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Liebe und Toleranz am 1. Mai

Hach, war es nicht einfach nur schön?

Foto (c) Greifswald für Alle

Foto (c) Greifswald für Alle

Und was wurde im Vorfeld nicht zum Nachteil der Veranstalter, sondern – und das finde ich ganz persönlich nicht nur peinlich, sondern auch im Hinblick auf sich äußernde Politiker mehr als anmaßend, zum Nachteil der Bürger Greifswalds nicht alles so von sich gegeben, oder?

Hat die **U vielleicht einfach nur vergessen, dass sie sowohl bereits am 18. März in einem persönlichen Gespräch zur Teilhabe und Teilnahme an unserem Fest eingeladen wurde, als auch eine schriftliche Einladung erhielt?  Wie lautete doch gleich noch die Bedingung, die in jenem Gespräch seitens der **U gestellt wurde?

...dass die Veranstaltung "auf dem Boden des Grundgesetzes" stehen müsse, ...

Seitens, nennen wir sie mal vorsichtig „Mitläufern“ der FFDG (eventuell in mutmaßlicher Anlehnung oder vielleicht sogar Kooperation mit dem rechten Portal Greifswald Info, auf dem noch ganz andere Verschwörungsstheorien heftigeren Kalibers nachzulesen sind?) äußerte sich Olaf Blank (verbal und in Gestik teils als aggressiv empfundener „Hauptkommentator“, Videodreher und eben Unterstützer der hiesigen BonsaiGida):

…Das dieses „Kultur“-Fest eine Ansammlung linksradikaler Spinner ist und als Rekrutierungs-Maßnahme … für die kriminelle Antifa zu sehen sein sollte, ist auch klar.

Und dieses Zitat ist in der Tat noch eines der Harmlosen.

Lassen solche Äußerungen nicht vielleicht einfach nur den Verdacht aufkommen, dass jene Personen und ihre wie auch immer gearteten Gruppierungen an einem wirklichen Miteinander in unserer Stadt, dem berühmten „an einem Strang ziehen“, an Lösungen und an einem toleranten, demokratischen und vielfältigen Greifswald wenig bis gar kein Interesse haben?

Andererseits haben sich einige jener Personen, die sich gerade auf der Seite von FFDG oder zum Beispiel „Was Greifswald bewegt“ wenig tolerant bis übelst beleidigend, nationalistisch und hetzerisch geben, ebenfalls unter das so unterschiedliche und friedliche Publikum gemischt. Vielleicht können sie die Erlebnisse und die Begeisterung ihrer Kinder ja zum  Anlass nehmen, einmal über ihre Haltung und ihre Äußerungen nachzudenken. Das wäre richtig klasse.

Liebe und Toleranz am 1. Mai – Wie es wirklich war

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Fotos (c) Greifswald für Alle

Was soll ich sagen – ich bin immer noch komplett geflasht von diesem Tag, der dank einer gigantischen Orgaleistung vieler engagierter und liebenswerter Menschen, einer mehr als interessanten Liste von Rednern und Akteuren und der fantastischen Begleitung von Frau Osram so ziemlich alle positiven Gefühlsregung auslöste, die frau so haben kann.

Umwerfend die Besucherzahl! Haben wir in der Spitze 1.500 Besucher auf dem Marktplatz zählen können, und beobachtete man das rege Kommen und Gehen – je nach Attraktion, Musik- und Redebeiträgen, dürfen wir davon ausgehen, dass  ca. 2.500 Menschen aus Greifswald und Besucher unserer Stadt enormen Spaß hatten an dem gemeinsamen Bild „Tolerantes Greifswald“. Kurzum, zwischendurch ist unser Wohnzimmer der Stadt fast aus allen Nähten geplatzt.

Mama bigi hatte über den Tag verteilt gleich mehrfach nah am Wasser gebaut und das berühmte Pipi in den Augen. In Anbetracht der Tatsache, was in den vergangenen Tagen in Syrien allgemein und in Aleppo im Besonderen geschah und geschieht, war ich unfassbar beeindruckt, wieviele meiner „Söhne und Familien“, wieviele Refugees unserer Einladung folgten, am Fest teilnahmen, sich aktiv einbrachten und unser Kulturfest mitgestalteten. Hierfür meinen ganz, ganz, ganz besonders herzlichen Dank, vorallem an „meine Jungs“, die mit auf- und abbauten, die Kinder bespaßten und unterhielten und uns unglaublich unterstützten. SHUKRAN!

 

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ghfBesonders berührt hat mich auch immer wieder der Umgang aller mit diesem wundervollen Willkommensbanner, welches Herr Heuer vom Theater Vorpommern entlang unseres Wohnzimmerbodens, „auf dem Boden des Grundgesetzes“ 😉, quer über den Marktplatz ausrollte. An meinem kleinen aber feinen InfoTisch, den ich mir mit der Initiative „Greifswald hilft Geflüchteten“ teilte, hatte ich eine hervorragende  Sicht auf das Banner und konnte beobachten, wie Jung und Alt mit Ausfallschritt darüber traten oder darüber hüpften.

Bleiben wir bei unserem charmanten Ständchen – an dem ich die erste Feststunde damit zubrachte, mich nicht dauernd zu erschrecken, wenn sich die Kids an der Haltestelle Dosenwerfen von „Die Linke“ austobten. Hinter uns der Schminkstand, der sich, neben der Hüpfburg und der offenen Nähwerkstatt „Kabutze“ zum Renner des Tages entwickelte. In den Hochzeiten, standen Mamas und Papas einmal um die Hüpfburg rund an, um die lieben Kleinen mit phantasievollen Motiven schminken zu lassen. Die Hüpfburg konnte zwischendurch wegen Überfüllung nicht alle Hüpfer einlassen und Bilal, der gemeinsam mit meinem Schatz dafür Sorge trug, dass nichts, aber auch absolut gar nichts passierte, meinte scherzhaft: „Das ist ein gutes Torwarttraining. Man springt von links nach rechts zurück in die Mitte und verhindert, dass Kinder aus der Hüpfburg über den Marktplatz springen.“ Msallam, der mit einem kindgroßen 4Gewinnt-Spiel zwischen diesen beiden Attraktionen einen Platz an der Sonne genoss, fühlte sich alsgleich in die alten Zeiten der Sporthalle zurückversetzt, wo wir uns manche Nächte mit diesem und anderen Spielen um die Ohren schlugen.

010502Richtig eingeheizt wurde uns bei sommerlichen Temperaturen von der mehr als coolen BluesBrothers-Performance des Theaters Vorpommern, die sicher auch bei unserem ehemaligen Bürgermeister  Dr. Arthur König und seiner Frau großen Anklang fanden. Übrigens zwei meiner Gesichter Greifswalds an diesem Tag. Ich persönlich habe mich über das Kommen sehr gefreut und  betrachte es, wie viele meiner Mitmenschen, die mir in den letzten Wochen eine unglaubliche Stütze waren, als ganz besonderes Zeichen. Vielen lieben Dank Herr Dr. König!

Apropos Kabutze. Die offene Nähwerkstatt gestaltete und bemalte mit ihren Gästen viele „Flicken“, die in den kommenden Tagen zu einem Patchwork-Läufer (oder -Banner) zusammengefügt werden. Ich bin schon sehr neugierig auf das Ergebnis. Ein Flicken wird jedoch fehlen. Diesen hat die kleine Amelie gestaltet und wollte ihn eigentlich mit nach Hause nehmen. Ganz stolz zeigte sie mir ihr Kunstwerk, als sie sich mit ihrer Mama verabschiedete. Ich war so begeistert, dass die Sysse dies zum Anlass nahm, mir ihr Kunstwerk zu schenken. Ich kann euch gar nicht sagen, wie stolz ich darauf bin.

Währenddessen und zwischendurch traten Boogie Trap, Turtleneck, Lupus in Fabula, La Pack, Speedys Company und Five Aces auf. Anke Neubauer, ehemalige Schauspielerin unseres Theaters überzeugte und bewegte mit zwei Beiträgen, viele tolle Redner zeigten Haltung und riefen auf zu mehr Menschlichkeit und Toleranz. Richtig krass wurde es dann, als ein junger  Syrer von der zauberhaften Moderatorin Anne Wolf angesagt wurde. Muchanad ist 10 Jahre, spricht ein konkret gutes Deutsch, weil ohne Deutsch, kann er ja nicht zu uns gehören und ist leidenschaftlicher Rapper. Mit seinem kurdisch-syrischen Rap eroberte er im  Flug all die Herzen, die er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht hatte (der kleine Kerl konnte ja nicht überall seinen Charme versprühen) und wurde mit tosendem Applaus belohnt. Leider war ich zu langsam und hab den kleinen Herzensbrecher nicht mehr auf der Bühne erwischt – aber wer dabei war, dem ist der junge Mann sicher in berührender Erinnerung geblieben.

010505Der Krieg in Syrien, die vielen Anschläge in Aleppo alleine in den vergangenen Tagen, waren ein wesentliches Thema des Tages, auch auf der Bühne. Mein Schatz und ich hatten ein Kontingent Buttons gebastelt, die uns gerade unsere syrischen Freunde nahezu aus den Händen rissen. Und auch der zweite Beitrag von Anke Neubauer nahm Bezug und sie wurde hierbei von einer Reihe Geflüchteter unterstützt. Ihre Aufstellung „Aleppo brennt“ ist sicher an niemandem spurlos vorbeigegangen und machte mir einmal mehr deutlich, wie unfassbar glücklich wir alle sein müssten, die wir hier in Deutschland, in Greifswald leben. Viele unserer neuen Nachbarn haben in den letzten Tagen zahlreiche Verwandte und Freunde auf die erbärmlichste und menschenverachtendste Art verloren – im Krieg. Ein Krieg, in dem viele Nationen der ganzen Welt ihre blutigen Finger im „Spiel“ haben, auch Deutschland.

Jenen, die dieses Glück nicht begreifen wollen oder können, die in jedem Fremden einen Feind und Terroristen, einen Vergwaltiger und Mörder sehen, war die Aktion des AStA der Uni Greifswald gewidmet, oder wie ich es heute auf Facebook beschrub:

 

Großes ToleranzKino gestern im Rahmen des Kulturfestes auf dem Greifswalder Marktplatz – Regie: AStA, Darsteller: Die Menschen Greifswalds

Fotos gegen Rassismus ermöglichte allen Interessierten, sich mit verschiedenen Statements ablichten zu lassen. Außerdem wurde die Möglichkeit geboten „Willkommenspostkarten“ zu gestalten, die unseren neuen Mitbürger in der Brandteichstraße bei Einzug zeigen sollen, dass sie Willkommen sind.

Aus all den entstandenen Bildern lassen sich bestimmt tolle Plakate machen… mal sehen, wo sie schließlich und endlich Toleranz und Menschlichkeit versprühen werden.

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Fotos (c) AStA Uni Greifswald

Den krönenden Abschluss des Kulturfestes boten uns Arthur und Band, die uns mit ihren Texten und noch mehr Tiefgang  noch mal so richtig vom Hocker hauten.

Dank vieler, vieler helfender Hände, war unser Wohnzimmer ruckzuck aufgeräumt und ich denke, auch wenn wir alle mächtig müde waren, keiner von uns ist ohne ein Lächeln  früher oder später ins Bett und wir freuen uns schon auf das nächste Mal, wenn tausende Menschen Greifswalds zeigen, wie man auf dem Boden des Grundgesetzes feiert, wieviel Freude man auch in größter Trauer transportieren kann und wie vielfältig, bunt, demokratisch und tolerant unsere schönste Hansestadt am Ryck ist. Am Ende dieses wunderbaren Tages haben also ca. 2.500 Menschen unterschiedlichster Art gemeinsam gefeiert. Es gab keine Unfälle, keine Übergriffe, keine Straftaten, nicht mal einen Sonnenstich. Doch dieser Tag hatte auch eine sehr extreme brutale Seite – nämlich für die beiden einzigen, sehr freundlichen Polizeibeamten, die artig und fleißig ihre Runden drehten und so gar nichts zu tun hatten. Das muss sehr extremst brutalst langweilig gewesen sein. Aber irgendwas ist ja immer – und mir tut es ganz ehrlich auch nicht leid.

Danke Greifswald! Thank you! Merci!
Spasybi! Spasibo! Tack! Dziękuję! Falemnderit! Dankje! Dank U!

Shukran!

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Euch interessiert die Arbeit des Bündnisses Greifswald für Alle? Ihr seid auch der Meinung, dass nicht demokratische, rassistische, fremdenfeindliche, homophobe, menschenverachtende Veranstaltungen nicht einfach unbegleitet und unkommentiert bleiben dürfen und möchtet uns unterstützen? Keinen Bock auf Rechtspopulismus à la AfD und FFDG oder Nationalismus à la NPD, MVgida, Dritter Weg & Co? Dann meldet euch doch bei uns. Alle weiteren Infos findet ihr in unserem Blog  oder ihr besucht uns auf Facebook.

Schöner Wohnen ohne Hetze(r) ist unser Motto heute ab 19 Uhr – wieder im Wohnzimmer unserer Stadt, allerdings aus weniger erfreulichem Anlass – wie gesagt, manche Veranstaltungen können wir nicht einfach unbegleitet und unkommentiert lassen.

 

 


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