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Unfassbar

Vorwort:

Ich bin 51 Jahre alt und seit weit über 30 Jahren nicht nur politisch interessiert und aktiv, sondern auch „Freiwillige“. Nicht nur in meiner schulischen und beruflichen Vita gibt es Stationen sozialen und caritativen Schaffens, sondern auch und besonders in meiner Freizeit, habe ich mich stets mit Menschen für Menschen, vom Kleinkind, über Erwachsene bis hin zu Senioren engagiert, die in irgendeiner Art und Weise Hilfe bedürfen. Ich habe Kleinkinder auf einer Kinderkrebsstation bespaßt, habe aktiv die Tafel unterstützt, mich in ObdachlosenUnterkünften verdingt, bin als Schwesternhelferin, z.B. als „grüne Tante“ in Kliniken und Seniorenheimen  gewesen und habe in multikulturellen Einrichtungen geholfen. In allen Bereichen gab es gute und schlechte Zeiten, erlebte ich viel Herausragendes aber eben auch Kritikwürdiges. Doch das, was HelferInnen / Freiwillige / Ehrenamtliche sich hier im Landkreis Vorpommern-Greifswald mitunter bieten lassen müssen, nur weil sie berechtigte Kritik an Teilen der Verwaltung des Landkreises, bzw. deren Haltung oder Arbeit üben – das ist mir in der Tat noch nicht untergekommen, bestätigt und entsetzt gleichermaßen und stellt spätestens seit 2015 für mich persönlich eine komplett neue Herausforderung dar.

Richtigstellung nicht Rechtfertigung

Am 02. Dezember dieses Jahres war in unseren regionalen Medien (OZ und NK) die Erstellung des  Integrationskonzeptes des Landkreises Thema, nachdem sich die Beteiligten wenige Tage zuvor zur ZwischenKonferenz in Anklam trafen. Diese Berichterstattung entsprach nicht nur meinen Vorstellungen sondern bestätigte auch in Teilen meine Ahnungen. Doch das ist gerade nicht Thema. Mein Thema ist die Passage eines Interviews zur Konferenz und zum Konzept, das der Nordkurier mit dem Sozialdezernenten und 2. Beigeordneten der Landrätin, Dirk Scheer führte.

„Ja, da sind Proteste gesteuert worden. Das ging schon am zweiten Tag los, nach dem wir eine Notunterkunft errichtet haben. In dieser Hoch-Zeit im vergangenen Jahr war die Belastung psychisch und körperlich für alle Beteiligten enorm. Und einige Forderungen, die damals von Ehrenamtlichen kamen, konnte ich dann auch nicht ganz ernst nehmen.“

WTF???

Zunächst einmal bin ich sehr, sehr glücklich darüber, dass sich die Alternative Liste dieses Passus angenommen hat und neben mir auch anderen Betroffenen und HelferInnen die Möglichkeit zur Stellungnahme bot.
Gesteuerte Proteste

Parallel dazu führte ich bis heute unfassbar viele konstruktive Gespräche und diskutierte, ob und wie weiter mit dieser Aussage verfahren werden sollte. So wurde u.a. kritisch angemerkt, dass es keinen Sinn mache, sich immer und immer wieder zu rechtfertigen. Richtig, denn es gibt nichts, wozu ich mich, wozu sich auch nur eine Helferin oder ein Helfer, der damals in der Turnhalle aktiv war und heute noch aktiv ist, rechtfertigen müsste. Im Gegenteil.
Viel mehr sehe nicht nur ich die Notwendigkeit, die damalige Situation  dar- und besonders für den Sozialdezernenten richtig zu stellen. Was nun also folgt, ist eine Richtigstellung der Ereignisse vom 02. November 2015 aus meiner ganz persönlichen Sicht. Dem einzigen Protest, den es in dieser Form gab und für den sich die Freiwilligen vor Ort heute noch diffamieren und anfeinden lassen müssen.

RyckBlick auf den 2. November 2015

Am Mittag des 2. November 2015 wurde ich während der Arbeit von der Freiwilligen Oksana telefonisch über die Unruhen in der Turnhalle informiert und um Hilfe gebeten.

O: Die Jungs haben ihre Betten raus gebracht. Sie wollen streiken. Was sollen wir tun?
B: Wir können nichts tun. Das sind erwachsene Menschen. Klärt sie nochmals* über mögliche Konsequenzen auf. Sie sind frei und genießen hier in Deutschland Demonstrationsrecht.

021115-1

nochmals* – Die Helferschaft hatte in den Wochen zuvor bereits zwei, von den Syrern angedachte Demonstrationen, zu denen im Übrigen auch das Lakentransparent mit der Bitte um würdige Unterkunft in Wohnungen von zwei Syrern, die der deutschen Sprache schon ein wenig mächtig waren, erstellt wurde, in sachlichen Gesprächen abgewendet. Bei einem dieser Aufbegehren ging es um die nicht vorhandene Möglichkeit Wäsche zu waschen. Die Herren verfügten nur über das, was Sie am Leib trugen und ein paar weitere Einzelteilen, die sich allesamt nicht für die derzeit herrschenden empfindlich kalten Temperaturen eigneten. Ferner wurde den Menschen vom INTEG e.V. der Zugang zur vereinseigenen Kleiderkammer (die noch nicht perfekt eingerichtet, aber sehr gut gefüllt war) seinerzeit verweigert, so dass Freiwillige Einkäufe und Spenden organisierten, u.a. beim DRK Gahlkow, der sich sehr großzügig und kooperativ zeigte.

 

O: Auf uns hören sie nicht wirklich – kannst du kommen und dein Glück versuchen?

 

Etwa eine Stunde später war ich vor Ort, wie auch die OZ (wer diese informierte ist bis heute unklar. Den Syrern selbst sollten die Konsequenzen erst in den folgenden Tagen bewusst werden),  Redakteure des Webmoritz, diverse HelferInnen, der Sozialarbeiter und interessierte Menschen.
Da ich den Eindruck hatte, dass sich die Presse noch „umsah“ warnte ich die Geflüchteten davor, mit der OZ zu sprechen, da sie, in Form der anwesenden Personen, nicht auf deren Seite sei. Bereits im Vorfeld hatte sich die OZ durch ihre Flüchtlingsberichterstattungen als wenig objektiv und neutral bewiesen. Doch dieser Ratschlag kam leider zu spät, da bereits ein paar wenige Gespräche geführt wurden. Natürlich verzichtete die OZ u.a. darauf, die Geflüchteten zu fragen, ob und in welcher Form ihr Name abgedruckt werden darf. Ein Hinweis, den sie den Helfern nicht geben brauchte. Eine Reihe von Helfern verweigerten die Angabe ihres Namens und mussten sich von der OZ-Mitarbeiterin mehr als unprofessionell dafür beschimpfen lassen. Selbst der eindeutige Verweis darauf, dass man zum Schutz der eigenen Person, der Geflüchteten UND des Areals Turnhalle keine Namen nennen wollte, überzeugte die OZ nicht. Im Gegenteil – wie sich aus der späteren Berichterstattung erlesen lässt. Diese Berichterstattung war es dann auch, die der WebMoritz zum Thema machte:

Berichterstattung Fatale

halle1Doch was eigentlich genau passierte, sollte auch ich erst nach vielen Fragen in Erfahrung bringen. Laut Aussagen der HelferInnen vor Ort, an denen ich nicht den geringsten Zweifel hege, wurde wie jeden Tag zu Mittag gegessen und anschließend gemeinsam gespielt, sich unterhalten und gelernt, als  zwei der Geflüchteten begannen ihre Betten zusammenzupacken, auf arabisch ein paar Worte mit den anderen Menschen zu wechseln und die Turnhalle in Richtung Sportplatz zu verlassen.

Im weiteren Verlauf baten verschiedenste Syrer immer wieder darum, mit einem Verantwortlichen des Landkreises und / oder der Stadt sprechen zu können. Sie erwogen sogar, mit ihren Betten weiter zum Rathaus zu ziehen und dort zu demonstrieren, um sich Gehör zu verschaffen. Dies wurde dank intensiver Gespräche und der Einflussnahme von HelferInnen und der Integrationsbeauftragten der Stadt (die sich dankenswerter Weise den Gesprächen stellte) verhindert.

021115-2Schnell wurde klar, um was es den Menschen auf dem Sportplatz vor der Turnhalle ging.
Hier ein paar Statements der Geflüchteten seinerzeit, die ich während der Gespräche zwischen ihnen und mir /uns erfasst habe. Die Namen sind vereinheitlicht, da u.U. aus vergangener Berichterstattung Rückschlüsse gezogen werden könnten. Keiner der damals falsch „Zitierten“ dachte, dass sein Name vollständig veröffentlicht würde und war im Nachhinein mehr als verärgert über die Darstellung der OZ. Für 7 der 8 hier zitierten Menschen, war die Unterbringung in der Turnhalle, sowie der spätere Umgang mit ihnen, z.B. im Integrationsbüro, Grund genug, mit ihrer Anerkennung nicht nur die Stadt, sondern den Landkreis und / oder MV zu verlassen. So habe ich auch keine Möglichkeit mehr, sie zu fragen, ob sie vielleicht jetzt mit ihrer Namensnennung heute einverstanden wären.

Ahmat1: Wir werden seit Wochen von einem Camp ins nächste gebracht. Man sagte uns, wir wären nur ein paar Tage hier. Wir sind dankbar, dass ihr uns helft und jeden Tag kommt. Aber so wollen wir das nicht mehr. Wer ist verantwortlich? Wir wollen die Verantwortlichen sprechen.
Ahmat2: Eine Woche haben sie gesagt, dann bekommen wir eigene Zimmer. Wir können nicht schlafen, nicht denken, nicht lernen. Wir werden alle krank.
Ahmat3: Die Zeitungsfrau fragt nach dem Essen. Als wäre Essen das Problem. Wir fühlen uns hier wie Vieh.
Ahmat4: Wir wollen nicht den Freiwilligen Probleme bereiten. Aber wir möchten über unser Problem sprechen. Die Freiwilligen können das Problem nicht lösen.
Ahmat5: Wir bleiben so lange hier, bis jemand mit uns spricht, der etwas zu sagen hat. Auch über Nacht.
Ahmat6: Gib mir ein Zimmer, gib mir eine Wohnung, dann gehe ich sofort weg von hier. Sie haben versprochen es dauert nur vielleicht eine Woche.
Ahmat7: Ich bin krank. Ich brauche Ruhe. Mit so vielen ist das Stress. Das ist nicht gut für mich.
Ahmat8: Ich schlafe hier draußen. Dann werde ich krank und komme in ein Krankenhaus. Besser mit 4 anderen in einem Zimmer als mit 50.

Indes wurde unter den Helfern der Verdacht geäußert, dass sich die OZ telefonisch mit Dirk Scheer über die Berichterstattung besprochen hätte. Dies führte wiederum zu  Aufregung und zu einem Gespräch zwischen der Mitarbeiterin der OZ, sowie der Integrationsbeauftragten, der VoSi, und den anwesenden Herren Kochhan und Aydin.

Derweil wurden in der INTEG Gruppe, u.a. von zwei Personen aus dem Vorstand des Vereins, Statements zu der Situation, der sie sich selbst entzogen, gepostet. Dies bewog einige der Mitglieder und Aktiven des Vereins, diesem den Rücken zu kehren, ihre Tätigkeit für den Verein per sofort einzustellen und die Mitgliedschaft zu beenden.

Es wurde dunkel, richtig kalt und begann zu regnen – doch die Herren harrten draußen aus. Einige Helfer solidarisierten sich und leisteten Gesellschaft, suchten immer wieder das Gespräch, um die Situation zu beenden. Andere versuchten die wenigen in der Halle zu bewegen, auf ihre „Kollegen“ Einfluss zu nehmen. Schließlich war es Herr Aydin, der bei den Geflüchteten als Respektperson gilt, der den Menschen zuhörte, mit ihnen diskutierte und sie mit einem Versprechen dazu bewegte, in die Halle zurückzukehren. Er versprach, sich  persönlich für sie und ein Ende der Turnhallenzeit, zumindest aber ein Gespräch mit der Landkreisverwaltung  oder eine klare Terminansage des Landkreises bis zum Ende der Woche, einzusetzen.

Am Tag darauf besuchte die OZ im Auftrag von Herrn Scheer (so ihre Aussage gegenüber dem Sozialarbeiter und mir) nochmals die Turnhalle und setzte der Berichterstattung des Vortags noch ein Krönchen auf. Da die Syrer über den ersten Artikel nicht sonderlich begeistert waren, verweigerten sie sich natürlich jedem weiteren Gespräch, woraufhin der zweite Artikel anhand der Namen, die vom Vortag bekannt waren zusammengeschrieben wurde.

Soviel zu dem, was der Sozialdezernent Scheer als „gesteuerte Proteste“ bezeichnet. Meine Fragen zu seiner Äußerung über die nicht ernstzunehmenden Forderungen, möchte ich natürlich auch hier wiederholen. Von welchem der Wünsche sprechen Sie? Den Wunsch nach Privatsphäre? Den Wunsch nach einem Ort, an dem sich Menschen zurückziehen können, nachdem sie ewig lang auf der Flucht waren? Den Wunsch nach der Möglichkeit, nach mehreren Wochen in den gleichen Klamotten, einmal vernünftig waschen zu dürfen? Ganz zu schweigen von dem Wunsch, dass man sich seitens der Verwaltung mit den Menschen unterhält und nicht über sie urteilt, sie verurteilt und sie offensichtlich umgeht. Hält Dirk Scheer unter anderem den Wunsch nach persönlicher Kommunikation (er hätte nicht einmal selbst erscheinen müssen, sondern eine Vertretung schicken können) für eine nicht ernstzunehmende Forderung? Konstruktiver Austausch über die Möglichkeiten menschenwürdiger Unterbringung – eine nicht ernstzunehmende Forderung?

Was mich persönlich aber fast noch mehr interessiert  –  Wie geht diese Haltung überein mit der Integration der Menschen in der GU Brandteichstraße, vor allem wenn diese komplett belegt ist und dem gerade entstehenden Integrationskonzept? An beidem möchten sich viele Freiwillige / HelferInnen / Ehrenamtliche beteiligen, ihre Ideen, Visionen, Wünsche und ja, in der Tat auch Forderungen einbringen.

UPDATE 05.12.2016 – Die Alternative Liste veröffentlicht weitere Statements

 

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Zeit der RyckBlicke – Abgezockt & Ausgenutzt

Offene Fragen aus dem Landkreis der Mauschler & Klüngler oder Was wurde eigentlich aus …?

nobodykehrsFür Freiwillige und HelferInnen der Geflüchtetenhilfe gab es in diesem Jahr ein Thema, das allerorts und immer wieder zu Diskussionen führte, an deren Enden in der Regel ein großes Fragezeichen seinen Platz fand.

Was ist eigentlich aus dem Beschwerdekatalog über den Integrationsbeauftragten unseres Landkreises geworden?

Im Sommer 2015 zunächst noch in aller Munde und mittlerweile unter dem Teppich des Landkreises? Warum gibt es immer noch keine befriedigenden, richtigstellenden und klärenden Antworten auf die vielen Fragen, Stellungnahmen zu den Beschwerden und Anschuldigungen, die sich bis zum heutigen Tag mehren?
Seinerzeit gelangten teils massive Beschwerden von Geflüchteten und Migranten ans Tageslicht, die sich in ihrer Gesamtheit um den Integrationsbeauftragten des Landkreises und seine diversen, für den Otto-Normal-Bürger nicht wirklich durchschaubaren Tätigkeitsfelder, Zuständigkeiten und „Pöstchen“ rankten (Integrationsbeauftragter, Betreuer dezentral untergebrachter Asylbewerber, Dolmetscher, Vorstand des Integrationsvereines, Stellvertreter des Ausschussvorsitzenden für Sport, Soziales und Jugend in der Bürgerschaft, Geschäftsführer (?) Gesundheitstourismus A.G. Med * etc.). Der Leser mag sich gerne verschiedene Szenarien ausmalen, in denen sich ein dezentral untergebrachter Geflüchtete über „etwas beschweren“ möchte, was seine Versorgung oder Betreuung betrifft.
Damals rauschte es nur so im regionalen und überregionalen Blätterwald. Die Folge sind bis heute diverse Strafanzeigen gegen jene, die sich über die Monate hinweg kritisch mit der Integrationsarbeit im Landkreis auseinandersetzten, die Aussage unserer Landrätin, dass Al Najjar über alle Zweifel erhaben und das Gesicht der Integration sei. Und auch seitens des Sozialdezernenten Scheer, des Sozialamtleiters Hamm und anderen Vertretern des Landkreises, werden Nachfragen und Klärungsversuche schlichtweg nicht zugelassen. Parallel dazu könnte sich eventuell, vielleicht das Gefühl in der Öffentlichkeit breit machen, dass man versucht, bestimmten Menschen in der Geflüchteten- und Integrationsarbeit ihren Einsatz so schwer wie möglich bis hin zu unmöglich zu machen, damit sie erst gar keine Fragen stellen?  FunFact am Rande, die Koalitionen aus Landkreis, Politik und Vereinen, die sich hierzu im letzten Jahr gefunden haben.

 

Doch was war dran, an den Vorwürfen und Beschwerden?

Hier hüllt sich der Landkreis in das Korsett des Schweigens, welches so stramm gebunden ist, dass selbst gleichlautende oder weitere Anschuldigungen und Beschwerden, die nach der Berichterstattung bekannt werden, erst gar kein Gehör finden – ebenso wenig, wie die, die es betrifft. Statt sich mit den Menschen persönlich in einem Gespräch auseinanderzusetzen, (laut LK gibt es keine Veranlassung mit den Geflüchteten zu sprechen) und dabei vielleicht sogar Missverständnisse auszuräumen, so es sich denn um Missverständnisse handelt, wird der Asylbewerber als undankbar, fordernd und integrationsunwillig, wenn nicht sogar -verweigernd dargestellt. Ich möchte ja gar nicht behaupten, dass dies in einzelnen Fällen nicht zuträfe. Sicher gibt es in der Reihe von Anschuldigungen und Beschwerden auch Punkte, die gar nicht in die Zuständigkeit AlNajjars oder des Landkreises fallen. Andererseits gab es in dem Beschwerdekatalog aus 2015 und gibt es bis heute Vorfälle und Vorgehensweisen, die nicht nur hinterfragt, sondern unbedingt geklärt gehören. Damals wie heute gibt es zu diesen Geschehnissen Menschen, nicht nur aus dem für den Landkreis so leidigen „HelferInnenkreis“, sondern teilweise aus öffentlichen Institutionen und Einrichtungen, welche Beschwerden und Anschuldigungen bestätigen oder bezeugen, bzw. aus dem eigenen Erleben in Kooperationen und Netzwerken, mit eigenen Eindrücken und Wahrnehmungen im Bezug auf die „Zusammenarbeit“ beitragen können. Denn eines der größten Missverständnisse scheint zu sein, dass dieser Beschwerdekatalog einzig die Vorwürfe Geflüchteter beinhaltet.

Was meint ihr? Passiert hier noch irgendwas, erfährt der interessierte Bürger noch etwas oder wird gekehrt, bis der Teppich Dünenlandschaften ausbildet? Werden hier noch Konsequenzen gezogen und wie sehen diese aus? Übernimmt noch jemand Verantwortung?

Und was ist dran an der aktuellen Gerüchteküche?

Initialzündung für diesen besonderen RyckBlick war für mich die Gerüchteküche, die gerade im Landkreis Temperatur aufnimmt und zu brodeln beginnt. Ein Gerücht, das sich bis in die niederen Auen der HelferInnenLandschaft gerade herumspricht, lässt mich, im Bezug auf alle offenen Fragen aus der obigen Ryckschau, sehr nachdenklich werden. Was ist dran an dem Gerücht, dass die Stelle des ehrenamtlichen Integrationsbeauftragen in eine hauptamtliche Stelle umgemünzt werden soll, da die Stelle „Betreuung dezentral untergebrachter Geflüchtete“ auf Grund der zentralen Unterbringung in der Stadtrandsiedlung zukünftig wegfiele?** Eine Entwicklung, die ich im Bezug auf die Stelle persönlich sehr begrüßen würde, da ich mir schon seit eineinhalb Jahren den Mund darüber fusselig rede, dass eine solche Arbeit ehrenamtlich und alleine überhaupt nicht zu leisten ist. Für einen Landkreis unserer Größe, bedarf es meiner Meinung nach mindestens zwei hauptamtlicher Integrationsbeauftragte – und zwar eine Frau und einen Mann. Doch damit alleine ist das Gerücht noch nicht aus der Küche und auf dem Teller. Es geistert nämlich noch eine weiterführende Frage, durch die unendlichen Weiten unseres Landkreises: Was ist dran an dem Gerücht, dass eine potentielle Stelle eines/r hauptamtlichen Integrationsbeauftragten, bereits mit dem derzeitigen Integrationsbeauftragten als besetzt gelte?

Ich für meinen Teil freue mich auf die Kleinen Anfragen rund um dieses Gerücht, wer sie stellt und ob der mutmaßlichen Besetzung einer mutmaßlich hauptamtlichen Stelle eines Integrationsbeauftragten des Landkreises genauso viel Beachtung geschenkt wird, wie der Besetzung einer BFD-Stelle in der Greifswalder Verwaltung.

* Aktuell findet sich in den Kopfzeilen von Informationsblättern aus dem Büro des Integrationsbeauftragten, der Hinweis auf einen Deutsch-Arabische-Medizinische Gesellschaft e.V. im Zusammenhang mit der Betreuung dezentral untergebrachter Geflüchteter. Dahingehende Recherchen irritieren erheblich und initiieren weitere Fragen.
** Über das Vorgehen, wie die GU in der Brandteichstraße mit Leben gefüllt und mit den Menschen, die dort hin umgezogen werden sollen, umgegangen wird, gibt es vielleicht, bestimmt zeitnah einen gesonderten Artikel. 

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr

Vor wenigen Wochen verfasste ich ein „Wort zum Sonntag“, das von der Facebook-Gruppe „Was Greifswald bewegt“ unter der aktuellen Administration von Christian U. Miraß und Michael Effenberger handelte. Eine Gruppe mit 2.347 Mitgliedern, die sich vor einigen Jahren gründete, um allen GreifswalderInnen eine Austauschplattform für Greifswalder, bzw. regionale Belange zu bieten. Nun entwickelte sich diese Plattform in den letzten Jahren nicht unbedingt zu ihrem Vorteil, was viele GreifswalderInnen bereits dazu veranlasste, die Gruppe zu verlassen. Interne Querelen, AdministratorInnenwechsel, persönliche Beleidigungen, Hetzen, Verletzungen von Urheber- und Persönlichkeitsrechten, der Missbrauch der Gruppe als „AfD-Wahlkampf-Büro“, sowie der, nicht nur meiner Meinung nach, derweil vollzogene Umzug nach rechts könnten Gründe dafür sein. Derzeit vertreten in dieser Gruppe, die eigentlich einen Querschnitt durch alle gesellschaftlichen Schichten der Stadt präsentiert, einzig Personen „ihre Meinung“ oder beteiligen sich an oben genannten Handlungen, die mich in der Tat in Sorge versetzen. Dies sind Personen, die in ihrem realen Leben, abgesehen von einem Herrn mit schwerst psychischer Indikation, der seit Jahren keiner geregelten Arbeit nachgeht, RechtsanwältInnen, BusfahrerInnen, vom Gericht bestellte BetreuerInnen und Private ArbeitsvermittlerInnen, StudentInnen, BeamtInnen, Selbstständige, Arbeitsuchende, Angestellte, PolitikerInnen, AutorInnen etc. sind. Alleine die Vorstellung, einer dieser Personen ausgeliefert sein, von deren Dienstleistungen abhängig sein zu müssen, lässt es mir eiskalt den Rücken herunterlaufen und ich könnte mich, glaube ich noch ganz gut wehren. Und als Freunde, wenn auch nur als „Facebook-Freunde“, möchte ich solche MeinungsvertreterInnen auch nicht wissen. Wer solche Freunde hat, und sei es nur in sozialen Netzwerken, braucht keine Feinde mehr. Mit ein Grund, meine Freundesliste immer mal wieder auf Besorgte, Populisten, *Gidaisten, Rechte, Nazis, VerschwörungstheoretikerInnen etc. zu prüfen und entsprechend einzukürzen.

Warum so viele Worte heute? Ich möchte Freunden von mir (die, überwiegend auch im realen Leben sehr liebenswerte Freunde und Begleiter für mich sind und nicht nur FB-Buddies) an einem aktuellen Beispiel zeigen, womit ihre Freunde sich die Zeit vertreiben.

Gestern am späteren Abend veröffentlichte ich eine Statusmeldung darüber, dass mir gestern eine für mich nicht unerhebliche Menge Geld gestohlen wurde. Diese veröffentlichte ich dreisprachig, da ich den kompletten Tag mit vielen unterschiedlichen Menschen an gleichen verschiedenen Orten verbrachte und ich ihnen damit die Möglichkeit geben wollte, ihre eigenen Geldbörsen und Taschen auf einen Diebstahl zu kontrollieren.

Keine zwei Stunden später, fühlte sich Michael Effenberger bemüßigt, diese Statusmeldung in der Gruppe zu teilen und mit seinen ganz eigenen Worten zur Diskussion zu stellen.

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Über den Text Effenbergers, möchte ich hier gar keine weiteren Worte verlieren, der Leser darf sich gerne seine eigenen Gedanken dazu machen. Der weitere Diskussionsverlauf liest sich ähnlich interessant und liegt mir natürlich vor. Stefan Fielitz, Christian U. Miraß, Martin Franke, Vadim Schwarz, Kristian Schmidt, Grit Wuschek, Martin Ewert, Torti Lenz, Torsten Schulz, Daniel Wankammer, Michael Bertram, Christine Kreissig, Marcel Hitch, Michael Effenberger u.a. hatten ihre große Freude daran, sich auf meine Kosten auf widerlichste Art und Weise ihre Langeweile zu vertreiben und dies nicht nur im Bezug auf meinen Statusbeitrag, sondern es wurden bis heute Früh unterschiedliche Bilder von mir in die Diskussion gepostet und ähnlich widerlich kommentiert. Und auch vor Menschen, die diese Form des „Meinungsaustausches“ kritisierten oder anprangerten, machten die Bewegten keinen Halt.

Nun bin ich es fast schon gewohnt, mit anderen aus meinem Umfeld, der Bewegten und am eigenen Leben Gelangweilten Lieblingsthema zu sein, in abstrusesten Zusammenhängen verlinkt zu werden. Doch wenn ich mir die Freundesschnittmenge alleine von Michael Effenberger und mir anschaue – oder eben dieser Gruppe und mir, dann frage ich mich, ob die mir liebgewordenen Menschen aus meinem Umfeld, meine Freunde, die in Teilen viel mehr zu verlieren haben als ich (man bedenke, dass das Liken von AfDvertretern Karrieren kosten kann) verfolgen und darum wissen, was „ihre Freunde“ so treiben?

Also liebe Freunde – Augen auf beim Freundschaftsklick. Wer weiß, welche Geschichten von euch erfunden werden, was man euch irgendwann einmal andichten möchte und, wie weit, die anfeindenden, diffamierenden, kriminellen Energien noch gehen, wenn sich die Damen und Herren wieder einmal an einem Sonntag Abend langweilen.

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Medizynische Rehabilitation und Integration

Liebe Menschen,

nachdem ich im vorvergangenen Jahr einen großen Teil meines Krankenhausaufenthalts einem Auftraggeber vom Krankenbett aus „gefällig war“ und sogar meine Reha entsprechend organisierte, sie ambulant absolvierte, um für dieses Haus nach Krankengymnastik und Fango, noch die Büroorganisation zu sichern, werde ich es dieses Jahr anders angehen. Ich nehme mir die Zeit für mich, meine Gesundheit und damit auch für die Menschen, die mir so unfassbar wichtig sind.

So packe ich gerade meine Krankenhaustasche und neben ausreichend Klamotten zum Wechseln, Hygieneartikeln und meinem Kuschelbären eine große Kladde und meinen Federhalter für die kommenden 8-10 Tage. Anschließend geht es nochmal für knapp eine Woche nach Hause und dann in Reha für mindestens 3 Wochen. Zur Belohnung wartet am Ende der Rekonvaleszenz eine Tätigkeit im Bundesfreiwilligendienst auf mich, die sich erfreulicher Weise mit Geflüchteten beschäftigen wird.

lebenNeben Krankengymnastik, Physio und Mobilitätstrainig, setze ich mich mit Kladde und Federhalter in die prachtvolle Parkanlage oder an den Strand und schreibe meinen Teil „unserer Integrationsgeschichten“, die Laura Schröder und ich zu erzählen haben. Laura selbst bringt bereits fleißig ihre Texte mit viel Leidenschaft zu Papier und ich hoffe, dass wir unsere beiden Teile dann zum Sommerende zusammenführen und überlegen können, in welcher Form genau das Leben für und mit Geflüchteten in unserem Landkreis zum Nachlesen und Nachdenken erscheinen wird. So aktiv Politik, Quadriga und deren  Marionetten damit beschäftigt sind sich in Grabenkämpfen zu ergehen, wichtige Ausschüsse zu BlogVorlese-Stunden zu missbrauchen, aus freiwilligen Helfern Feindbilder zu malen, die dann in neuen Unterkünften ausgehangen werden sollen  – und über, statt mit Menschen zu reden, sie zu diffamieren und ihnen Steine im besten Fall nur in den Weg zu legen, ist zur Zeit vom Sachbuch über Belletristik bis hin zur Enzyklopädie in der Tat alles möglich. Wir arbeiten an Lach- und Sachgeschichten ebenso, wie an Protokollen der Unmenschlichkeit, es gibt so ziemlich alles zwischen Berührend und Entsetzlich zu erzählen. Und nahezu täglich kommen neue Geschichten hinzu, gibt es neue Denkanstöße und weiteres Versagen. Die unendliche Geschichte der Integration?

So melde ich mich ab und wünsche euch einen schönen Start in den Sommer.

Ein herzliches AufWiederLesen

euer leuchtstürmischer, polarisierend politisch aktiver, linksgrünversiffter und je nach Standpunkt recht extrem linker Gutmensch

bigi

 

 

 

 

 

Der Landkreis und seine Lei – D – kultur der Integration

Ich erwähnte ja bereits mehrfach, dass „Haltung“, „Statements“ und die Kleinen Anfragen von Herrn Axel Hochschild, sowie die Kommentare anderer sogenannter Verantwortlicher der Flüchtlingssituation im Landkreis – die sich vermeintlich mit meiner Personalie, wohl aber dann doch eher einfach nur mit meiner Person beschäftigten, zu einem wesentlichen und wie nicht nur ich finde, sehr positivem Ergebnis führte –

das Thema Integration wurde in den Fokus gerückt

Gerade die geschickten Fragestellungen seitens Herrn Hochschild „und“ der **U-Bürgerschaftsfraktion führten dazu, dass Geflüchtete, Helfer und natürlich auch ich weiter befragt wurden und uns so die Möglichkeit geboten wurde, mit der einen oder anderen Unterstellung und dem einen oder anderen Gerücht „aufzuräumen“. So zeigt sich der eine oder andere ehemalige Bewohner der Notunterkunft Sporthalle Feldstraße im besten Falle entrüstet darüber, dass den Geflüchteten seitens der Herren AlNajjar, Scheer, Hamm etc., Herren, die noch nie ein persönliches Wort  mit ihnen wechselten und auch damals zu keinerlei Gespräch zur Verfügung standen, immer noch nachgesagt wird, dass sie sich hätten von den HelferInnen instrumentalisieren und zur Demonstration „anstacheln“ lassen. Ganz davon zu schweigen, wie es bei einigen der Geflüchteten ankommt, dass „ihre Mama bigi“ in diesem Zusammenhang besonders gerne von diesen Herren in den Mittelpunkt gerückt wird? Ist es nicht verständlich, dass dies ziemlich an der syrischen Ehre kratzt, besonders im Hinblick darauf, dass sich im Kreise besagter Herren ein Landsmann befindet, der selbst vor über 25 Jahren mit einer ganz anderen Intention nach Deutschland kam? Wie sollen sie diesen Landsmann verstehen und respektieren,  vereint er für die Geflüchteten doch so all jene Eigenschaften in sich, an welchen Rechtspopulisten & Co. den „Wirtschaftsflüchtling“ festmachen? Wäre dieser Landsmann heute, nicht allein bedingt dieses Migrationshintergrunds, nicht ganz vorne in Rostock-Laage mit dabei? Schleuser und sogenannte Flucht-Broker werden gemeinhin verurteilt – wieso nicht jene Personen, die vor unseren Türen mit Kriegsgeflüchteten nicht nur ein Geschäft machen, sondern eben auch noch vielleicht mutmaßlich Geschäfte machen?

Auf Fragen folgen Erfahrensberichte und Erzählungen

Ein weiteres Ergebnis der letzten Wochen sind so manche Beiträge und Erzählungen von Geflüchteten, die von ihren Erfahrungen im Landkreis im Allgemeinen und den mutmaßlichen Verantwortlichen im Besonderen berichten und die sicher in nächster Zeit ihren Weg in die Öffentlichkeit finden werden.

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Die Menschen im Hafen von Piräus…

klingt nach der ersten Zeile eines Schlagers von vielleicht Lena Valaitis oder Costa Cordalis, ist aber ein Einblick in die Arbeit der freiwilligen HelferInnen. Lauri van Tatze gewährt uns diesen Einblick, mit ihren ganz eigenen Worten und Gefühlen.

Liebe Lauri, ich bin enorm glycklich, dass du  gesund wieder hier bei uns bist. Vielen, vielen Dank für dein Vertrauen, deine Sicht der Dinge und dass du uns hier im SynchronUniversum teilhaben lässt, an eurem unfassbaren Einsatz für die Menschlichkeit.

Hearts and elbows…

Wie angekündigt, möchte ich gern ein paar Sätze über unsere schicksalshaften Begegnungen sagen. Wir haben uns viel mit den Menschen unterhalten und haben unser eigenes Leben zu schätzen gelernt. Sobald man nach einer Ehefrau, einem Ehemann, Geschwistern oder Eltern fragte, bekam man viel zu oft einen Finger zu sehen, der in den Himmel zeigte mit der Antwort „in heaven“.

Besonders hat mich die Geschichte von Armani berührt. Armani arbeitet bei uns als „refugee volunteer“. Er singt immer sehr viel und wenn er singt und Musik hört, dann ist er immer in seiner eigenen Welt. Er ist dann immer richtig abwesend. Armani ist ein herzensguter Mensch, er verteilt viel Liebe und strahlt ein unglaublich ruhiges Wesen aus. In Griechenland wurde vor kurzem Ostern gefeiert mit Feuerwerk. Armani erzählte uns, dass er Feuerwerk liebte, bis sich „Feuerwerk“ für immer als Verbindung mit „Tod“ in sein Hirn brannte. Armani ist allein in Griechenland. Er zeigt mir immer wieder Fotos von seiner Frau. Sie ist tot. Fast alle sind tot. Seine Geschwister, seine Eltern, seine Frau, seine Kinder. Alle sind „in heaven“, ermordet von der Taliban in einer Silvesternacht. Armani hat nur überlebt, weil er zu diesem Zeitpunkt im Krankenhaus war. Aus seinen Augen spricht so viel Traurigkeit. Er kümmert sich immer so wundervoll um uns und erweist uns zu jeder Zeit enorm viel Respekt. Armani ist es auch, der als erstes weinen musste, als wir uns verabschiedeten.

Ich werde in den weiteren Fällen auf Namen verzichten. Die Geschichten sprechen für sich.

Ein weiterer „Refugee volunteer“ stammt aus Afghanistan. Auch er erzählt uns viel von der Taliban und welche Orte am gefährlichsten sind. Auch er erzählt uns vom Himmel und seinem Bruder. Dieser hatte keine Chance mehr zu fliehen, denn er wurde erhängt. Der Tod spielt in vielen Köpfen eine Rolle. Wir haben so verdammt viele alleinerziehende Menschen getroffen, deren Ehepartner einfach nicht mehr am Leben ist.

lauriIch saß an einem Tag lange mit einem Syrer am Hafen in der Sonne und habe mich unterhalten. Wir sprachen über Träume und Hoffnungen und unsere Vergangenheiten. Er erzählte mir von seinem Job, seinem Haus, seinen Freunden, seinem Leben vor der Flucht. Auch von ihm bekomme ich sehr oft einen Fingerzeig in den Himmel.

Wir haben auch eine Iranerin kennengelernt. Sie spielte im iranischen Fußballnationalteam. Sie erzählt uns viel davon. Sie ist mit ihrer Schwester hier. Ihre Mutter lebt nicht mehr und für ihren Vater hat das Geld für die Flucht nicht gereicht. Er hat sie auf die Flucht geschickt, als vor ihnen eine Autobombe hochging und sie dies fast mit ihrem Leben bezahlt hätten.

Wir kommen mit einem weiteren Syrer ins Gespräch, den wir kennenlernten, als Geflüchtete auf dem Boden um Orangen kämpften. Birgit und ich unterhielten uns über diese Situation und der Syrer kam auf uns zu und sagte: „Schlimm, oder?“. Ja, er sprach tatsächlich deutsch. Unglaublich. Wir kommen ins Gespräch, er erzählt uns, dass er zehn Jahre in Deutschland gelebt hat. Sein Großvater wollte aber wieder zurück in die Heimat und so ging die gesamte Familie wieder fort. Nun ist er Flüchtling. Er ist allein mit seinen beiden Kindern hier in Piraeus gestrandet. Er kann uns viel von den Schleusern berichten und wie man es über die Grenzen schafft. Er erzählt uns auch, dass er mit dem Boot kam. 46 Erwachsene und 15 Kinder in einem Boot, welches eigentlich für 15 Personen insgesamt ausgelegt war. Mitte im Meer sei dann aber der Motor ausgefallen und wollte nicht wieder anspringen. Er erzählte dann, dass jeder im Boot anfing zu beten. Er lachte, er fand es witzig, dass in der Not Christen und Muslime zusammen sitzen und jeder seinen Gott anbetete. Mir war allerdings gar nicht zum lachen dabei. Er erzählte uns auch, wie alle zusammen sangen und sich freuten, als der Motor endlich wieder ansprang. An der Küste zerschellte dann sein Boot, weil es gegen einen Felsen prallte.

Dies alles sind Beispiele für den Background der Geflüchteten. Unserer Syrer sagt uns, dass es in diesem Camp einfach keine Hoffnung gebe. Keiner wisse, wie es weitergeht. In Griechenland hat man genau einen Weg, um einen Termin für den Asylantrag zu bekommen: 3h pro Woche via Skype. Dies gilt für alle Flüchtlinge hier. 3H Pro Woche für tausende Menschen. Das ist unmöglich machbar. Unser Syrer sagt, dass die Leute verrückt werden, weil viele Hunger haben. Er äußerte: „In Syrien stirbt man genau ein Mal, hier stirbt man vier bis fünf Mal am Tag.“.

Und wieder fange ich an mich zu schämen. Ich schäme mich für das Handeln Europas, ich schäme mich, dass die EU Deals mit der Türkei macht. Ich schäme mich Teil dieses Systems zu sein. Die Menschen werden hier seitens der Regierung unter massiven Druck gesetzt, damit sie das Camp freiwillig verlassen, aber wo sollen sie hin? Diese sogenannte „Krise“ hat sich Europa selbst geschaffen. Wir haben kein Flüchtlingsproblem. Europa ist das Problem selbst. Keines dieser Camps wäre nötig, wenn Europa Stärke und Zusammenhalt gezeigt hätte oder sich einfach nur an die Menschenrechte halten würde. Nichts davon ist hier zu sehen. Die Menschen hier verlieren ihre Hoffnung, aber sie bedanken sich immer und immer wieder bei uns, dass wir für sie da sind und ihnen helfen.

Dank des freundlichen Verlinkens meiner Person, habe ich gesehen, dass meine Texte in verschiedenen Facebookgruppen verwendet wurden und ich habe dazu auch was zu sagen:

Schämt euch! Schämt euch, dass ihr meine Texte, die Kopien einzelner Negativsätze aus dem Zusammenhang gerissen habt und für eure Propaganda gegen Flüchtlinge missbraucht.

Ich habe immer wieder betont, dass wir sehr gesittete und freundliche Flüchtlinge erlebt haben, weil es genau so auch war. Alles, was mit Verteilungen zu tun hatte (egal ob Kleidung oder Nahrung), stellte Ausnahmesituationen dar. Dieses Verhalten wird durch die von der Regierung geschaffenen Lebensumstände hervorgerufen und ist nicht Teil einer arabischen Kultur!

01052016-3Der Hafen von Piräus ist ein Ort der Verlassenen und Hoffnungslosen. Viele Menschen leben seit mindestens 2-3 Monaten im Camp, schlafen im Zelt auf Betonboden, wenn man denn ein Zelt hat. Einige Familien schlafen einfach so auf dem Boden und haben sich aus Decken ein Dach gebaut. 3 Monate auf Betonboden mit tausenden anderen. Wann soll man da zur Ruhe kommen? Des Weiteren wird bewusst zu wenig Essen geliefert. Wir bekamen 1.200 abgepackte Mahlzeiten für mindestens 1.400 Menschen. Jedes Mal gab es Leute, die nichts zu Essen bekamen. Tagelang gab es keine Trinkwasserlieferung, weil Wasser von Spenden finanziert wird. Tagelang blieben Kleiderspenden aus und es gibt Menschen, die fast 2 Wochen lang dieselbe Kleidung tragen mussten, weil sie nur die Kleidung hatten, die sie am Körper trugen und sie bei der Kleiderverteilung nicht rankamen.

All das zusammen, lässt Menschen verrückt werden. Fehlende Ruhe und Hunger allein über einen längeren Zeitraum können einem den Verstand rauben. Dazu kommen die schlechten hygienischen Bedingungen: sämtliche Hygieneprodukte gibt es nur, wenn es genug Spenden gibt, Wasser gibt es nur in kalt.

Und ihr erklärt im Internet wie schlimm es mit Flüchtlingen ist? IHR seid schlimm. Ihr seid die zersetzenden Geschöpfe unserer Gesellschaft. Euer Hass und Neid und eure Missgunst führen uns in den Abgrund und werden euer hoch gelobtes Abendland, welches ihr nicht mal definieren könnt, in die Knie zwingen. Ihr nehmt euch die Frechheit heraus über Menschen zu urteilen, denen ihr niemals eine Chance gegeben habt selbst etwas zu sagen. Ihr glaubt, dass ihr etwas Besseres seid, weil ihr einfach nur Glück hattet in Deutschland geboren zu sein. Ihr faselt von christlichen Werten, dabei seid ihr schlichtweg Rassisten. Liebe deinen Nächsten? Wie war das noch gleich? Vatertag… ist eigentlich Christi Himmelfahrt… was passierte da nochmal… Jesus säuft sich mit Gott die Hucke voll oder so? In einer Welt voller Ellenbogen ist für ein Herz kein Platz und ihr seid die Ellenbogen, die nur sich selbst sehen. Ihr habt rein gar nichts mit christlichen Werten gemein. Und eines haben alle freiwilligen Helfer euch voraus: wir haben die Erfahrungen gemacht, persönlich. Wir sind mit den Menschen direkt in Kontakt getreten und wir haben durchaus Ursachen erkannt, ihr seid einfach nur feige. Ihr wollt euch als starke Masse profilieren, dabei seid ihr nur schwache Gestalten. Gier, Geiz, Neid und Zorn gehören übrigens allesamt zu den Todsünden, aber vermutlich ist das schon wieder zu christlich für die christlich besorgten Bürger?

Bilder & Text ©Lauri van Tatze, April/Mai 2016

Eigentlich hab ich Fragen… stattdessen Helferbericht III – Piräus im Mai 2016

Vorgestern wurden wir von einem Freund auf weitere syrische Menschen aufmerksam gemacht, die seit wenigen Tagen in Greifswald „untergebracht“ sind und… muss ich es wirklich noch sagen? Da mein Terminkalender bis heute gefüllt und auch mein Schatz ziemlich eingebunden war, baten wir einen befreundeten Helfer sich im Rahmen der menschlichen ErstHelferGeflüchtetenHilfe zu kümmern. Er sprang sofort in sein Auto und leistete eine erste praktische und menschliche Notversorgung. Heute besuchten dann wir diese Menschen in ihrer „Unterkunft“ zum ersten Kennenlernen. Für diesen Besuch mit integriertem umfassenden „Eindruck“ gibt es kaum einen freundlichen Ausdruck. Zusammengenommen mit der Geschichte und den Erfahrungen hier in Greifswald, die diese Hilfesuchenden in den nur wenigen Tagen machen mussten, ergibt sich ein Beitrag, für den es mehr als eine Seite Druckerpapier braucht und mindestens ebenso viel Zeit, um diesen in Ausschüssen vorzulesen. Vielleicht weiß man im Landkreis aber auch einfach wieder nichts davon? In den kommenden Tagen werden wir sicher häufiger dort vor Ort sein – und wer weiß, vielleicht nehmen wir doch einfach mal jemanden von der professionell schreibenden und fotografierenden Zunft mit?  Vielleicht gelingt uns so ein verbessertes, gesünderes und menschlicheres Integrieren?

Heute ist Himmelfahrt, Herrentag, Vatertag, ja ein Feiertag und eigentlich – ja eigentlich wollte ich ein paar Fragen stellen, rund um die Horden, überwiegend  herumgröhlender wankender Männer, die dem hoeckeschen Aufruf folgen und ihre Männlichkeit wiederentdecken, die ihre achso deutschen Werte in den blauen Frühlingshimmel rülpsen und quer durchs Abendland kotzen.  Fragen zu jenen, deren Bollerwagentouren einer Höllenfahrt gleichen und die nur sehr bedingt etwas von Herren haben und vom Alter her eher Muttisöhnchen den Väter sind. Fragen zu den deutschen PatriotenGestalten, die im Suff Bedienungen angraben, antatschen und auch sonst wenig des stets von anderen eingeforderten deutschen Anstands gegenüber dem weiblichen Geschlecht walten lassen.

Aber

mich erreichte auch der dritte ausführliche  Teil des Helferberichts von Lauri van Tatze aus Priäus. Und da ich mich erst wieder abregen muss und den restlichen FeierTag mit der Organisation von praktischer und dringend notwendiger (auch medizinischer) Hilfe für die neuen Greifswalder verbringen werde, wird dieser Bericht mal gleich online gestellt.

We can hide things away, but we can´t forget.

Der letzte Blogeintrag ist schon ein paar Tage her. Der Grund dafür ist nicht etwa, dass ich keine Lust gehabt hätte mitzuteilen, was so los ist, ich konnte es irgendwie nicht mitteilen. Die letzten Tage haben uns an unsere Grenzen gebracht. Wir haben Situationen erlebt und Bilder gesehen, die alles überstiegen, was wir zuvor sahen. Wir haben Einzelschicksale von Menschen erfahren, die uns haben sehr nachdenklich werden lassen.

Was war passiert? Die Lage im Camp wurde schlechter, das war deutlich spürbar. Wir bekamen keine Kleiderspenden mehr, das bedeutete, dass wir auch kaum Kleidung herausgeben konnten. Die Menschen wurden in ihrem Verhalten entweder irgendwie aggressiver oder sie bettelten nahezu einen an. Was ich aber nunmal nicht habe, kann ich auch nicht vergeben. So kam mal wieder der ein oder andere Vorwurf, dass wir Sachen einfach verstecken würden. Immer wieder gelang es Geflüchteten ins Lagerhaus zu kommen,sie durchwühlten dann die Sachen und zerstörten immer wieder unsere Arbeit. Das war frustrierend. Sachen, die angeschafft wurden, um zu helfen, wofür Spendengelder eingesetzt wurden, wurden gestohlen. Ich versuche mir immer mögliche Gründe für dieses Verhalten zu überlegen. Wie weit muss jemand gehen, dass er stiehlt und damit in Kauf nimmt, dass viele andere Menschen dann nichts bekommen könnten. Ist das anerzogener Egoismus? Hat die erbärmliche Situation im Camp Menschen dazu gemacht? Mir fällt es definitiv schwer zu verstehen, warum es einige so schwer fällt zu teilen.Vermutlich weil teilen bedeutet, dass jeder nur minimal etwas bekommen kann, weil allgemein bekannt ist, dass wir von allem zu wenig haben.

IMG-20160502-WA0011Wir waren in den letzten Tagen auch mal bei der School Box im Camp E1. Viele Kinder…. diese vielen Kinder. Ehrenamtliche Helfer kümmern sich hier rührend darum, dass Kinder wenigstens ein paar Stunden lang Kinder sein dürfen. Wir puzzeln und lassen uns die Fingernägel bemalen. Natürlich würde sich jeder Nageldesigner bei dem Endresultat die Hände über den Kopf zusammen schlagen, aber wir freuen uns natürlich und sind total begeistert, wie „schön“ die Kinder unsere Nägel gestaltet haben. Sie freuen sich und das freut uns. Wer allerdings auch immer auf die Idee kam Nagellack in die School Box zu bringen, hätte vielleicht auch an Nagellackentfernertücher denken sollen. Wir bekamen den Billiglack leider nicht mehr von unseren Nägeln oder unserer Haut. Wir kratzten und pulten, aber der Mist blieb einfach an unseren Händen kleben. Ich müsste wohl dann Handschuhe zur Essensverteilung im Camp E1.5 tragen.

IMG-20160502-WA0016Auffällig war beim spielen mit den Kindern, dass so einige kleinere Konflikte mit Gewalt lösten. Ich meine damit nicht ein bisschen schubsen, ich meine wirklich schlagen und verletzen. Ich musste zwei Kinder trennen, weil der eine anfing, den anderen wirklich ernsthaft zu würgen. Die Flucht und Situation in den Lagern lehrt hier vielen eines: Du musst Dich scheiße benehmen, um zu bekommen, was du willst. Oder kurz: Der Stärkere gewinnt. Dieses Verhalten ist bei Kindern auf jeden Fall antrainiert.Wir haben mehrfach beobachtet,wie Kinder zum Stehlen von Erwachsenen animiert wurden, weil Kinder es leichter haben zu klauen irgendwie. Das erahnt nichts Gutes für die Sozialkompetenz dieser kleinen Geschöpfe. Natürlich haben wir aber auch viele sehr gesittete Menschen unter den Geflüchteten dabei, denen so ein Verhalten genauso zuwider ist wie uns.

Unsere Schicht in der School Box endet und wir kehren zurück zum Camp E1.5. Die Essensverteilung steht an. Was wir diese Tage bei den Essensverteilungen erlebten, hat unseren Blick auf Nahrung für immer verändert. Wir bekommen seit Tagen zu wenig Wasser oder gar kein Wasser geliefert. Auch wenn wir als Helfer daran keine Schuld tragen, bekommen wir sie oft. Was die Leute nicht verstanden haben, oder einfach nicht wissen, die Regierung sendet uns kein Wasser. Das Wasser kommt von Spendengeldern. Das bedeutet erneut: Keine Spenden, kein Wasser. Das Essen der letzten Tage war teilweise sogar verdorben geliefert worden. Bei den Essensausgaben müssen sich die Leute in Reihen aufstellen. Eine Mahlzeit pro Person, einige diskutieren mit uns ständig, dass sie mehr brauchen, wir versuchen ständig zu erklären, dass wir aber nicht mehr geben können. Wir werden oft angeschrien oder beschimpft, der ein oder andere schmeisst uns das Essen auch vor die Füße. Wenn man nicht genug hat, dann lieber gar nichts nehmen? Ok, etwas, was ich auch nicht verstehen kann, aber einfach hinnehme. Wir arbeiten weiter und ständig kommen Leute von der Seite und wollen dies und das zusätzlich oder sich nicht anstellen. Unsere Antwort: No Line, no Food. Wer sich nicht anstellt, bekommt nichts. Anders geht es einfach nicht bei 1.500 Menschen. Es kam dann dazu, dass zum Ende der Verteilung ein Kind durch die Absperrung kletterte und einen halben Karton Orangen stahl und davon lief. Maria (eine ehrenamtliche Heldin aus Spanien bei den Duschen der Frauen) schnappte sich das Kind und brachte den Karton zurück. Wir wollten die Orangen unter den restlichen Leuten austeilen. Das war nicht möglich, also stellten wir den Karton auf den Boden und sogleich brach darum ein Kampf aus. Erwachsene Männer lagen auf dem Boden und stritten sich, um ein paar Orangen. Ich bin erschüttert über diesen Anblick. Doch die Verteilung von Essen solle einfacher werden. Um die Diskussionen „Ich hab aber zwei Kinder, die jetzt schlafen, deswegen brauch ich 3x Essen, auch wenn ich hier grade allein stehe“ zu vermeiden, wird das System geändert und Essenskarten vergeben. Auf diesen stehen die Anzahl der Familienmitglieder, wir streichen das Essen ab und haben einen viel besseren Überblick.

lauriBei der Umstellung zu diesem System waren zwei Damen bei der nächsten Essensausgabe vor Ort, die mich verärgerten. Sie kamen aus einem anderen Camp und wollten ihren Willen auch unbedingt bei uns durchsetzen. Beispielsweise arbeiten wir mit 4 Reihen. Frauen + Kinder und Männer, Syrer und Afghanen jeweils eine eigene Reihe, weil es anders einfach nicht funktionierte und immer Kämpfe ausbrachen. Nun wollten die Damen aber ihre Vorstellungen durchsetzen und erklärten, dass es zwei Reihen zu geben habe. Syrer und Afghanen in einer Reihe fertig. Herman (ehrenamtlich aus Uruguay vor Ort) versuchte ständig den Damen zu erklären, dass das nicht funktionieren wird, er ist verantwortlich für diese Ausgaben und hat reichlich Erfahrung damit. Das interessierte Damen recht wenig. Weiter ging es damit, dass die Damen mit Bananen ankamen, niemals ausreichend für alle, weswegen nur Kinder eine bekommen sollten. Herman erklärte wieder, dass sie das bitte so nicht machen sollen. Aber die Damen wollten ihren Willen durchsetzen und wenn sie nicht weiterkamen, dann fingen sie halt an Leute anzuschreien. Eine Arbeitsweise, die mir so gar nicht gefiel. Viele Syrer und Afghanen weigerten sich in einer Reihe zusammen zu stehen. Die ersten Rangeleien brachen aus, auf einmal spalteten sich zwei Lager ab, die sich gegenüber standen. Die Situation wurde ziemlich heikel und ich bekam das allererste Mal Angst hier. Der Grund: Unsere Essensverteilung hat einen gewissen Aufbau. Die Nahrung steht an einem Punkt, darum drei Holzwände, eine Seite offen. An diese Seite werden Tische gestellt und die Helfer stehen hier an beiden Seiten der Tische, damit die einen die Nahrung holen können (sie also innerhalb der Holzwände stehen), gemeinsam am Tisch packt man dann alles zusammen und wir von der anderen Seite des Tisches übergeben das Essen an die Menschen. Zwischen uns und den Menschen sind nochmal kleine Barrieren aufgebaut, damit wir einen kleinen Spielraum zu den Geflüchteten haben. Das Stehlen wird somit auch erschwert. An den Außenreihen stehen aber noch Holzpaletten, damit niemand von der Seite einfach in die Kartons greifen kann. Also: Wir sind an jeder Seite von einer Barriere umgeben und hatten nun eine aufgebrachte Menge vor uns stehen von geschätzten 1.500 Menschen. Würden diese aus Wut einfach sich das Essen holen wollen und auf uns zurennen, hätten wir keine Chance gehabt uns zu retten. Und es sah danach aus, als würde das gleich passieren. Die Situation kippte dann aber so, dass beide Lager für sich anfingen zu klatschen und irgendwas zu singen. Die beiden Damen rasteten völlig aus und schmissen hin. Sie haben den Ort einfach verlassen und wir standen da. Ok, also wir machens wie vorher. Jeder seine Reihe und es klappte dann plötzlich mit dem Anstellen. Das Ende dieser Katastrophe war das allerdings noch nicht, denn eines war ja noch da: die Bananen. Natürlich reichten diese nicht, wie vorhergesagt und dann passierte etwas, was ich niemals wieder vergessen werde. Es kam zu einer Massenschlägerei, die für einige sehr blutig und im Krankenwagen endete. Einer hatte provokant eine Banane gegessen vor einem, der keine bekam. Diese Schlägerei entstand also nicht wegen Bananen (Plural), nein, eine einzige Banane führte dazu. Vor mir eine Masse an Männern, die auf sich einschlugen und die Masse wanderte in die Seite des Lagerhauses, wo die vielen Zelte aufgebaut waren. Gleichzeitig kamen mir aus der Halle haufenweise schreiende, kreischende und weinende Kinder und Frauen entgegen gelaufen. Dieses Bild begleitet mich auch noch Tage danach. Birgit hatte eine ähnliche Situation, die sie mitnahm. In den Massen und im Gedränge wurde ein kleines Kind eingeklemmt, welches ganz fürchterlich schrie und dann wurde dieses Kind aus dieser Masse förmlich herausgezerrt und es hatte einfach nur noch Angst. Wir haben hier eine Situation erreicht, die uns eindeutig an unsere psychischen Grenzen brachte. Wir können in Worten diese Situation niemals so wiedergeben, dass man nur im Ansatz nachvollziehen könnte, was da abging und das wegen einer einzigen Banane. Wie weit unten sind Menschen angekommen, wenn ihnen eine Banane als das wert ist?

Doch das war noch nicht alles. Wir sind auf Flüchtlinge angewiesen, die uns ehrenamtlich helfen, sowohl beim Übersetzen als auch beim Essen ausgeben, da wir sonst einfach zu wenige sind. Wir es dann nun mal so ist, versuchen auch hier Leute sich eigene Vorteile zu verschaffen oder eben die eigenen Landsleute zu bevorzugen. Die Flüchtlinge, die uns helfen, bekommen für sich und ihre Familien GESICHERT Nahrung im Anschluss der Verteilung im Warenlager. Mein „Packpartner“ kam an dem einen Tag schon mit irgendwelchen Kindern an, die nicht in Reihe standen, und erzählte was von „family family“ und lud die Taschen mit Essen voll. Er versuchte das bei einer Essensausgabe mehrfach und ich stoppte ihn dabei, denn das war meine Aufgabe. Betrug soll auch hier grundsätzlich unterbunden werden. Bei einer weiteren Essensausgabe, stand rechts an der Außenseite ein Junge mit einem Beutel. Ich wies ihn an sich in die Reihe zu stellen. Er schüttelte den Kopf, verschrenkte die Arme und blieb stehen. Gut, dann gibt es eben kein Essen für ihn. Mein „Packpartner“ fing dann bei der Verteilung plötzlich an den Jungen ranzuwinken und Essen in die Beutel zu laden. Nicht mit mir! Ich nahm den Beutel aus der Hand und es ging eine Diskussion um „family family“ los. Ich rief Herman, der kam auch und erklärte sehr klar und ausdrücklich, dass es das Essen für die Helfer nach der Verteilung gibt. Es ging weiter und kurze Zeit nahm mein Nebenmann einen Beutel und stopfte sich das Essen da rein und wollte einfach losgehen. Ich nahm diesen Beutel erneut an mich und verweigerte ihm diesen Zug, da zuvor die Lage eindeutig geklärt war und wir eben auch einfach nicht genug für die wartende Menge an Menschen haben. Er rastete so richtig aus, schrie mich an, warf Essen durch die Gegend und holte aus. Ich hatte mich in diesem Moment darauf eingestellt, dass ich jetzt eine Hand ins Gesicht bekomme. Max eilte zu Hilfe und zwei Geflüchtete ebenso und zogen den Typen von mir weg. Zeit zum Nachdenken darüber, blieb nicht, denn da standen immernoch hunderte Menschen. Also machte ich einfach mit meiner Aufgabe weiter. Ich hatte außerdem nichts falsch gemacht, ich hatte einfach seinen Betrug unterbunden, was seine männliche Ehre so gar nicht vertrug. Alle ehrenamtlichen Helfer sind solchen Diskussionen und Betrügereien ausgesetzt gewesen und mussten sich so eine andere Beschimpfung anhören. Wir sind hier, um zu helfen, und sind immer wieder Opfer von Anfeindungen. Das ist nicht immer einfach zu ertragen, auch wenn wir immer wieder Rückhalt von vielen Geflüchteten bekommen, die solche Menschen ebenso wenig verstehen können wie wir. Zu allem Übel fiel dann am Ende noch eine Holzaußenwand auf Birgit und mich. Doch das System mit den Essenskarten entwickelte sich dann ganz gut. Abgesehen davon, dass Geflüchtete hier auch versuchten zu täuschen, indem sie Kopien erstellten oder Zahlen versuchten umzuschreiben. Außerhalb dieser Verteilungen treten die Menschen uns aber grundsätzlich sehr höflich und gastfreundschaftlich gegenüber. Wir werden immer mal wieder zu einem Tee im Zelt oder einer Trommelparty eingeladen. Hier erfahren wir einige Einzelschicksale, die ich in einem gesonderten Beitrag vorstellen möchte.

Gestern war dann zugegebenermaßen auch nicht mein Glückstag. Es startete damit, dass David (ehrenamtlicher Helfer aus Spanien) versehentlich die Jacken von Birgit und mir in eine Spendenbox warf . Wir suchten zwar noch, aber die Jacken waren bereits ausgegeben worden. Wir sind dann nach der Ausgabe des Mittagessens wieder zu Jumbo gefahren. Wir haben wieder knapp 500€ an Spendengeldern für Zelte und Hygieneprodukte ausgegeben. Einige Familien schlafen immer noch auf dem Boden ohne ein Zelt. Wir nehmen Nuchlan mit, die sich tierisch freut mit uns im Bus zu fahren und uns wieder so sehr hilft. Ich habe irgendwie ein schlechtes Gewissen sie mit zu nehmen. Ihr erinnert euch an Jumbo… Ikea für Kinder? Spielzeug in Massen? Nuchlan sieht in all diese Regale, aber sie sagt nichts. Birgit und ich entschließen uns,dass wir Nuchlan neue Kleidung schenken wollen. Aber Nuchlan verweigert sich auch nur ein einziges Shirt anzunehmen. Sie sagt, dass sie alles habe, was sie brauche und uns wurden die Jacken geklaut. Das täte ihr viel mehr Leid. Sie denkt die ganze Zeit darüber nach, wie sie im Camp die Jacken wiederfinden könnte. Dieses Mädchen ist so unglaublich und mega bescheiden. Egal, was wir ihr anbieten wollten, sie lehnte alles ab. Sie will uns unsere Jacken viel lieber zurück besorgen. Wir waren bei meinem fehlenden Glück.. Nunja im Jumbomarkt nahm ich dann Waschmittel für Kleidung aus den Regalen und wollte sie in unsere Körbe tun. Eine Flasche war kaputt, was ich leider erst bemerkte, als die ganze Suppe über meine Klamotten lief. Beim Versuch das wieder halbwegs zu säubern, stieß ich gegen ein Regal. Während des Einkaufs fielen mir noch Regalaufhänger runter und ich stieß Körbe von einem Tisch. Ich war irgendwie im Tolpatschmodus. Zurück im Camp fiel mir bei der Essensausgabe am Abend noch ein Tisch auf den Zeh, mir wurde der Finger eingeklemmt und ich bekam eine Kiste an den Kopf. Ich musste fast selbst über mich lachen.

volpowAm Abend sitzen wir als Helfer immer zusammen und reflektieren den Tag und geben uns gegenseitig Mut und Kraft. Wir zünden uns Kerzen an und so kacke diese Halle auch ist, sie beschert uns wunderbare Stunden. Herman hat gestern alles auf einen Punkt gebracht. Er sagte, dass wir aktiv 10 Helfer sind, verantwortlich für 1.400-1.600 Menschen. Das macht mindestens 140 Geflüchtete für einen ehrenamtlichen Helfer am Tag. Unsere Entscheidungen haben direkten Einfluss auf die Menschen, um die wir uns kümmern. Was passiert, wenn wir aufgeben? Wir dürfen nicht aufgeben! Niemals. Und wir stoßen auf „Never give up!“ an. Rückblickend haben uns wirklich so einige Helfer verlassen und auch wir werden bald diesen Ort verlassen müssen. Wir sind nur noch wenige hier, zu wenig! Am Tage hat man keine Zeit über all das nachzudenken, was hier passiert. Gestern war beispielsweise auch ein Kind ins Hafenbecken gefallen, konnte aber gerettet werden. Wir erleben viele krasse Situationen, aber wir verarbeiten sie nicht. Wir nehmen sie wahr und arbeiten weiter, das müssen wir, denn diese Menschen sind auf uns angewiesen. Doch am Abend, wenn alles um einen herum still wird, wird es laut im Kopf. Vieles beschäftigt uns im Inneren. Zugegebenermaßen fürchte ich etwas den Moment nach Hause zu kommen und allein zu sein. Eines steht fest: die Reise hat uns verändert und wird lange nachhaltig in uns wirken. Ich möchte hier eigentlich nicht weg, ich habe das Gefühl Menschen im Stich zu lassen. Ich weiß, dass das nicht stimmt, aber es fühlt sich eben so an. Heute ist unser letzter vollständiger Tag. Wir werden alles hier zum letzten Mal tun. Für uns steht morgen die Heimkehr an. Heimkehr in ein gut situiertes Leben und vor allem in ein bislang sicheres.

Wir wünschen allen Menschen hier, dass sie dies auch wieder tun können. Wir alle müssen wieder Frieden finden. Im Äußeren, wie im Inneren. Wir verbergen unsere Gefühle so gut wie wir können. Wir können sie verstecken, aber wir können all das hier niemals vergessen.

 

 

TU ES DAY – mit nur einer Frage…

die ich Frau J. aber aus Gründen nicht beantworten wollte.

In einer Greifswalder FacebookGruppe wurde eine der, bei einzelnen der dort beheimateten Mitglieder außerordentlich „diskussionsbeliebten“ Berichterstattungen, über die Vergewaltigung eines Mädchens und des juristischen Verhandelns gepostet. Wer in dieser Gruppe ab und an vorbeischaut, ahnt vielleicht in welche Richtung der Verlauf abdriftete. Irgendwann wurde es E. zu viel und sie kommentierte in etwa:

[Warum interessiert es in dieser Gruppe nicht], wenn man hier ständig Flüchtlinge beleidigen, ausspionieren, drangsalieren und verprügeln kann? Hier gibt es Rassismus pur!

Eine berechtigte Frage, wie ich finde, die zudem den Großteil der Definition Rassismus beinhaltete. ABER, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, nämlich dass man Einzelne darauf hinweist, wie ihre Kommentare so bei Menschen ankommen, entstand eine Diskussion mit über 80 Kommentaren daraus. Auf die Frage:

Wo solche Sachen denn in Greifswald passieren?

wurden weitere allgemeine Beispiele gebracht, u.a. aus dem Netz und ich ergänzte

Im realen Leben in der Makarenkostraße, Roald-Amundsen-Straße und Gustebiner Wende

– und dann ging es los. Erst wurde mir vorgeworfen, ich würde die Bewohner ganzer Straßenzüge unter Generalverdacht stellen, als Rassisten bezeichnen. Dann betrat Frau Juhnke das Podium und forderte von mir Beispiele, die ich ihr selbstverständlich nicht auf die Nase band. Das war so gegen 17 Uhr als ich es las und mich in den Verlauf erneut einbrachte. Um 23.30 Uhr kam dann das Sandmännchen.

In der Zeit dazwischen wurde mir „durch die Blume“ unterlassene Hilfeleistung unterstellt, da ich bei Taten anwesend gewesen sei, die nicht der Polizei gemeldet worden wären. Dann verfüge ich plötzlich über Informationen, an welche die Bürger Greifswalds nicht herankommen – denn ein Hausmeister aus einem der benannten Straßenzüge hätte gesagt, es gäbe keine solchen Vorfälle. Ein weiterer  Teilnehmer versuchte dann Rassismus als Xenophobie zu verkaufen. Zu meiner persönlichen Erheiterung kramte Frau J., warum auch immer, dann noch eine Begebenheit aus dem letzten Jahr aus, die mit Rassismus so viel zu tun hat, wie wahrscheinlich ich mit dem Grundsatzprogramm der AfD – aber es ging ja darum, dass ich ihr eine heißbegehrte Antwort schuldig blieb.

Am Ende des Willkommensfestes des INTEG e.V. auf dem Marktplatz, saßen Frau J. und meine Wenigkeit noch mit mehreren Personen auf ein Getränk zusammen. Nachdem  Sie bezahlte, gab sie mir vor Zeugen das Wechselgeld, in Höhe von 12,50 Euro mit den Worten, dies sei eine kleine Spende für die Arbeit des Vereins. Meinen Hinweis darauf, dass ich keinen Quittungsblock habe und ihr das vielleicht auf einen Bierdeckel quittieren sollte, tat sie mit den Worten ab „Das sei bei der Summe nicht so wichtig.“ Im Anschluss daran fand im Das Sofa eine Auswertung des Festes statt. In dieser Runde, an der unter anderem drei der damaligen Vorstandsmitglieder teilnahmen, übergab ich einem der Vorstände, ebenfalls wieder unter Zeugen, die Spende. Auch auf folgenden Treffen mit Frau J., die sich im Rahmen des Wahlkampfes für unseren OB ergaben, wurde diese Spende nie wieder erwähnt. Derweil trennten sich nicht nur die Wege von Frau J. und mir, sondern auch ich mich vom Verein. (http://www.synchronuniversum.de/tu-es-day-die-strafanzeige/). Offenbar war eine Quittung bis heute nicht von Bedeutung. Hätte Frau J. sich nicht sonst in den letzten sechs Monaten schon längst einmal  an den Verein gewandt? Also ich mache das, wenn ich Spenden tätige, über welche ich einen Beleg z.B. für das Finanzamt brauche. Nein, sie deutet heute an, vollkommen ohne jeden wirklichen Zusammenhang, dass ich ihr diesen Beleg immer noch schuldig sei, wie eben die Antworten darauf, wer wann wo in den drei von mir benannten Straßen Opfer von Rassismus (nach ihrer Definition eine Straftat, die unverzüglich bei der Polizei zu melden ist, wenn man von ihr Kenntnis hat) wurde.

Auch tat frau sich immer wieder damit hervor, dass es eben bei der Polizei keine solchen Meldungen geben würde. Meine Rassismusdefinition, die ich mit Quellenlink hinterlegte und auf die ich mehrfach verwies, wurde einfach mal konsequent ignoriert. Meine klaren einfachen Beispiele wurden als Hinweis darauf gedeutet, es gäbe dort vermehrt solche Zwischenfälle. Wenn gar nichts anderes mehr half, wurde Frau J. auch gerne persönlich und brachte meine belastende Situation der letzten Wochen ins Spiel. *gääääähn* Da hat sie es mir aber gegeben. Irgendwann wiederholten sich dann ihre Aussagen, wie die Frage nach dem Wann, Wer und Wo, bis es, vielleicht bedingt durch die akut einsetzende Müdigkeit, recht wirr wurde.

Warum erzähle ich das?

Weil es so typisch ist, für unsere Gesellschaft und nahezu symptomatisch für die Diskussionen in solchen Gruppen und weil mich interessiert, wie ihr mit soetwas umgeht.

Ich werde  niemals mit den Rassismus-Erlebnissen in solchen Foren hausieren. Ich werde keine Geflüchteten hinhängen, mit Adresse und Namen, die in den letzten Monaten fremdenfeindlichen und oder rassistischen Konfrontationen in verbaler und/oder körperlicher Art ausgesetzt waren. Das hat für mich zum Einen sehr viel mit Vertrauen zu tun, Vertrauen, das diese Menschen anderen und mir entgegenbringen, zum Anderen mache ich gerade ja meine ganz eigenen Erfahrungen, wie es sich anfühlt und welche Konsequenzen, eine virtuelle und reale Hetzjagd haben kann,die sich gegen Schwächere richtet. Last but not least erinnert ihr euch vielleicht an eine meiner vergangenen Fragen:

Oder nehmen wir bspw. eine Politikerin, hauptamtlich Polizeibeamtin, die offen an rechten Demonstrationen teilnimmt und sich auch anderweitig, öffentlich, eindeutig fremdenfeindlich mit Wort und Tat positioniert, sich sogar lautstark an Protesten gegen unsere Bundeskanzlerin beteiligt – Gibt es hier Zweifel an der Objektivität im Dienst?

Was, wenn eine solche Polizistin nun auch Mitglied in solch einer Gruppe wäre, in der solche Diskussionen geführt werden? Richtig! Im Gegensatz zu Politikern und Dienstherren, gibt es Menschen, die genau solche Zweifel an der Objektivität hegen. Und alleine das verbietet es mir, konkrete Antworten auf vermeintlich interessierte oder neugierige Fragen zu geben.

Die Spanne des Rassismus reicht vom gesprochenen Wort, geschriebenen Wort bis hin zu Prügel oder gar Totschlag und rassistisches Handeln findet sich in nahezu allen Altersklassen. Ob es nun die Zweitklässler sind, die ihrem Schulkameraden aus Ghana den Ranzen abnehmen, den Inhalt in die nächst beste Pfütze auskippen und ihm zurufen, dass er die eh nicht mehr braucht, weil er sowieso abgeschoben wird. Ob das Jugendliche sind, die sich unheimlich cool vorkommen, weil sie muslimischen Mitschülerinnen den Hijab vom Kopf ziehen. Oder der Internettroll, der unter mindestens 2 Fake-Identitäten, mit höchster Schlagzahl immer wieder Links unseriöser Quellen in Gruppen postet, die vermeintlich darüber Auskunft geben, wie gefährlich alle hier lebenden [sic]Asylanten oder das [sic] Pack ist. Oder der Polizist, der ohne jeglichen Beweggrund einfach mal eine Personenkontrolle mit Leibesvisitation  bei einem arabisch aussehenden Studenten durchführt. Oder die Horde Nazis, die einen Schwarzafrikaner einfach mal totprügelt. Oder, oder, oder…

Die Zauberformel heißt Zivilcourage. So wie E. eingangs das Diskussionsverhalten in der Gruppe anprangert, sollte man sich  jeder Form des Rassismus entgegenstellen. Das bedeutet nicht, dass ich mich selbst in gefährliche Situationen geben muss – aber ich hab ein Handy und ich kann den Notruf anwählen, die Polizei rufen (und hoffen, dass nicht oben beschriebene Beamtin im Dienst ist), ich kann mir andere Menschen suchen und mit ihnen Rassisten stellen.

Vorallem aber kann ich informieren  – immer und immer wieder. So wie ich Frau J. immer und immer wieder versuchte zu erklären, warum ich ihre Frage nicht konkret beantworten werde. Sie habe ich nun leider nicht erreichen können – aber vielleicht einen stillen Mitleser in dieser Gruppe, der sich nicht auf solche Beiträge zu Wort meldet, sie nur verfolgt. Sie wird vielleicht auch später wieder fragen, weiter fragen und wenn ich nicht antworte, mich vielleicht wieder versuchen bloß zu stellen, versuchen die Geschehnisse der vergangenen Wochen „warmköchelnd“ zu halten oder mir Empfehlungen auf den Weg geben, wie „lesen hilft“. Nicht, dass das neu wäre. Wir erinnern uns – auf die Kleine Anfrage folgte der Nachtrag zur Kleinen Anfrage und die Option NEIN ist keine Option. Ich für meinen Teil werde diese Diskussion einfach nur noch weiter interessiert und mit sehr viel Mitleid für manche Personen verfolgen.

Das gibt mir dann auch wieder die Zeit, mich mit den wichtigen Dingen zu beschäftigen, mit den Dingen, die mich zur Zeit bewegen – u.a.

Wir hier im Landkreis haben kein Flüchtlingsproblem, aber wir bekommen vielleicht ein richtig großes Rechtsproblem, darum

INTEGRIEREN STATT INTRIGIEREN und

Fragen bis die letzten Fragen gestellt und nicht bis Antworten gegeben sind.

 

 

 

Liebe und Toleranz am 1. Mai

Hach, war es nicht einfach nur schön?

Foto (c) Greifswald für Alle

Foto (c) Greifswald für Alle

Und was wurde im Vorfeld nicht zum Nachteil der Veranstalter, sondern – und das finde ich ganz persönlich nicht nur peinlich, sondern auch im Hinblick auf sich äußernde Politiker mehr als anmaßend, zum Nachteil der Bürger Greifswalds nicht alles so von sich gegeben, oder?

Hat die **U vielleicht einfach nur vergessen, dass sie sowohl bereits am 18. März in einem persönlichen Gespräch zur Teilhabe und Teilnahme an unserem Fest eingeladen wurde, als auch eine schriftliche Einladung erhielt?  Wie lautete doch gleich noch die Bedingung, die in jenem Gespräch seitens der **U gestellt wurde?

...dass die Veranstaltung "auf dem Boden des Grundgesetzes" stehen müsse, ...

Seitens, nennen wir sie mal vorsichtig „Mitläufern“ der FFDG (eventuell in mutmaßlicher Anlehnung oder vielleicht sogar Kooperation mit dem rechten Portal Greifswald Info, auf dem noch ganz andere Verschwörungsstheorien heftigeren Kalibers nachzulesen sind?) äußerte sich Olaf Blank (verbal und in Gestik teils als aggressiv empfundener „Hauptkommentator“, Videodreher und eben Unterstützer der hiesigen BonsaiGida):

…Das dieses „Kultur“-Fest eine Ansammlung linksradikaler Spinner ist und als Rekrutierungs-Maßnahme … für die kriminelle Antifa zu sehen sein sollte, ist auch klar.

Und dieses Zitat ist in der Tat noch eines der Harmlosen.

Lassen solche Äußerungen nicht vielleicht einfach nur den Verdacht aufkommen, dass jene Personen und ihre wie auch immer gearteten Gruppierungen an einem wirklichen Miteinander in unserer Stadt, dem berühmten „an einem Strang ziehen“, an Lösungen und an einem toleranten, demokratischen und vielfältigen Greifswald wenig bis gar kein Interesse haben?

Andererseits haben sich einige jener Personen, die sich gerade auf der Seite von FFDG oder zum Beispiel „Was Greifswald bewegt“ wenig tolerant bis übelst beleidigend, nationalistisch und hetzerisch geben, ebenfalls unter das so unterschiedliche und friedliche Publikum gemischt. Vielleicht können sie die Erlebnisse und die Begeisterung ihrer Kinder ja zum  Anlass nehmen, einmal über ihre Haltung und ihre Äußerungen nachzudenken. Das wäre richtig klasse.

Liebe und Toleranz am 1. Mai – Wie es wirklich war

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Fotos (c) Greifswald für Alle

Was soll ich sagen – ich bin immer noch komplett geflasht von diesem Tag, der dank einer gigantischen Orgaleistung vieler engagierter und liebenswerter Menschen, einer mehr als interessanten Liste von Rednern und Akteuren und der fantastischen Begleitung von Frau Osram so ziemlich alle positiven Gefühlsregung auslöste, die frau so haben kann.

Umwerfend die Besucherzahl! Haben wir in der Spitze 1.500 Besucher auf dem Marktplatz zählen können, und beobachtete man das rege Kommen und Gehen – je nach Attraktion, Musik- und Redebeiträgen, dürfen wir davon ausgehen, dass  ca. 2.500 Menschen aus Greifswald und Besucher unserer Stadt enormen Spaß hatten an dem gemeinsamen Bild „Tolerantes Greifswald“. Kurzum, zwischendurch ist unser Wohnzimmer der Stadt fast aus allen Nähten geplatzt.

Mama bigi hatte über den Tag verteilt gleich mehrfach nah am Wasser gebaut und das berühmte Pipi in den Augen. In Anbetracht der Tatsache, was in den vergangenen Tagen in Syrien allgemein und in Aleppo im Besonderen geschah und geschieht, war ich unfassbar beeindruckt, wieviele meiner „Söhne und Familien“, wieviele Refugees unserer Einladung folgten, am Fest teilnahmen, sich aktiv einbrachten und unser Kulturfest mitgestalteten. Hierfür meinen ganz, ganz, ganz besonders herzlichen Dank, vorallem an „meine Jungs“, die mit auf- und abbauten, die Kinder bespaßten und unterhielten und uns unglaublich unterstützten. SHUKRAN!

 

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ghfBesonders berührt hat mich auch immer wieder der Umgang aller mit diesem wundervollen Willkommensbanner, welches Herr Heuer vom Theater Vorpommern entlang unseres Wohnzimmerbodens, „auf dem Boden des Grundgesetzes“ 😉, quer über den Marktplatz ausrollte. An meinem kleinen aber feinen InfoTisch, den ich mir mit der Initiative „Greifswald hilft Geflüchteten“ teilte, hatte ich eine hervorragende  Sicht auf das Banner und konnte beobachten, wie Jung und Alt mit Ausfallschritt darüber traten oder darüber hüpften.

Bleiben wir bei unserem charmanten Ständchen – an dem ich die erste Feststunde damit zubrachte, mich nicht dauernd zu erschrecken, wenn sich die Kids an der Haltestelle Dosenwerfen von „Die Linke“ austobten. Hinter uns der Schminkstand, der sich, neben der Hüpfburg und der offenen Nähwerkstatt „Kabutze“ zum Renner des Tages entwickelte. In den Hochzeiten, standen Mamas und Papas einmal um die Hüpfburg rund an, um die lieben Kleinen mit phantasievollen Motiven schminken zu lassen. Die Hüpfburg konnte zwischendurch wegen Überfüllung nicht alle Hüpfer einlassen und Bilal, der gemeinsam mit meinem Schatz dafür Sorge trug, dass nichts, aber auch absolut gar nichts passierte, meinte scherzhaft: „Das ist ein gutes Torwarttraining. Man springt von links nach rechts zurück in die Mitte und verhindert, dass Kinder aus der Hüpfburg über den Marktplatz springen.“ Msallam, der mit einem kindgroßen 4Gewinnt-Spiel zwischen diesen beiden Attraktionen einen Platz an der Sonne genoss, fühlte sich alsgleich in die alten Zeiten der Sporthalle zurückversetzt, wo wir uns manche Nächte mit diesem und anderen Spielen um die Ohren schlugen.

010502Richtig eingeheizt wurde uns bei sommerlichen Temperaturen von der mehr als coolen BluesBrothers-Performance des Theaters Vorpommern, die sicher auch bei unserem ehemaligen Bürgermeister  Dr. Arthur König und seiner Frau großen Anklang fanden. Übrigens zwei meiner Gesichter Greifswalds an diesem Tag. Ich persönlich habe mich über das Kommen sehr gefreut und  betrachte es, wie viele meiner Mitmenschen, die mir in den letzten Wochen eine unglaubliche Stütze waren, als ganz besonderes Zeichen. Vielen lieben Dank Herr Dr. König!

Apropos Kabutze. Die offene Nähwerkstatt gestaltete und bemalte mit ihren Gästen viele „Flicken“, die in den kommenden Tagen zu einem Patchwork-Läufer (oder -Banner) zusammengefügt werden. Ich bin schon sehr neugierig auf das Ergebnis. Ein Flicken wird jedoch fehlen. Diesen hat die kleine Amelie gestaltet und wollte ihn eigentlich mit nach Hause nehmen. Ganz stolz zeigte sie mir ihr Kunstwerk, als sie sich mit ihrer Mama verabschiedete. Ich war so begeistert, dass die Sysse dies zum Anlass nahm, mir ihr Kunstwerk zu schenken. Ich kann euch gar nicht sagen, wie stolz ich darauf bin.

Währenddessen und zwischendurch traten Boogie Trap, Turtleneck, Lupus in Fabula, La Pack, Speedys Company und Five Aces auf. Anke Neubauer, ehemalige Schauspielerin unseres Theaters überzeugte und bewegte mit zwei Beiträgen, viele tolle Redner zeigten Haltung und riefen auf zu mehr Menschlichkeit und Toleranz. Richtig krass wurde es dann, als ein junger  Syrer von der zauberhaften Moderatorin Anne Wolf angesagt wurde. Muchanad ist 10 Jahre, spricht ein konkret gutes Deutsch, weil ohne Deutsch, kann er ja nicht zu uns gehören und ist leidenschaftlicher Rapper. Mit seinem kurdisch-syrischen Rap eroberte er im  Flug all die Herzen, die er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht hatte (der kleine Kerl konnte ja nicht überall seinen Charme versprühen) und wurde mit tosendem Applaus belohnt. Leider war ich zu langsam und hab den kleinen Herzensbrecher nicht mehr auf der Bühne erwischt – aber wer dabei war, dem ist der junge Mann sicher in berührender Erinnerung geblieben.

010505Der Krieg in Syrien, die vielen Anschläge in Aleppo alleine in den vergangenen Tagen, waren ein wesentliches Thema des Tages, auch auf der Bühne. Mein Schatz und ich hatten ein Kontingent Buttons gebastelt, die uns gerade unsere syrischen Freunde nahezu aus den Händen rissen. Und auch der zweite Beitrag von Anke Neubauer nahm Bezug und sie wurde hierbei von einer Reihe Geflüchteter unterstützt. Ihre Aufstellung „Aleppo brennt“ ist sicher an niemandem spurlos vorbeigegangen und machte mir einmal mehr deutlich, wie unfassbar glücklich wir alle sein müssten, die wir hier in Deutschland, in Greifswald leben. Viele unserer neuen Nachbarn haben in den letzten Tagen zahlreiche Verwandte und Freunde auf die erbärmlichste und menschenverachtendste Art verloren – im Krieg. Ein Krieg, in dem viele Nationen der ganzen Welt ihre blutigen Finger im „Spiel“ haben, auch Deutschland.

Jenen, die dieses Glück nicht begreifen wollen oder können, die in jedem Fremden einen Feind und Terroristen, einen Vergwaltiger und Mörder sehen, war die Aktion des AStA der Uni Greifswald gewidmet, oder wie ich es heute auf Facebook beschrub:

 

Großes ToleranzKino gestern im Rahmen des Kulturfestes auf dem Greifswalder Marktplatz – Regie: AStA, Darsteller: Die Menschen Greifswalds

Fotos gegen Rassismus ermöglichte allen Interessierten, sich mit verschiedenen Statements ablichten zu lassen. Außerdem wurde die Möglichkeit geboten „Willkommenspostkarten“ zu gestalten, die unseren neuen Mitbürger in der Brandteichstraße bei Einzug zeigen sollen, dass sie Willkommen sind.

Aus all den entstandenen Bildern lassen sich bestimmt tolle Plakate machen… mal sehen, wo sie schließlich und endlich Toleranz und Menschlichkeit versprühen werden.

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Fotos (c) AStA Uni Greifswald

Den krönenden Abschluss des Kulturfestes boten uns Arthur und Band, die uns mit ihren Texten und noch mehr Tiefgang  noch mal so richtig vom Hocker hauten.

Dank vieler, vieler helfender Hände, war unser Wohnzimmer ruckzuck aufgeräumt und ich denke, auch wenn wir alle mächtig müde waren, keiner von uns ist ohne ein Lächeln  früher oder später ins Bett und wir freuen uns schon auf das nächste Mal, wenn tausende Menschen Greifswalds zeigen, wie man auf dem Boden des Grundgesetzes feiert, wieviel Freude man auch in größter Trauer transportieren kann und wie vielfältig, bunt, demokratisch und tolerant unsere schönste Hansestadt am Ryck ist. Am Ende dieses wunderbaren Tages haben also ca. 2.500 Menschen unterschiedlichster Art gemeinsam gefeiert. Es gab keine Unfälle, keine Übergriffe, keine Straftaten, nicht mal einen Sonnenstich. Doch dieser Tag hatte auch eine sehr extreme brutale Seite – nämlich für die beiden einzigen, sehr freundlichen Polizeibeamten, die artig und fleißig ihre Runden drehten und so gar nichts zu tun hatten. Das muss sehr extremst brutalst langweilig gewesen sein. Aber irgendwas ist ja immer – und mir tut es ganz ehrlich auch nicht leid.

Danke Greifswald! Thank you! Merci!
Spasybi! Spasibo! Tack! Dziękuję! Falemnderit! Dankje! Dank U!

Shukran!

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Euch interessiert die Arbeit des Bündnisses Greifswald für Alle? Ihr seid auch der Meinung, dass nicht demokratische, rassistische, fremdenfeindliche, homophobe, menschenverachtende Veranstaltungen nicht einfach unbegleitet und unkommentiert bleiben dürfen und möchtet uns unterstützen? Keinen Bock auf Rechtspopulismus à la AfD und FFDG oder Nationalismus à la NPD, MVgida, Dritter Weg & Co? Dann meldet euch doch bei uns. Alle weiteren Infos findet ihr in unserem Blog  oder ihr besucht uns auf Facebook.

Schöner Wohnen ohne Hetze(r) ist unser Motto heute ab 19 Uhr – wieder im Wohnzimmer unserer Stadt, allerdings aus weniger erfreulichem Anlass – wie gesagt, manche Veranstaltungen können wir nicht einfach unbegleitet und unkommentiert lassen.

 

 


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