Sie wusste nicht, wie sie in dieses Zimmer gekommen war…
Es ist wieder soweit – die FebruarGeschichten für Donnas SchreibWerkstatt dürfen heute online. *freu*
Ich bin sehr gespannt, was ich bei den AutorenKollegen zu lesen bekomme – bin super neugierig – UND, ich habe selbstnatürlich auch selbst ein paar Zeilen geschrieben
SIE WUSSTE NICHT, WIE SIE IN DIESES ZIMMER GEKOMMEN WAR…
das Letzte an das sie sich erinnern konnte war ein kurzer Augenblick absoluter Stille, in dem nicht mal ein Vogelzwitschern zu hören war und dann dieser ohrenbetäubende Lärm. Müde schloss Biene wieder ihre Augen. Was war nur passiert? Wo war sie nur gelandet und vor allem, wer war dieser bezaubernde Kerl an ihrem Bett, der ihr immer weiter die Hand streichelte und sie bat, wach zu bleiben?
“…noch eine Weile dauern! … Amnesie! …traumatisches Ereignis! Sie brauchen Geduld. Haben Sie nicht zu hohe…! Ruhe und Geduld!…”
Sie wusste nicht, wie sie in dieses Zimmer gekommen war und sie wusste vor allem nicht, wie lange sie schon in diesem Zimmer lag. Der Geruch, der ihr immer wieder durch die Nase kroch ähnelte - ja was ähnelte er? Sie konnte sich nicht erinnern.
Vorsichtig öffnete sie ihre Augen und wieder saß dort dieser Mann, der zärtlich ihre Hand streichelte, dabei aber selbst die Augen geschlossen hatte. Er musste furchtbar müde sein. Sein Haar war zerzaust, die Augen hatten furchtbare Augenränder und seine Kleidung hatte auch schon bessere Zeiten gesehen. Das T-Shirt war gerissen und vollkommen verdreckt.
“Wo, wo bin ich?”
“Kleines, Schatz, reg dich nicht auf – sprich nicht so viel! Bin ich froh, dass du wieder bei uns bist! Mann, was hatte ich eine Scheiß Angst um dich! Du bist im Krankenhaus. Hast ordentlich was auf den Kopf bekommen und ein paar Knochen gebrochen…”
Seine restlichen Worte wurden wieder in diese müde Watte eingelullt. Sie war im Krankenhaus – aber warum? Was war passiert? Schatz? Sie kannte diesen Mann also näher?
Ihre Gedanken fuhren schmerzhaft Karussel.
Ein paar Knochen gebrochen – je tiefer diese Worte in ihr Bewusstsein vordrangen, desto heftiger spürte sie die Stellen ihres Körpers, an denen es wohl zu Brüchen gekommen sein musste. Die Metapher “ich fühle mich wie von einem Trecker überrollt!” machte schmerzhaft Sinn und je ärger sich ihre einzelnen Körperteile meldeten, um so fester drückte sie die zärtliche Hand ihres “Schatzes”.
Wenn sie sich doch bloß erinnern könnte.
Biene wusste nicht, wie lange sie schon wieder in diesem Zustand zwischen Dämmer und Schlaf gelegen hatte. Es waren gefühlte Stunden, vielleicht aber auch länger. Die Medikamente, die augenscheinlich durch ihre Venen tropften und die Schmerzen doch nicht vollends zum Teufel jagen konnten, vernebelten ihr das Bewusstsein. Als sie spürte, wie die Hand auf der ihren sich langsam zurückzog, griff sie nach. Das durfte nicht sein. Das einzig positive Gefühl, das sie in dieser Situation empfand, durfte nicht davon gehen. Wie durch Watte hörte sie die beruhigende Stimme des Unbekannten an ihrem Bett: “Ich bin sofort wieder da Kleines, ich muss nur kurz an die frische Luft und ein Lungenbrötchen zu mir nehmen…” Er war also Raucher. War das der Geruch? Rauchte sie auch?
Biene beobachtete durch ihre Augenschlitze, wie “ihr Schatz” mit aller Vorsicht die große BalkonTür öffnete und versuchte dabei keinen Lärm zu machen. Als die Tür sich Zentimeter für Zentimeter aufschob, drang von außen ein Getöse an ihr Ohr, das Biene durch Mark und Bein erschreckte. Sie riss die Augen auf und schrie mit krächzender Stimme um Hilfe. Panisch ruderte sie mit den Armen, riss sich dabei den Perfusor aus dem Arm und Blut rann über ihren Unterarm auf das Bettlaken. Jeder einzelne Muskel und Knochen schmerzte und trieb ihr Tränen ins Gesicht, Bienes Herz raste und sie empfand nur noch Panik. Sie wollte weg. Weg von hier. Sie wollte nicht schon wieder um ihr Leben kämpfen müssen, Salzwasser schlucken und dabei immer wieder ihr Erbrochenes. In ihren Ohren kreischte ein ohrenbetäubender Lärm, ein furchteinflößendes Gurgeln und sie hatte mehr und mehr das Gefühl jede Bodenhaftung zu verlieren. Und immer wieder dann, wenn sie sich anschickte sich aufzurichten, diesem Horror zu entkommen, spürte sie jetzt viele Hände auf ihren Oberarmen und ihrem BrustKorb, die sie zwangen, liegen zu bleiben. Hände, keine Wellen, kein Wasser, kein Sog – es waren Hände.
“Schatz! Kleines – es ist gut! Du bist in Sicherheit. Du bist im Krankenhaus, bitte beruhige dich doch!!”
Wie durch einen Vorhang spürte Biene, wie ihr wieder der Zugang für den Perfusor gelegt wurde, sie noch einige Milliliter irgendwas durch die Venen gejagt bekam und der Druck der Hände abnahm. Nach einer gefühlten Ewigkeit war nur noch das zärtliche Streicheln des Mannes übrig und ihr Herzschlag, der zwar schon deutlich verlangsamt aber immer noch polternd bis an ihr Ohr drang.
Sie wusste nicht, wie sie in dieses Zimmer gekommen war und als Biene ihre Augen öffnete sah sie Mike an ihrem Bett sitzen. Derweil hatte er wenigstens mal geduscht. Er roch herrlich nach diesem Wald-und-Wiesen-Duschbad. Die Stoppeln in seinem Gesicht verrieten, dass seine Grübchen schon eine kleine Ewigkeit kein Tageslicht mehr zusehen bekamen und die fiesen Augenränder sprachen ihre eigene Sprache. Wie lange sie wohl schon hier lag? Biene versuchte sich auf die Seite zu drehen, um Mike direkt anschauen zu können. “Wow, welcher Trecker hat mich denn überrollt?
“Kann ich zu all dem hier mal ein bisschen Text haben Mike?”, krächzten ihre müden Stimmbänder, vor deren Klang sich Biene fast ein bisschen erschreckte. Mike erschrak sich definitiv. Er zuckte beim Druck ihrer Hand und beim Klang ihrer Reibeisenstimme dermaßen zusammen, dass er vom Stuhl rutschte. Vorsichtig rappelte er sich wieder hoch, tunlichst darum bemüht, keinen Druck auf die Matratze ihres Krankenlagers oder sie selbst auszuüben.
“An was erinnerst du dich? Erinnerst du dich überhaupt an irgendwas Kleines?”
“Das Letzte was ich weiß ist, dass wir uns tierisch gezofft haben. Dass du mal wieder weg wolltest um, du weißt schon. Und ich bin dann runter ans Wasser zu unserer Sandbank, hab mich auf den dicken Felsbrocken gesetzt und gegen den Wind angeschrien. Meine ganze Wut! Boah echt, du kannst mich so scheiß wütend machen! Dann wurde es plötzlich total still, außer mir war nixx mehr zu hören. Kein Meer, kein Wind, kein Vogel, keine Möwe – nüscht. Und gerade als mir das auffiel wurds tierisch laut – und ab da hab ich FilmRiss.”
“Jepp, da hat dich das Meer verschluckt!”
“Wie verschluckt?”
“Als ich im Radio die Sturmflutwarnung gehört hab, bin ich sofort runter an den Strand, um dich zu warnen aber ich konnte dich nirgendwo sehen. Das Wasser peitschte wie blöd, der Wind verschluckte einfach mein Rufen und du warst einfach nicht da. Da dachte ich, du seist vielleicht wo anders hin und machte mich auf den Weg zurück, als mein Handy bimmelte und Chrischi hysterisch von einem Unfall brabbelte. Was genau passiert ist wissen wir nicht. So wie du zwischendurch hier rumgefuchtelt hast nehme ich an, dass dich wohl ne riesige Welle vom Felsen geholt hat und dich das Meer dann zwei Kilometer weiter bei Chrischi vor der Pfahlstiege wieder ausgespuckt hat. Du glaubst gar nicht, wie froh ich bin, dass es dir gut geht, dass du relativ heile bist und dich das Meer nicht verschluckt hat.”
“Du hältst es doch auch nicht mit mir aus – wie soll es denn dann das Meer schaffen. Da hilft nur Ausspucken!”
“Du bist doof Kleines – du weißt genau, dass ich…”
“Ja, ich weiß genau, dass du irgendwann gehst, aber jetzt noch nicht. Du siehst ja was passiert. Und jetzt hab ich Hunger!”
Mike lachte laut und schüttelte den Kopf. Seine Augen glänzten und seine Grübchen gruben sich ansatzweise einen Weg durch die Stoppeln.
Jetzt wusste Biene, wie sie in dieses Zimmer gekommen war – was geschehen war und sie wusste, dass diese durchgeknallte Type an ihrem Bett, der wohl beste Freund war, den man sich hätte wünschen können.

Keine Panik auf der Titanic!
- Nicht traurig sein
*tätschel*
Erstmal nen Tee?
Die Smiles2Go sind nicht unsichtbar
Sie sind nur auf ihre eigene Seite gezogen.
Also einfach oben den Reiter Smiles2Go anklicken... und weiter lächeln.
Wow, super!
Vor allem gefällt mir, daß Du den Anfangssatz paarmal wieder aufgreifst.
Danke!
Ich habe es bis zum Schluss gerne gelesen.
Herzliche Grüße!
Klasse. Mir gefällt der Bruch von nicht erinnern, zu erinnern. Wie auf einmal mit den Erinnerungen eine andere Dimension kommt. Alles Liebe Karin
Hallo, dein Beitrag ist der erste, den ich lese – außer meinem natürlich, den ich fast auswendig kann. Toll. Ich glaube, dass ich diesen Samstag auch “in die Tonne treten kann”, was die Außenluftbewegungen betrifft, ich werde nur vor der viereckigen Scheibe sitzen.
Danke für Spannung!
Na, das ist ja gerade noch einmal gut gegangen. So viel Glück im Unglück:
Wie schön!
Gruss, Brigitte
Ich habe mich in der 11. Klasse mal näher mit Literatur beschäftigt, als ich anstatt Kunst oder Musik dieses Fach gewählt haben. Logischerweise kamen dabei auch Kurzgeschichten vor, so dass ich mich ein bisschen damit auskenne. Und mit diesem Blickwinkel muss ich sagen, dass mir deine Geschichte sehr gut gefällt, übrigens auch als Leseratte
!
So viel Dynamik. Man wird richtig mit rumgewirbelt.
Es ist eine unruhige Geschichte, aber eine spannende.
Gut zu lesen. Gefällt mir sehr gut.
Ich hab die Geschichte gerne gelesen, bis zum Schluss.
Realistisch, vorstellbar, ein Erlebnis was man hoffentlich wenn überhaupt, nur einmal erlebt.
Liebe Grüsse
Brigitte
Was man aus einem einzigen Satz so alles machen kann. Schön.
GanzkörperNoppenAnzug angesagt beim Lesen dieser Geschichte – und das auch, wenn man keine der handelnden Personen kennt, Du verstehst es, mit Deiner Schreibe den Leser festzuhalten bis zur letzten Zeile.
Ganz liebe Umarmung und viele Küsse für Dich aus der schönsten Hansestadt am Ryck vom Wolf, der Dich liebt, Du meine LeuchtturmWärterin.
Bigi! Deine Geschichte ist mal wieder zum Heulen schön…
DANKE! Liebe Grüße auch an deinen Wolfgang – Donna
Sehr spannend zu lesen und ein bisschen rührend. Wie schön, dass es ein Happy End gibt.
Hallo,
rasant bis zum Ende. Mir gefällt auch besonders, wie Du zum Schluss den Anfangssatz umgewandelt aufgreist.
Hat mir gut gefallen.
Liebe Grüße,
gori
sehr fesselnde Geschichte
es ist erstaunlich welch unterschiedliche Geschichten aus diesem Anfangssatz entstanden sind
gerne gelesen
liebe Grüße
Sterntalerchen
eine spannende geschichte hast du geschrieben. gefällt mir gut.
lg
ingrid
Eine schöne Geschichte. Spannend!
Liebe Grüße
Jorge D.R.
Ende gut alles gut!
Eben eine Geschichte mit Happy End… (mir vielleicht ein bißchen zuviel Happy?)
Liebe Grüße, Petra
Wow, man kommt einfach nicht mehr los, wenn man mal angefangen hat zu lesen – schöne Geschichte, toll geschrieben!
Liebe Grüße,
Patricia
sehr spannend zu lesen..
schön wenn es Happy End giebt..
Liebe Grüsse,Elke