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NEIN ZU NAZIS



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Offener Brief an die Bürgerschaft der Universität- und Hansestadt Greifswald

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren der Bürgerschaft in Greifswald,
wer selbst nicht am Samstag auf dem Marktplatz vor Ekel erstarrte, konnte der OZ-Berichterstattung zu der Pro-Arndt-Veranstaltung folgendes entnehmen:

„Im Anschluss verlas er [Axel Hochschild] noch die Namen von Bürgerschaftsmitgliedern, die in einer namentlichen Abstimmung im Stadtparlament gegen einen Antrag votierten, die Universität zum Überdenken des Beschlusses zu bewegen. Jeder Name wurde mit Pfiffen und „Pfui“-Rufen vom Publikum quittiert.“

>>Dazu gibt es diese Videosequenz, die das Geschehene in Bildern vermittelt.
Damit hat A.Hochschild eine Grenze mit Gewalt überschritten und begibt sich aktiv in das Reich der Konfrontation mit Greifswalder Bürgerinnen und Bürgern.

Diese Sonderbürgerschaftssitzung war öffentlich,
die Abstimmung hat vor aller Augen und Ohren, auch derer der Besuchenden, stattgefunden.
Die Presse war ebenfalls anwesend.
A.Hochschild schlachtete im Anschluss das Abstimmungsergebnis, in meiner persönlichen Wahrnehmung, grenzwertig denunzierend auf der Webseite seiner Fraktion aus.
Es besteht also überhaupt kein Anlass, Zweifel an der Transparenz zu hegen.
Dieser Vorgang war so öffentlich wie selten in der Bürgerschaft.

Die öffentliche Anprangerung auf dem Markt ist nicht nur in meinem Demokratieverständnis, eine Überschreitung aller Grenzen des Anstands und lässt viele, gerade ältere Menschen entsetzt zurück. Hier nur ein paar Reaktionen von GreifswalderInnen, die dieser Inszenierung tapfer beiwohnten oder sie verließen.

„Pfui – beschämend – empörend – Das gehört sich nicht – Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Dieser Verbaldurchfall oder Arthur König, der nicht eingreift. Ich bin entsetzt – Erst Ott, Liskow und dieses Bübchen, nun das. Wir wählen seit Jahrzehnten CDU. Jetzt nie wieder. – Die AfD bedankt sich – widerliche Instrumentalisierung – Das ist nicht mehr meine Partei – Was soll das? – Der war nie zimperlich, aber das geht zu weit. – Greifswald muss aufpassen und die Bürgerschaft sollte sich mindestens von diesen Auftritten distanzieren. Auch von denen dieses alten Linken… Mulltauf? – Was ist mit Arthur König los? – Und König macht da mit. Entsetzlich. – Recht extrem – Wenn der Greifswald repräsentiert, schäme ich mich Greifswalderin zu sein. – Viele hier sind in meinem Alter und das macht mir Angst. – Ich bin für den Erhalt des Namens. Aber nicht so. – Mattentrauma – Arndt dreht sich im Grab um. – …“

Die Zusammenfassung derjenigen, die nicht des Malermeisters Meinung sind, auf einer Liste und die Verlesung dieser Liste vor einem pfeifenden, geifernden und johlenden Publikum unterstelle ich folgende Absicht: Erneute Denunzierung und Diffamierung.

Sie steht in einer Linie mit den Nazi-Posts in den Sozialen Netzwerken, welche die Namen der studentischen Mitglieder des Senats samt Adresse veröffentlichten und sagten: „Ihr wisst ja, was nun zu tun ist“.

A. Hochschild hat mit dieser Denunzierung die Bürgerschaft in Misskredit gebracht und meines Erachtens erpresst. Die Mitglieder der Bürgerschaft dürfen nicht in ihrem Abstimmungsverhalten dadurch beeinflusst werden, dass sie damit rechnen müssen, dem johlenden Greifswalder Mob ausgesetzt zu werden. Ja ich spreche bewusst von Mob, denn dieser Hass, der sich in den Gesichtern der Personen, die sich an dem Spektakel lauthals beteiligten, ablesen lässt erinnert schwer an Szenen rechtsextremer Übergriffe, Naziaufmärsche, Merkel-Muss-Weg-Veranstaltungen, Informationsveranstaltung zu Gemeinschaftsunterkünften und Hexenverbrennung.

Das hat nichts mehr mit Transparenz zu tun und ist sicher nicht im Sinne des Erfinders.

Über diese Form der Denunziation und Diffamierung darf man nicht axelzuckend hinweggehen, Entschuldigungen suchen oder sie schön reden. Dieses Verhalten ist definitv kein „übliches“ Mittel politischer Auseinandersetzung, sondern es ist die Diffamierung von Menschen UND der Bürgerschaft. Dass Hochschild das ungehindert auf dem Marktplatz konnte ist nicht nur ein eklatanter Verstoß gegen ALLE demokratischen Regeln, sondern lässt auch an dem demokratischen Verständnis beiwohnender Bürgerschaftsmitglieder zweifeln.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren der Bürgerschaft in Greifswald,

ich persönlich kann bekanntlich sehr gut nachvollziehen, wie es sich anfühlt von Herrn Hochschild an den Pranger gestellt und zum Thema gemacht zu werden. [siehe dazu www.synchronuniversum.de] Und ich bin nur eine einfach gestrickte Bürgerin, an der sich, wie mir derweil mehrfach versichert wurde, ein paar Fraktionsmitglieder „rächen“ oder abarbeiten wollten, da ich meine kleinen Wurstfingerchen seit 2010 zu oft, zu tief in Wunden lege und den „Herren“ einfach zu aufmüpfig bin.

Doch diese Inszenierung hatte selbst für mich einen erheblich unwürdigeren Charakter mit dem Charme von Menschenverachtung.

Ich erwarte als Bürgerin von Ihnen mehr als nur ein transparentes „Nachdenken“. Ich wünsche mir ein deutliches und nicht zu überhörendes Signal. Ich wünsche mir eine glaubwürdige, ehrliche Distanzierung.  Und schließlich rate ich, wenn Sie gestatten, unbedingt zu einer ehrlichen Auseinandersetzung mit der Person „Hochschild“. Dass diese Person die Bürgerschaft, nach meinem Empfinden, als persönliche Plattform für die Demonstration eigener Befindlichkeiten und Unzulänglichkeiten immer wieder missbrauchen darf, ist das Eine. Dass diese Person nun sämtliche Werte dieser Bürgerschaft mit Füßen tritt, das ist nicht hinnehmbar und es wird Sie viel Mühe kosten, das Vertrauen der BürgerInnen in die Arbeit der Bürgerschaft wiederherzustellen. Im Übrigen möchte ich zu bedenken geben, wem diese Aktion schließlich und endlich genutzt hat – der AfD. Denn seien wir doch mal ehrlich – sie ist sicher nicht unser Inbegriff einer Alternative für Deutschland – aber sie ist das Original – und warum sollte man als „Besorgte, der Identität Beraubten oder Abgehängte“ für das wertfreie Imitat, Plagiat oder die billige Kopie kreuzen, wenn man das Original wählen kann?

Vielen Dank für Ihre Zeit,

Birgit Schulz

Der Frieden der Stadt steht Kopf

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