzen, Sorgen, Traurigkeit und Zorn für drei Stündchen fast vergessen ließen. Vielen Dank euch 3, vielen, vielen lieben Dank!

Auf der Heimfahrt bastelte ich in meinem Kopf an meinem MontagBeitrag. Wie gesagt, die Ereignisse überschlagen sich, die Geschichten der „Integration“ in unserem Landkreis zeigt mehr und mehr auf, wie unfassbar satt und selbstgerecht manche Personen doch sind. Menschlichkeit ist keine Option – Menschlichkeit ist ein absolutes Muss und wenn dies im Kleinen nicht gelingt, wenn Menschlichkeit im Kleinsten schon mit Füßen getreten oder gar ausgesetzt wird, wie soll es denn dann im Großen funktionieren? So reflektierte ich die Gespräche des Wochenendes, baute mir im Geiste meinen Fahrplan der Fragen zusammen. Und natürlich dachte ich an meine liebe Freundin Laura, die sich gestern auf den Weg nach Piraeus  machte. Eine Entscheidung, die mir unglaublich viel Respekt abverlangt – breche ich doch schon zusammen, wenn ich die Berichterstattungen der Helfer dort auf Facebook verfolge oder vielleicht doch einmal ein Sender, ein Format die Eier in der Hose hat und Bilder von dort zeigt, von den

4.000 Hilflosen – 4.000 Vergessenen – 4.000 Geflüchteten

VIERTAUSEND MENSCHEN

und „meine“ Laura mittendrin, mit ihrem gigantischen Herz und der noch viel, viel größeren Seele, aber vor allen Dingen mit Menschlichkeit im Gepäck.

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